Ulrich Klages

Ulrich Klages „Denkzeichen Georg Elser“, Wilhelmstraße, Berlin
© Peter Waibel

Ein Berliner Denkzeichen zur Erinnerung an einen in Vergessenheit geratenen Widerstandskämpfer

In exponierter Position und von unterschiedlichen Standorten aus gut sichtbar, schwebt vor dem Himmel Berlins eine Stahlskulptur. Eine fein geschwungene Konturlinie formt das Profil des Widerstandskämpfers Johann Georg Elser, das nachts aus der Dunkelheit hervortritt – beidseitig durch ein Band aus LED-Lampen erleuchtet.

Ecke Wilhelmstraße/An der Kolonnade erinnert Ulrich Klages Denkzeichen an Johann Georg Elser (1903–1945), einen Tischler aus Baden-Württemberg. Elser verübte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller mit einem selbst gebauten Sprengsatz ein Attentat auf Adolf Hitler und die gesamte NS-Führung. Da Hitler nach seiner Rede den Versammlungsort jedoch früher als geplant verließ, entkam er der Explosion. Elser wurde noch am selben Tag verhaftet und nach jahrelanger Haft am 9. April 1945 im KZ Dachau, einen Monat vor Kriegsende, hingerichtet.

Den auf die Initiative des Schriftstellers Rolf Hochhuth ausgelobten europaweiten Kunstwettbewerb zur Ehrung Elser gewinnt Ulrich Klages Entwurf dieser Skulptur. Um Elsers Profil in seiner Skulptur möglichst exakt darzustellen, vermisst Klages ihm verfügbares Bildmaterial und fertigt danach Zeichnungen an. Mithilfe von Softwareprogrammen stellt er diese räumlich dar und gleicht das Profil anschließend mit Fotografien ab.

In unmittelbarer Nähe des Denkzeichens sind drei Lichtstreifen mit Zitaten von Elser in den Gehweg eingelassen, die nachts ebenfalls erleuchtet sind.

TITEL
„Denkzeichen Georg Elser“
Stahl, LED-Leuchten, 17 Meter (2011)

KÜNSTLER
Ulrich Klages

ANSCHRIFT
Wilhelmstraße (vor der Hausnummer 92, an der Kreuzung/Ecke An der Kolonnade), Berlin

EIGENTÜMER
Land Berlin (offener zweiphasiger Kunstwettbewerb)

Weitere Informationen zu Georg Elser:
„Ich habe den Krieg verhindern wollen“ – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939

www.georg-elser.de

Diese Zitate dienen nicht nur zur Verdeutlichung des Motivs Elsers und zur Dokumentation seiner moralischen Haltung. Sie regen zu weiteren Auseinandersetzung mit den historischen, politischen und moralischen Dimensionen seiner Tat an – und tragen die ursprünglich so in der Wettbewerbsausschreibung* an die Künstler gerichtete Aufforderung an die Betrachter weiter.

Da, wo sich einst das Machtzentrum Hitlers befand, am Ort der Alten Reichskanzlei, erinnert mehr als 70 Jahre später ein weithin sichtbares Denkzeichen an Elsers unerschrockenen und mutigen Versuch, den weiteren Krieg zu verhindern.

„Warum dieses feindselige Nichtverhältnis der Deutschen zu Elser?“, fragt Rolf Hochhuth** in seiner Rede zur Enthüllung des Denkmals Wilhelmstraße am 8. 11. 2011. Und er beantwortet seine Frage mit einer weiteren: „Warum ist der Einzelgänger, der „Nichtorganisierte“ besonders unter Demokraten oder denen, die sich dafür halten – ewig ein Ärgernis? Individualistisch zu sein, statt dem Kollektiv zugehörig, war nicht nur in der „Ostzone“ ein Schimpfwort.

Ulrich Klages „Denkzeichen Georg Elser“, Wilhelmstraße, Berlin
© Peter Waibel

Klages Skulptur erinnert nicht nur an einen Widerstandskämpfer – der Künstler zeigt Elser als einen Menschen, der auch in der Dunkelheit eine leuchtende Spur hinterlässt.

Ulrich Klages studierte an der Universität Kassel Bildhauerei. Er lebt in Berlin und arbeitet als Künstler und Designer.

*Hochhuth-Initiative für Georg-Elser-Denkmal in Berlin, Offener zweiphasiger Kunstwettbewerb – Denkzeichen für Georg Elser in Berlin, Ausschnitt der Ausschreibung

**Rolf Hochhuth, Der deutsche Tell: Johann Georg Elser. Rede zur Enthüllung seines Denkmals Wilhelmstraße am 8. 11. 2011