Stiftungssitz des von Rohdich’scher Legatenfonds (Neubau)

Stiftungssitz

1878 wird das ehemalige Palais Rohdich abgerissen. Zwischen 1878 und 1880 entsteht ein neues Palais, mit dessen Planung die Architekten Gregor von Strahlendorff und Jakob Brunnenmann beauftragt werden. Eigentümer ist der von Rohdich’sche Legatenfonds zu Berlin, der die Mieteinnahmen dieses neuen Gebäudes weiterhin gemäß dem Stiftungszweck verwendet.

Das neue dreigeschossig Gebäude mit spätklassizistischer Fassade verfügt über elf Fensterachsen. Eine umbaute Veranda im rustizierten Erdgeschoss betont die Gebäudemitte. Im ersten Geschoss springt ein mit einem Balkon versehener Erker über die Breite von drei Fenstern vor, der bis unter das Dachgesims weitergeführt wird. Das dreieckige Giebelfeld ziert ein Wappen – das Geuder’sche Familienwappen, das der Bauherr irrtümlich mit dem des Generals von Rohdich verwechselte.

Die Fenster des ersten Geschosses sind mit geschmückten Dreiecksgiebeln verdacht. Der Fries oberhalb dieser Fenster trägt in alphabetischer Reihenfolge die acht Reliefs der verschiedenen Kopfbedeckungen des 1. Garde-Regiments zu Fuß. Die Fenster des zweiten Geschosses sind bis auf die jeweils äußeren giebellos, jedoch mit geschwungenen Stuckelementen verziert.

Auf der Balustrade des Daches thront rechts und links des Dachgiebels je ein mannshoher Torso eines römischen Legionärs. Um 1897 erfahren die Sandsteinfiguren eine Änderung: Nun sind sie wehrhaft behelmt und bewaffnet. Im umlaufenden kleinen Schmuckfries darunter gähnen Löwenköpfe zwischen Ornamenten.

Im Gegensatz zu seinem Vorgängerbau hat dieses Gebäude keine Freitreppe mehr.

Fotos des Rohdich’schen Palais finden sich auf der Site der Stiftung des von Rohdich’scher Legatenfonds.

Modernisierung des Gebäudeinneren

Das Palais bleibt über die kommenden Jahrzehnte äußerlich unverändert. 1910 werden Telefonanschlüsse für verschiedene Mietparteien gelegt, 1916 erhält das Gebäude eine Warmwasserheizung und elektrisches Licht.

Einzug der NS-Behörden

1933 bezieht der Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, das Gebäude. Nach Kriegsbeginn 1939 wird die Behörde erweitert und auf das Gebäude Pariser Platz 4 ausgedehnt.

Nach Todts Tod 1942 übernimmt Albert Speer dessen sämtliche Ämter und die Behörde wird in den Rang eines Ministerium erhoben. Das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition, die Generalinspektionen für das Straßenwesen, für Wasser und Energie sowie alle Aufsichtsbehörden für den Vierjahresplan sind nun hier ansässig. Die Kellerräume werden zu Luftschutzbunkern ausgebaut der Verandavorbau im Erdgeschoss abgerissen zugunsten einer vergrößerten Parkfläche.

Der Pariser Platz in Trümmern

1943 beschädigen britische Bomben das Gebäude der Französische Botschaft und das Liebermann-Haus, das Stiftungshaus des von Rohdich’scher Legatenfonds bleibt unbeschädigt.

Im April 1945 erreicht die Frontlinie den Pariser Platz, am 1./2. Mai 1945 erobert die Rote Armee den Reichstag. Erst jetzt zieht ein Schützenregiment zum Brandenburger Tor, zum Pariser Platz. Nach Beendigung der Kämpfe stehen am Pariser Platz nur noch Ruinen und Grundmauern.

1951 wird die Stiftung durch den Ostberliner Magistrat aufgelöst und enteignet. Das enttrümmerte Grundstück bleibt unbebaut.

Pariser Platz, Blick von der Quadriga bis zu den Neubauten Unter den Linden
Pariser Platz, Blick von der Quadriga bis zu den Neubauten Unter den Linden, 1966
Bundesarchiv, Bild 183-E0428-0001-003; Fotograf Peter Koard; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Ein neues Bankgebäude

Nach der Wiedervereinigung gelangt die Stiftung nicht wieder in den Besitz des Grundstücks, obwohl der Bund selbst dort nicht bauen will.

1995 erwirbt die die Deutsche Genossenschaftsbank AG das Grundstück und beauftragt dort den Neubau ihres Bankgebäudes, Sitz der DG Bank, heute DZ Bank.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Demps, Laurenz (1995): Der Pariser Platz, Berlin DNB
  • Pröve, Ralf (2002): Pariser Platz 3. Die Geschichte einer Adresse in Deutschland, DNB
  • von Rohdich’scher Legatenfonds, Stiftung des öffentlichen Rechts: Friedrich Wilhelm von Rohdich Website
  • von Rohdich’scher Legatenfonds, Stiftung des öffentlichen Rechts: Stiftungssitz Website

StandortPariser Platz 3
Architekt(en)
  • Jakob Brunnemann
  • Georg von Strahlendorff
Erbaut1880
Zustandzerstört 1945
Nutzer
  • Rohdich'scher Legatenfond
  • Casino-Gesellschaft
  • Salon Radziwill
  • diverse Mieter
  • ab 1934/35 Hauptverwaltungssitz der Organisation Todt
  • ab 1942 Reichsministerium für Bewaffnung und Munition, die Generalinspektionen für das Straßenwesen, für Wasser und Energie sowie weitere Aufsichtsbehörden
Ensemble
VorgängerPalais Geuben/Palais Rohdich
NachfolgerDZ Bank
AuftraggeberStiftung Rohdich'scher Legatenfonds