Schaaffhausen’scher Bankverein/Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund

Bayerische Vertretung in Berlin, 2008
Bayerische Vertretung in Berlin, 2008
Fotograf: Regani; Lizenz: gemeinfrei via Wikimedia Commons

Aus den Bedenken, seinen Kölner Bankplatz zu schwächen, entschließt sich der A. Schaaffhausen’scher Bankverein erst 1891, eine Filiale in Berlin zu gründen. Das Berliner Stammhaus wird 1897/98 nach Plänen von Carl Heim in der Französischen Straße 53–54 errichtet und schon bald bis zur Nr. 56 erweitert.
Das Gebäude in der Französischen Straße ist nicht erhalten.

Die Behrenstraße – Zentrum des Berliner Bankenviertels

1910 entwerfen die Architekten Richard Bielenberg (1871–1929) und Umbauten(1872–1963) für das Grundstück Behrenstraße 21–22 ein repräsentatives Geschäftshaus als Erweiterungsbau für den Bankverein. Der Neubau soll mit dem Stammhaus verbunden werden. Die Ortswahl fällt nicht nur aus diesem Grund auf die Behrenstraße. Diese Straße entwickelt sich zum Zentrum der in Berlin niedergelassenen Banken: Die Disconto-Gesellschaft wird 1851 im Haus Nummer 43 gegründet und hat hier ihr Stammhaus. Die Berliner Handelsgesellschaft, eine der bedeutendsten Banken der Kaiserzeit, residiert im vom Architekten Alfred Messel 1899 bis 1900 errichteten Haus 32/33. Das Wohnhaus von Carl Fürstenberg, eines namhaften deutschen Bankiers, errichtet der Architekt Alfred Messel auf dem Grundstück Nr. 32. Der Architekt Ludwig Heim errichtet in den Jahren 1887 bis 1889 im Stil der römischen Hochrenaissance den Gebäudekomplex der Dresdner Bank auf den Grundstücken Nr. 36–39. Die Pommersche Hypotheken-Aktienbank lässt sich auf dem Grundstück Nr. 35 nieder; Disconto-Gesellschaft auf Nr. 42–45 und die Berliner Bank auf Nr. 46, in dem Gebäude, das Mitte des 19. Jahrhunderts Wohnhaus des Bankiers Friedrich Martin Magnus ist.

Einige dieser Gebäude haben die Kriegszeit nicht überstanden. Das Gebäude der „Aktiengesellschaft A. Schaaffhausen’scher Bankverein zu Köln“ jedoch existiert noch heute und ist seit 1998 Sitz der Bayrischen Vertretung in Berlin.

Das Gebäude des Schaaffhausen’schen Bankvereins damals …

Die Architekten Richard Bielenberg und Josef Moser errichten den Neubau im Stil des Neoklassizismus. Das dreigeschossige Gebäude hat eine Fassade aus hellem Sandstein, die in sieben Achsen gegliedert ist. Das Portal ist mittig platziert, das Erdgeschoss rustiziert. Die zwei folgenden Obergeschosse erscheinen als Einheit, denn die oberhalb des Erdgeschosses ansetzenden massiven kannelierten Pfeiler mit ihren senkrechten konkaven Furchen übergreifen als Kolossalpilaster beide Etagen. Sie betonen noch die vertikale Gliederung durch die zurückspringenden Fenster, die Relieffelder tragen. Die schmiedeeisernen Fenstergitter fertigt die Kunstschmiede Bagner und Francke aus Weimar an – sie sind bis heute erhalten. Auf den Pfeilern ruht ein reich gegliedertes Gesims, oberhalb dessen ein niedriges Dachgeschoss das Bauwerk abschließt.

… Vertretung Bayerns in Berlin heute

Statt der ursprüngliche Kartusche in der Portalbekrönung findet sich dort heute das Wappen des Freistaates Bayern, so wie „Bayrische Vertretung“ an der Stelle angebracht ist, an der ehemals der Bankname stand.

StandortBehrenstraße 21/22, 10117 Berlin
Architekt(en)Richard Bielenberg und Josef Moser
Erbaut1910
Zustand
  • erhalten
  • Umbauten 1952 und 1992
Nutzer
  • Aktiengesellschaft A. Schaaffhausen’scher Bankverein zu Köln (1910–1914 )
  • Disconto-Gesellschaft (1914–1929)
  • Deutsche Bank (1919–1945)
  • Deutsche Handelsbank AG (1945–1990)
  • vom Freistaat Bayern erworben (1992)
  • Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund (1998–)
Vorgänger1743–1766 Wohnhaus des Mathematikers Leonhard Euler, an den eine Gedenktafel erinnert (nicht mehr erhalten)
AuftraggeberSchaaffhausen'scher Bankverein