Prinz-Albrecht-Palais (vormals Palais Vernezobre)

Prinz-Albrecht-Palais in Berlin
Adolph Menzel, Das Prinz-Albrecht-Palais in Berlin, Wilhelmstraße, Öl auf Leinwand, 68 x 86 cm, 1837
von Adolph Menzel [Public domain], via Wikimedia Commons

Herrschaftliches Palais

Von 1737 bis 1739 lässt Baron Franziskus Matthäus von Vernezobre de Laurieux (1690–1748) auf Geheiß König Friedrich Wilhelm I. das Palais Vernezobre in der Wilhelmstraße 102 errichten. Geschichten erzählen, der König habe den Grafen zu diesem Bau erpresst. Genau zu dieser Zeit ist die Bebauung der Wilhelmstraße mit herrschaftlichen Palais ein vordringliches Anliegen Friedrich Wilhelm I. Der Graf, Vater einer Tochter, die den ihr vom König als Gemahl bestimmten Friedrich Wilhelm Quirin von Forcade ablehnt, kann diese Heirat nur dadurch abwenden, dass er ein herrschaftliches Palais nach französischem Vorbild mit Ehrenhof, Wirtschaftstrakt und Garten in der Wilhelmstraße errichtet.

Zu Beginn liegt das Palais noch abseits des städtischen Berliner Geschehens in der Nähe der Stadtmauer, sein Garten erstreckt sich bis zur heutigen Stresemannstraße. Die Familie Vernezobre verlässt in der zweiten Generation Berlin, das Palais erlebt wechselnde Besitzer, bis Prinz Albrecht von Preußen das vernachlässigte Gebäude 1830 kauft.

Umgestaltung durch Schinkel

Der neue Besitzer beauftragt den klassizistischen Baumeister, Architekt, Stadtplaner, Maler, Grafiker und Bühnenbildner Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), es zu restaurieren und umzugestalten. Wichtigste äußere Veränderung ist die Umgestaltung der Straßenfront mit einer Säulengalerie – nun ist der Blick auf das Palais von der Straße her offen.

Lenné-Park

Blick in den Palaisgarten des Prinzen Albrecht 1846
Adolph Menzel, Blick in den Palaisgarten des Prinzen Albrecht, Öl auf Leinwand, 68 x 86 cm, 1846
Adolph Menzel [Public domain], via Wikimedia Commons
Der Garten wird von Joseph Peter Lenné zum Park erweitert und trägt zu Lennés Ruhm bei. 30 Jahre später erfolgt eine weitere Umgestaltung durch Schinkels Schüler, den Architekten Adolf Lohse (1807–1867). 1870 wird am nördlichen Rand des zum Palais gehörenden Parks eine Privatstraße angelegt, die 1891 den Namen „Prinz-Albrecht-Straße“ erhält. Palais und Gelände bleiben im Besitz des Hauses Hohenzollern, werden jedoch für unterschiedliche Zwecke vermietet. So nutzt z. B. die Reichsregierung das Palais von 1928 bis 1931 als Gästehaus.

Sitz des SD-Hauptamtes

In der NS-Zeit wird das Prinz-Albrecht-Palais als Teil der SS-Hauptverwaltung zum Sitz des SD-Hauptamtes.

„Topographie des Terrors“

Nach einer Zwischennutzung als Autodrom und Schrottplatz entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Ensembles der SS-Hauptverwaltung die Gedenkstätte Topographie des Terrors, die 2010 eröffnet wird.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bergische Universität Wuppertal: Lehrpfad Wilhelmstraße. 2. Station: Niederkirchstraße, Wilhelmstraße, Kochstraße, Archiv
  • Dahl, Arnim (2003): Das Prinz-Albrecht-Palais, in: Kreuzberger Chronik, Juni 2003, Ausgabe 48, Kreuzberger Chronik
  • Demps, Laurenz (2010): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht, 4. Auflage, Berlin, CH.Links

Standort
  • Wilhelmstraße 102
  • heute: Wilhelmstraße 40
Architekt(en)
  • Karl Friedrich Schinkel
  • Joseph Peter Lenné
  • Adolf Lohse
Erbaut1737-1739
Zustandabgerissen 1949
Nutzer
  • Vernezobre de Laurieux
  • Prinz Albrecht von Preußen
  • Gästehaus der Reichsregierung (1928–1931)
VorgängerPalais Vernezobre
Nachfolger
  • SD-Hauptamt
  • Autodrom und Schrottplatz
  • Topographie des Terrors
AuftraggeberBaron Franziskus Matthäus von Vernezobre de Laurieux