Prinz-Albrecht-Palais (vormals „Palais Vernezobre“)

Prinz-Albrecht-Palais in Berlin
Das Prinz-Albrecht-Palais in Berlin, Wilhelmstraße; Stahlstich von William Finden nach der Zeichnung von Wilhelm Loeillot aus dem Album Samuel Spiker: Berlin und seine Umgebungen [Public domain], via Wikimedia Commons

Herrschaftliches Palais

Von 1737 bis 1739 lässt Baron Franziskus Matthäus von Vernezobre de Laurieux (1690–1748) auf Geheiß König Friedrich Wilhelm I. das Palais Vernezobre in der Wilhelmstraße 102 errichten. Geschichten erzählen, der König habe den Grafen zu diesem Bau erpresst. Genau zu dieser Zeit ist die Bebauung der Wilhelmstraße mit herrschaftlichen Palais ein vordringliches Anliegen Friedrich Wilhelm I. Der Graf, Vater einer Tochter, die den ihr vom König als Gemahl bestimmten Friedrich Wilhelm Quirin von Forcade ablehnt, kann diese Heirat nur dadurch abwenden, dass er ein herrschaftliches Palais nach französischem Vorbild mit Ehrenhof, Wirtschaftstrakt und Garten in der Wilhelmstraße errichtet.

Grundriss des Prinz-Albrecht-Palais vor dem Umbau durch Schinkel
Grundriss des Prinz-Albrecht-Palais vor dem Umbau durch Schinkel
in: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin, gemeinfrei

Zu Beginn liegt das Palais noch abseits des städtischen Berliner Geschehens in der Nähe der Stadtmauer, sein Garten erstreckt sich bis zur heutigen Stresemannstraße. Das Hauptgebäude ist in den Garten hineingebaut, zwei einstöckige Flügelbauten springen bis zur Straße vor und sind an der Straßenfront durch einen Querbau verbunden. Stallungen, Dienst- und Wirtschaftsräume in diesen Flügelbauten werden durch eine hohe  Blendmauer vom Vorhof getrennt.

Die Familie Vernezobre verlässt in der zweiten Generation Berlin, das Palais erlebt wechselnde Besitzer. So geht es unter anderem 1772 für 21 500 Thlr. an Prinzessin Amalie, die Schwester Friedrich des Großen, die es vor allem wegen seines schönen Gartens als Sommersitz schätzt. Nach ihrem Tod erbt Prinz Ludwig, der zweite Sohn Friedrich Wilhelm II. das Palais, nutzt es jedoch selbst nie. Es wird in den Folgejahren zur Unterbringung hochgestellter Personen genutzt. Seinen zeitweiligen Namen „Anspachsches Palais“ erhält es durch seine Nutzung durch den letzten Markgrafen Alexander von Anspach-Bayreuth von 1790 bis 1806. Durch seine bewegte Geschichte und unbeständige Nutzung leidet das Palais bis es 1818 notdürftig wiederhergestellt wird. 1830 kauft Prinz Albrecht von Preußen das vernachlässigte Gebäude.

Umgestaltung durch Schinkel

Der neue Besitzer beauftragt den klassizistischen Baumeister, Architekt, Stadtplaner, Maler, Grafiker und Bühnenbildner Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), es zu restaurieren und umzugestalten. Schinkel gestaltet die Straßenfront neu: Er entfernt den Querbau, setzt an seine Stelle eine offene ionische Säulenhalle, die den Blick auf das Palais von der Straße her ermöglicht. Die Flügelbauten mit ihren Wohn- und Arbeitsräumen für Bedienstete werden um eine Etage aufgestockt und die hohe Mauer des Vorhofes wird aufgebrochen. Reichte sie vorher bis an das Hauptgebäude, so orientiert sie sich nun an den Seitengebäuden. Wo vormals ein Quergebäude den Blick auf die Straße versperrte, öffnet sich nun die Blickachse durch eine offene Säulengalerie in beide Richtungen. Das Hauptportal des Gebäudes erreicht man nun, indem man durch das links in die Säulengalerie eingelassene Tor tritt und den Ehrenhof mit seiner Fontänen durchschreitet.

Blick aus der Kochstrafle auf die Kolonnaden des Prinz-Albrechts-Palais, Berlin, um 1885
Blick aus der Kochstrafle auf die Kolonnaden des Prinz-Albrechts-Palais, Berlin, um 1885
Fotograf: F. Albert Schwartz (Fotografisches Atelier)
© Stiftung Stadtmuseum Berlin; Inv.-Nr.: IV 87/343 V

Das Hauptgebäude hat eine Länge von ca. 50 und eine Tiefe von ca. 20 Metern. Seine Fassade weist einen nur wenig vorspringenden dreiachsigen Mittelrisaliten auf. Dieser wird im Erdgeschoss durch gekuppelte Wandsäulen, in den weiteren Geschossen durch Wandpfeiler horizontal gegliedert. Die Eckrisaliten sind durch Quaderstreifen eingefasst. Im Mittelrisalit erhalten die Fenster, das deutsche Barock zitierend, Verdachungen.

Wilhelmstraße 102. Palast des Prinzen Albrecht Berlin, 1890
Wilhelmstraße 102. Palast des Prinzen Albrecht, Berlin: Gartenseite, 1890, Römmler & Jonas Dresden
© Stiftung Stadtmuseum Berlin; Inv.-Nr.: IV 69/576 Vc

Weitere Umbauten des Palais folgen. Der Architekt und Schinkel-Schüler Adolf Hermann Lohse (1807–1867) gestaltet das Gebäude von 1860–62 um. 1874 wird es das Hauptgebäude um einen kurzen Anbau an der Südseite erweitert, der im selben Stil gehalten ist wie das Hauptgebäude.

Lenné-Park

Blick in den Palaisgarten des Prinzen Albrecht 1846
Adolph Menzel, Blick in den Palaisgarten des Prinzen Albrecht, Öl auf Leinwand, 68 x 86 cm, 1846
Adolph Menzel [Public domain], via Wikimedia Commons
Der Garten wird von Joseph Peter Lenné zum Park erweitert und trägt zu Lennés Ruhm bei. 1870 wird am nördlichen Rand des zum Palais gehörenden Parks eine Privatstraße angelegt, die 1891 den Namen „Prinz-Albrecht-Straße“ erhält. Palais und Gelände bleiben im Besitz des Hauses Hohenzollern, werden jedoch für unterschiedliche Zwecke vermietet. So nutzt z. B. die Reichsregierung das Palais von 1928 bis 1931 als Gästehaus.

Sitz des SD-Hauptamtes

In der NS-Zeit wird das Prinz-Albrecht-Palais als Teil der SS-Hauptverwaltung zum Sitz des SD-Hauptamtes.

„Topographie des Terrors“

Nach einer Zwischennutzung als Autodrom und Schrottplatz entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Ensembles der SS-Hauptverwaltung die Gedenkstätte Topographie des Terrors, die 2010 eröffnet wird.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bergische Universität Wuppertal: Lehrpfad Wilhelmstraße. 2. Station: Niederkirchstraße, Wilhelmstraße, Kochstraße, Archiv
  • Borrmann, R. (1893): Die Bau – und Kunstdenkmäler von Berlin. Im Auftr. d. Magistr. d. Stadt Berlin / bearb. von R. Borrmann. Mit e. geschichtl. Einl. von P. Clauswitz DNB
  • Dahl, Arnim (2003): Das Prinz-Albrecht-Palais, in: Kreuzberger Chronik, Juni 2003, Ausgabe 48, Kreuzberger Chronik
  • Demps, Laurenz (1994): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht DNB

Standort
  • Wilhelmstraße 102
  • heute: Wilhelmstraße 40
Architekt(en)
  • Architekt unbekannt
  • Umbau durch: Karl Friedrich Schinkel (1830)
  • Adolf Lohse (1860–1862)
  • Garten:
  • Joseph Peter Lenné
Erbaut1737-1739
Zustandabgerissen 1949
Nutzer
  • Vernezobre de Laurieux
  • Prinz Albrecht von Preußen
  • Gästehaus der Reichsregierung (1928–1931)
Nachfolger
  • SD-Hauptamt
  • Autodrom und Schrottplatz
  • Topographie des Terrors
AuftraggeberBaron Franziskus Matthäus von Vernezobre de Laurieux