Preußisches Staatsministerium und Generalordenskommission

Vorderansicht des Dienstgebäudes für das preußische Staatsministerium und die Generalordenskommission, Wilhelmstraße 63, Berlin 1899–1900
Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. BZ-F 22001

Preußisches Staatsministerium

Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts ändert sich der Sitz des Preußischen Staatsministeriums mehrmals: Von 1848–1870 befindet er sich in der Wilhelmstraße 74, von 1870–1889 in der Behrenstraße 72 und ab 1899 am Leipziger Platz 11.

1899 erwirbt der preußische Staat das Gelände in der Wilhelmstraße 63/64 (heute 52) und lässt einen repräsentativen Neubau für die preußische Regierung und das Büro des preußischen Ministerpräsidenten errichten.

Das Preußische Staatsministerium in der Wilhelmstraße 63/64, Berlin 1932
Bundesarchiv, Bild 183-H0115-0500-003 / Fotograf: Unbekannt; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Gebaut wird das neue Gebäude von 1900 bis 1902 nach Plänen von Paul Kieschke (1851–1905) und unter Beteiligung des Baumeisters Adolph Bürckner (1846–1932) mit einer Fassade aus schlesischem Sandstein im Stil des norddeutschen Barocks. Die Bildhauerarbeiten sind von Stefan Walter, den Portaladler entwarf Otto Richter (1867-1943).

1935 werden die meisten der preußischen Ministerien mit den neuen Reichsministerien zusammengelegt und hören damit faktisch auf zu existieren. Ab 1936 finden keine Kabinettsitzungen mehr statt.

Hermann Göring (1893–1946), der am 10. April 1933 zum Ministerpräsidenten von Preußen ernannt wird, verlegt das zum Amt gehörende Büro in den Komplex des Reichsluftfahrtministeriums zwischen Prinz-Albrecht-Straße (heute Niederkirchnerstraße) und Leipziger Straße. Das Gebäude in der Wilhelmstraße 63 sowie das benachbarte Gebäude Wilhelmstraße 64 werden dem „Stab des Stellvertreters des Führers“ (ab Mai 1941 „Parteikanzlei“) zur Verfügung gestellt.

Als „Stellvertreter des Führers“ residiert hier Rudolf Heß (1894–1987) und seit 1941 als Leiter der Parteikanzlei Martin Bormann (1900–1945).

Generalordenskommission

Ende März 1920 stellt die Generalordenskommission ihre Arbeit ein – die Arbeit der Behörde, die sich mit allen Angelegenheiten rund um Orden und Auszeichnungen befasst, ist überflüssig geworden. In der Weimarer Republik gibt es keine tragbaren staatlichen Auszeichnungen, Stiftungen und Verleihungen finden nicht mehr statt, der primäre Verleiher, die Monarchie, existiert nicht mehr. Bis 1938 gibt es noch eine Abwicklungsstelle, bei der Auszeichnungen verstorbener Träger zurückgegeben werden, denn nahezu alle preußischen Orden sind rückgabepflichtig.

Das Gebäude Wilhelmstraße 63 wird im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, seine Ruine 1949 gesprengt, verbleibende Reste werden 1951 geräumt.

Schule am Brandenburger Tor

1988 beginnt an dieser Stelle der Bau einer Schule. Geplant ist eine für die DDR typische polytechnische Oberschule für ca. 650 Schüler, die nach den Klassen 1 bis 10 dort die Mittlere Reife erlangen sollen. Die Wiedervereinigung Deutschlands nach einjähriger Bautätigkeit hat jedoch bildungspolitische Konsequenzen, die auch den Weiterbau der Schule verzögern. So kann sie erst mit dem Schuljahr 1991/92 ihre Türen öffnen. 1994 wird ihr der Name „Schule am Brandenburger Tor“ gegeben.

Eine Tafel der Stiftung Topographie des Terrors erinnert an das alte Palais und seine wechselvolle Geschichte.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Demps, Laurenz (2010): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht, 4. Auflage, Berlin, CH.Links

StandortWilhelmstraße 52
Architekt(en)Paul Kieschke
Erbaut1900–1902
Zustand
  • zerstört im 2. Weltkrieg
  • 1949 Ruine gesprengt
  • 1951 Grundstück enttrümmert
Nutzer
  • Preußisches Staatsministerium (1899–1935)
  • „Stab des Stellvertreters des Führers“ (ab Mai 1941 „Parteikanzlei“) (1935-1945)
Vorgängerunbekannt
NachfolgerSchule am Brandenburger Tor
AuftraggeberPreußischer Staat