Preußen 1701–1870

Die Wilhelmstraße – Geschichte des Berliner Regierungsviertels

Das Berliner Regierungsviertel in der preußischen Zeit: Die Wilhelmstraße und der Wilhelmplatz entwickeln sich zu einem Areal, in dem feudale Ansprüche architektonisch Form finden. Im Verlauf dieser Epoche setzen sich auch bürgerliche Interessen durch. Regieren, repräsentatives Wohnen und Handel treiben bestimmen die Stadtentwicklung und die Architektur der Bauwerke.

1706

Friedrichstadt

Friedrich I. von Preußen
Friedrich I. von Preußen
Antoine Pesne (1683–1757), Öl auf Leinwand
[Public domain], via Wikimedia Commons, gemeinfrei
Anfang des 18. Jahrhunderts lässt der spätere Preußenkönig Friedrich I. (1657–1713) die „Friedrichstadt“ als Vorstadt Berlins errichten. Ein harmonisches und ganzheitlich wirkendes Stadtbild dieses Stadtteils der königlichen Residenzstadt Berlin soll geschaffen werden. 1710 wird der neue Stadtteil eingemeindet. Die Wilhelmstraße entsteht als „Husarenstraße“.
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1723

Die Königliche Residenz Berlin

Die Königl. Residenz Berlin, 1723
Die Königliche Residenz Berlin, wie selbige sich um das Jahr 1723 präsentiert: nach dem von G. Dusableau gezeichneten Plan verfertigt
Digitalisierung: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2011
URN

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1730

Erweiterung der Friedrichstadt

Friedrich Wilhelm I.
Schule von Antoine Pesne, Öl auf Leinwand
[Public domain], via Wikimedia Commons, gemeinfrei
Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) vergrößert das Gebiet der Friedrichstadt. Sie verbindet nun den Mehringplatz im Süden mit dem Pariser Platz im Norden. Nach seinem Tod wird die Husarenstraße in „Wilhelmstraße“ umbenannt. Die den Wilhelmplatz umgebenden Straßen werden ab 1736 lückenlos mit Adelsvillen bebaut.
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1735

Das erste Brandenburger Tor

Das 1. Brandenburger Tor
Das erste Brandenburger Tor, 1735–1788, Zeichnung von Daniel Chodowiecki
Daniel Chodowiecki [Public domain], via Wikimedia Commons, gemeinfrei
Philipp Gerlach entwirft das erste Brandenburger Tor, auch  „Tiergarten Tor“ genannt. Es existiert von 1735–1788 und besteht lediglich aus zwei Torpfeilern und einem Wachhäuschen. Von hier gelangte man über den Tiergarten, damals ein großes Waldstück vor den Toren der Stadt, zum Charlottenburger Schloss.
gebäude
Preußen

Architektur

Mit der Absicht einer repräsentativen Bebauung entstehen Gebäude, deren Architektur sich an französischen Vorbildern orientiert. In der Zeit um 1800 ist die Exklusivität des Areals sprichwörtlich, so dass die Häuser in der Wilhelmstraße größtenteils von der Aristokratie als Wohnsitz gewählt werden. Insbesondere die repräsentativen und die westliche Seite der Wilhelmstraße säumenden Gebäude sind allein schon auf Grund ihrer Größe nur den Wohlhabendsten und Angesehensten unter ihnen vorbehalten.

Wichtige Baumeister: Philipp Gerlach (1679–1748), Carl Friedrich Richter (1701–1766), Karl Friedrich Schinkel (1781–1841)

1736

Palais Radziwill (vorher Palais Schulenburg)

Palais Schulenburg
Mittelfront im Ehrenhof des Palais Schulenburg
Architekturmuseum TU-Berlin, Fotograf: Königlich Preußische Messbild-Anstalt, Inventarnr. F 0074

Unter der Regierung von Friedrich Wilhelm I. errichtet, spiegeln die wechselnden Besitzverhältnisse des barocken Palais über mehrere Epochen Berliner Kultur und Politik bis hin zum Sitz des Reichskanzlers wider.

gebäude, palais
Preußen
1737

Palais Marschall (später Vossisches Palais)

Der Wilhelmplatz, Federzeichnung von C.H. Horst, etwa 1733
Der Wilhelmplatz, Federzeichnung von C.H. Horst, etwa 1733
Wilhelmplatz in Berlin, Federzeichnung der geplanten Bebauung, von C.H. Horst [Public domain], via Wikimedia Commons, gemeinfrei
Bei der Erweiterung der Friedrichstadt durch Friedrich Wilhelm I. entsteht um 1735 ein Grundstück von mehr als 400 Metern Tiefe. Es reicht von der Husarenstraße bis zur Akzisemauer. Minister Samuel von Marschall beauftragt Philipp Gerlach mit der Planung eines dort zu errichtenden Palais. Von 1735 bis 1737 wird das Palais gebaut. Nach dem Tod Marschalls hat es wechselnde Besitzer, bis es 1800 an den Minister Otto von Voß fällt und zum „Vossisches Palais“ wird.
gebäude, palais
Preußen
1737

Prinz Karl Palais / Ordenspalais

Palais Prinz Karl, Wilhelmplatz 8–9 Berlin
Palais Prinz Karl, Wilhelmplatz 8–9 Berlin. (Umbau Palais des Johanniterordens),
Zeichner: Johann Heinrich Hintze; Stecher/in: Finden
Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. 45570

Das Palais wird ab 1737 als Residenz des preußischen Generalmajors Karl Ludwig Truchsess von Waldburg an der Nordwestecke des Wilhelmsplatzes (Nr. 7/8) errichtet. Verschiedenste Nutzer prägen sein Bild durch die Epochen: Es ist Sitz der Berliner Gesandtschaft des Johanniterordens, beherbergt die Vereinigte Presseabteilung und das Auswärtige Amt des preußischen Staates,  das Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda während des NS, das Ministerium für Medienpolitik in der DDR und das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales des wiedervereinigten Deutschlands.

gebäude, palais
Preußen
1737

Wilhelmplatz

Im nördlichen Drittel der Wilhelmsstraße findet sich 1737 im Plan der Stadt Berlin erstmals auch ein viereckiger gepflasterter Platz ohne Bepflanzung, der bis zum Jahr 1749 den Namen „Wilhelms-Markt“ trägt. Der sich anschließende Zietenplatz wird 1737 als namenloser Exerzierplatz angelegt.

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1739

Palais Vernezobre – Prinz-Albrecht-Palais

Prinz-Albrecht-Palais in Berlin
Das Prinz-Albrecht-Palais in Berlin, Wilhelmstraße
Quelle: Gorch Pieken und Cornelia Kruse: Preußisches Liebesglück – Eine deutsche Familie aus Afrika

Von 1737 bis 1739 lässt Baron Franziskus Matthäus von Vernezobre de Laurieux (1690–1748) auf Geheiß König Friedrich Wilhelm I. das Palais Vernezobre in der Wilhelmstraße 102 errichten. Von Schinkel umgebaut, von Lenné mit einem großen Garten versehen, bleiben Palais und Gelände bis 1931 im Besitz des Hauses Hohenzollern.

gebäude, palais
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1790

Die Politik zieht in die Wilhelmstraße

Ende des 18. Jahrhunderts müssen viele Palais an die verkauft, verpachtet oder vermietet werden, die es sich leisten können: an Vertreter des aufstrebenden Bürgertums. Manufakturen und Verlagshäuser ziehen ein. Um eine weitere Verbürgerlichung zu verhindern kauft der preußische Staat ab 1790 Grundstücke und Gebäude an der Wilhelmstraße auf. Ministerien, Behörden und Gesandtschaften ziehen hier ein.
geschichtliches
Preußen
1791

Das neue Brandenburger Tor

Brandenburger Tor, Berlin, perspektivische Ansicht
Daniel Berger, Brandenburger Tor, perspektivische Ansicht
Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. 5962

Das schlichte Tiergarten Tor ist nicht mehr repräsentativ genug. Am Ende der Prachtstraße „Unter den Linden“ lässt Friedrich Wilhelm II das neues „Brandenburger Tor“ errichten. Carl Gotthard Langhans entwirft das neue Tor im frühklassizistischen Stil; die zwei Torhäuschen, die das Tor flankieren, sind in Form antiker Tempel gestaltet.

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Preußen
1793

Die Quadriga

Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor
Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor
© Marlen Wagner

Die von Johann Gottfried Schadow gefertigte Quadriga wird auf das Brandenburger Tor gesetzt. Dort verbleibt sie bis zum Jahr 1806. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt demontieren die siegreichen Franzosen die Quadriga und nehmen sie als Beute mit nach Frankreich. Erst 1814 gelingt es Feldmarschall Blücher und der preußischen Armee, die Quadriga zurückzuerobern.

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1828

Umgestaltung des Wilhelmplatzes durch Schinkel

1828 wird der Platz zu einer Parkanlage durch Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) umgestaltet. Die sechs Statuen der Feldherren der preußischen Armee, vom preußischen Bildhauer und Grafiker Johann Gottfried Schadows (1764–1850) geschaffen, werden an den Platzzugängen angeordnet, der Park mit einer doppelten Baumreihe umfasst.
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Preußen
1846

Grundriss von Berlin

Grundriss von Berlin 1846, Ausschnitt
Verfasser: Selter
Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2003
Public Domain / gemeinfrei

Dieser Plan von Selter wurde sehr häufig, fast im Jahresabstand, aktualisiert, sodass über die Zeit hinweg jedes neu gebaute Haus verfolgt werden kann. Die farbliche Gestaltung zeigt die Zuständigkeitsbereiche der 29 Polizeireviere.

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Preußen
1850

Bebauung vollständig

Berlin Wilhelmstraße Stadtplan 1863
Neuester Bebauungs-Plan von Berlin
Berlin: Schropp, 1863
Digitalisierung: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2011
Maßstab: 1:12 500
URN
Public Domain / gemeinfrei

Bis 1850 ist auch die Bebauung zwischen Leipziger Straße und „Unter den Linden“ abgeschlossen – sie entspricht mit ihren barocken Adelspalais genau den Vorstellungen des preußischen Staates.

geschichtliches
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