Pariser Platz

Pariser Platz mit Brandenburger Tor, Hotel Adlon, im Hintergrund die Straße Unter den Linden, Berlin 1931
Bundesarchiv, Bild 146-1998-010-21 / Fotograf: Klinke & Co.; Lizenz CC-BY-SA 3.0
  1. Haus Sommer
    Eigentümer: Rheinische Hypothekenbank. Architekt: Josef Paul Kleihues
    1912 bis 1935 Sitz der Bank Hugo Oppenheim & Sohn
  2. Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
    Eigentümer: USA. Architekten: Moore, Ruble, Yudell
    Palais Blücher
  3. Von Rohdichscher Legatenfonds zu Berlin
    Eigentümer: DG-Bank. Architekt: Frank Gehry
    Palais Wrangel
  4. Preußische Akademie der Künste
    Eigentümer: Akademie der Künste. Architekt: Günter Benisch
    Palais Arnim, danach Gebäude der Preußischen Akademie der Künste, in der NS-Zeit Sitz des Generalbauinspektors (G.B.I.) Albert Speer; seit den 1950er Jahren wieder Akademie der Künste
  5. Botschaft der Republik Frankreich
    Eigentümer: Frankreich.
    Palais Beauvryé, seit 1835 Sitz der Französischen Botschaft, 1943 beschädigt und später abgerissen, seit dem Ende des 20. Jahrhunderts Standort des Neubaus der Botschaft Frankreichs
  6. Palais Goldschmidt-Rothschild
    Eugen-Gutmann-Haus der Dresdner Bank, Pariser Platz 5a–6
    Eigentümer: Dresdner Bank. Architekt: Meinhard von Gerken
  7. Palais Landau
    Eigentümer: Hanseatica Berlin. Architekt: Bernhard Winking
  8. Max Liebermann Haus
    Eigentümer: Quandt-Gruppe. Architekt: Josef Paul Kleihues
    nördlich an das Tor angrenzend; im Zweiten Weltkrieg zerstört, im Jahr 2000 Neubau in Anlehnung an das historische Gebäude
  9. Unter den Linden 75–77: Früher »Hotel Adlon« nur im Haus Nr. 77
    Eigentümer: Fundus-Gruppe Köln. Architekt: Rüdiger Patzschke
    Redernsches Palais
  10. Unter den Linden 78–80
    Das Haus wurde geteilt in:
    Eigentümer Haus Nr. 78: Dresdner Bank.
    Eigentümer Haus Nr. 80: Schweizerische Bankgesellschaft
    Früher IG Farben

Der Pariser Platz

Angelegt bei der 1673 geplanten und ab 1674 umgesetzten Stadterweiterung Berlins durch die Dorotheenstadt bildet das nach seiner Form benannte Quarré (Pariser Platz) mit seiner Umbauung eines der herausragenden Beispiele städtebaulicher Konsequenz in Berlin. Durch die Jahrhunderte hindurch behält der Platz seinen Charakter als Ensemble, das sich mit der Zeit bewegt, verändert und mit seiner direkten Umgebung korrespondiert.

Ein „gefangener“ Platz

Der Pariser Platz ist einer der Berliner Plätze, die, auf einer geometrischen Grundform basierend, als „gefangener Platz“ konzipiert werden. Besonderen Stellenwert erhält das Quarré dadurch, dass sich seine dreiseitige Bebauung an der vierten Seite durch ein baulich gefasstes Tor hin zur Umgebung, dem Tiergarten, öffnet. Die dem Tor gegenüberliegenden Kopfbauten leiten die von der Schlossbrücke kommende Straße „Unter den Linden“ ein und bilden einen Übergang zwischen ihr und dem Platz. Ergänzung erfährt der Pariser Platz durch den „Platz des 18. März“ auf der dem Tiergarten zugewandte Seite des Brandenburger Tores. Das Stadtschloss und der Pariser Platz werden so in Beziehung zu einander gesetzt und in das Stadtgefüge eingebunden.

Geplantes Erscheinungsbild

Zwischen 1735 und 1737 entstehen sieben spätbarocke Stadtpalais als Umbauung des Platzes, zweigeschossige Palais mit Walmdächern, mit einer Traufhöhe von acht bis zehn und einer Firstlinie von 14 bis 16 Metern. Mittelrisaliten – mit Pilastern, Altanen oder Säulen zusätzlich verziert – betonen die Eingangsbereiche der Palais.

Das erste, 1738 errichtete Brandenburger Tor mit Toröffnung und zwei trophäenbekrönten Pfostenstellungen bezieht sich in Höhe und Form auf die vom Platz und seinen Palais gesetzten Maßstab. Die Toranlage entsteht an der Seite des Platzes zum Tiergarten hin und ist Teil der zur selben Zeit errichteten Akzisemauer. Architekt des ersten Brandenburger Tores ist wahrscheinlich Philipp Gerlach (1679–1748).

Das 1. Brandenburger Tor
Das erste Brandenburger Tor, 1735–1788, Zeichnung von Daniel Chodowiecki
Daniel Chodowiecki [Public domain], via Wikimedia Commons, gemeinfrei

Repräsentatives Erscheinungsbild

Brandenburger Tor, perspektivische Ansicht, Maler: Daniel Berger
Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. 5962

Das erste Brandenburger Tor befriedigt schon bald nicht mehr die Repräsentationswünsche Friedrich Wilhelm II. Auch kann das vergleichsweise kleine Tor das steigende Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen. Friedrich Wilhelm II. beauftragt Carl Gotthard Langhans (1732–1808), ein neues Stadttor zu entwerfen und zu verwirklichen. 1788 bis 1791 dauert der Neubau des neuen Brandenburger Tores. Der 65 Meter breite und 22 Meter hohe Neubau weist als monumentales individuelles Bauwerk keinen Bezug zum barocken Charakter des Platzes auf, sondern bezieht sich auf das antike Stadttor Athens. Es ist ein erstes Bauwerk im Stil des preußischen Klassizismus in Berlin.

Der mittlere, deutlich breitere Durchgang bleibt bis 1918, also bis zum Ende der Monarchie, den Angehörigen des preußischen Königshauses als Passage vorbehalten. Die beiden niedrigen Gebäude, die das Tor rechts und links flankieren, dienen den Wach- und Zollgeschäften des Alltags.

Festschmuck der Stadt Berlin auf dem Pariser Platz im Mai 1900, Fotograf: Ernst von Brauchitsch
Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. B 3253,008

Als gegen 1850 die Straße Unter den Linden immer mehr an Bedeutung gewinnt, soll der Pariser Platz repräsentativer werden und erhält eine drei- und viergeschossige Umbauung mit einer Traufhöhe von 14 bis 17 Metern. Die Gebäude im Palazzo-Stil mit ihren prächtigen Fassaden entsprechen nun den Vorstellungen Friedrich des Großen: eine Architektur, die die Stellung Preußens auch im Stadtbild zum Ausdruck bringt. Doch die Architektur des Pariser Platzes ist nun stilistisch nicht mehr einheitlich. Die Umgestaltungen verändern das Gesicht des Platzes ständig, Traufhöhen und Dachformen folgen nicht mehr einem einheitlichen Bild.

Ehrenpforte am Brandenburger Tor zum Besuch Kaiser Franz Josephs in Berlin, Fotograf: Ludwig Hoffmann, Mai 1900
Architekturmuseum TU-Berlin, B 3253,001

Diese Disproportionalität wird im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch Um- oder Neubauten an den drei Seiten des Platzes behoben. Die neue Traufhöhe bezieht sich nun auf die Gesimslinie des Langhans’schen Brandenburger Tors. Platzanlage, Raum- und Maßstabsgefüge bleiben bis zu den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg erhalten.

Pariser Platz, November 1928. Der jubelnde Empfang des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ in der Reichshauptstadt Berlin! Der jubelnde Einzug Dr. Hugo Eckener und seiner Mannschaft in de Reichshauptstadt. Die Automobile passieren den Pariser Platz in Berlin.
Bundesarchiv, Bild 102-06797 / Fotograf: Unbekannt; Lizenz CC-BY-SA 3.0
Verkehrsregulierungsvorschläge, Berlin. Pariser Platz und Brandenburger Tor
Verkehrsregulierungsvorschläge, Berlin. Pariser Platz und Brandenburger Tor, Jansen Hermann
Architekturmuseum TU-Berlin, Inv. Nr. 21231

Umgestaltungspläne

Sowohl die Umgestaltung des Platzes für das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I., als auch die Pläne Albert Speers für die Reichshauptstadt, die beide die architektonische Struktur und städtebauliche Bedeutung des Platzes verändert hätten, werden nicht verwirklicht.

Wohl aber verändert sich die Atmosphäre des Platzes während des NS erheblich. Zwischen 1935 und 1938 werden einige Palaisbesitzer enteignet, verfolgt, vertrieben oder fliehen. Die gediegene Bürgerlichkeit und die vornehmen Adressen gehen dem Platz verloren, der „Empfangssalon der Residenzstadt Berlin“ wird demontiert (Demps 1995). Und mit der Vertreibung der Akademie der Künste 1937 gerät der Platz vollends in den unmittelbaren Dunstkreis des NS. Speers und Hitlers Pläne für die neue Welthauptstadt Germania lassen von der Einmaligkeit des Platzes nichts übrig: Er verschwindet innerhalb der geplanten gigantischen Bauten und wird letztlich getilgt.

Doch der Symbolkraft des Pariser Platzes bedienen sich die Nationalsozialisten dennoch. Die Militärparade zum 50. Geburtstag Hitlers führt über den Platz und durch das Brandenburger Tor. Auch sie demonstrieren hier ihre politische und militärische Macht.

Wettbewerbsentwurf für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Pariser Platz März 1886, perspektivische Ansicht Richtung Brandenburger Tor
Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. F 5573

Ruinenstätte und Grenzposten

Pariser Platz, Berlin 1950
Pariser Platz, Berlin 1950. Vorbereitungen zum Nationalkongress
Bundesarchiv, Bild 183-T00192 / Fotograf: Illus Schmidtke; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Pariser Platz bis auf das Brandenburger Tor und einen teil des Gebäudes der Akademie der Künste zerstört. Ab 1950 werden die Ruinen abgerissen, der Platz enttrümmert. Doch die Enttrümmerung gestaltet sich schwierig: Der Platz liegt im sowjetischen Sektor der Stadt und ab 1961, nach dem Mauerbau, im unmittelbaren Grenzgebiet. Dieses zu betreten war nicht jedem erlaubt. Der ehemals sehr belebte Platz gerät durch die Teilung der Stadt in eine unbedeutende Randlage und wird von 1960–1989 zu einer toten Zone, die nur von Grenzpolizisten bevölkert wird. Passanten und Touristen, die dennoch Interesse zeigen, landen vor einer extra errichteten Barrikade: Die Grenze verläuft zwischen den Grundstücken Unter den Linden 75 und 77.

Der neue Pariser Platz

Nach Wiedervereinigung und Mauerfall soll dem Pariser Platz als zentralem Platz in der Mitte Berlins zu neuem Glanz verholfen werden. Die traditionell kleinteilige Nutzungsvielfalt soll wiederhergestellt werden und für Lebendigkeit und Attraktivität sorgen. Ebenso sollen traditionelle Nutzer an den Platz zurückkehren: Die amerikanische, französische und britische Botschaft, das Hotel Adlon und die Akademie der Künste.

Pariser Platz, das Hotel Adlon und die Akademie der Künste
© Marlen Wagner

Ergänzt werden diese durch neue städtische Nutzungen: Dienstleistungsgewerbe, Gastronomie, Kultur, Kommunikation und auch Wohnungen.

Gestaltungsgutachten

Für den Pariser Platz werden drei Gestaltungsgutachten erstellt.
Erstes Gutachten 1991 von Bernhard Strecker und Dieter Hofmann-Axthelm im Auftrag der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen: Das Brandenburger Tor soll freigestellt werden und die Häuser Liebermann und Sommer sollen nicht wieder aufgebaut werden, präferiert wird eine zweigeschossige Bebauung.
Zweites Gutachten 1993 von Hildebrandt Machleidt und Walter Rolfes im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz: Bebauung der Westseite, präferiert wird eine viergeschossige Bebauung.
Drittes Gutachten 1993 von Bruno Flierl und Walter Rolfes im Auftrag des Senats für Bau- und Wohnungswesen: rigide Vorgaben für Fassadengestaltung und Geschosshöhe.

Letztendlich fließen alle drei Gutachten in den endgültigen Bebauungsplan ein: Ziel des neuen Nutzungs- und Planungskonzeptes ab 1995 ist es, den Pariser Platz als bürgerlichen Stadtplatz mit einem repräsentativen öffentlichen Raum wiederherzustellen.

„Der Pariser Platz soll seiner historischen und stadträumlichen Bedeutung entsprechend wieder zu einem repräsentativen Eingangsbereich der Innenstadt entwickelt werden. Ziel ist der Wiederaufbau in seiner historischen, geschlossenen Raumgestalt, wobei sich die neuen Gebäude in ihrer Gestaltung nach Maß und Proportion auf das Brandenburger Tor beziehen sollen.“ (vgl. Begründung zum Bebauungsplan 1996, S. 9).

Es entsteht ein Bebauungsplan im Sinne der „kritischen Rekonstruktion“, die den Platz in einer Geschlossenheit wiederherstellen soll, die es seit seiner Erstbebauung von 1734–38 nicht mehr gegeben hat und deshalb historisch zumindest fragwürdig ist. Angelehnt werden soll die Einheitlichkeit der architektonischen Gestaltung des Platzes an die der 1920er Jahre.

Pariser Platz, Pariser Platz, links die die Botschaft Frankreichs
Pariser Platz, links die die Botschaft Frankreichs und das Gebäude Dresdner Bank Forum im Eugen-Gutmann-Haus
© Marlen Wagner

Um sicherzustellen, dass das historische Ensemble in angemessener räumlicher und städtebaulicher Qualität wiedererrichtet wird, werden im Januar 1996 Leitlinien festgelegt. Diese betreffen die Wiederherstellung der geschlossenen Raumgestalt und die Ausbildung einer klaren Stadtkante zum Tiergarten. Die Traufhöhe auf der Nord- und Südseite wird auf 18 Meter festgelegt, alle Gebäude sollen über ein Sockelgeschoss verfügen und hochformatige Fenster erhalten. Die Fassaden zum Pariser Platz und Unter den Linden sind als Lochfassaden zu gestalten, deren Anteil an Öffnungen (Fenster, Türen, sonstige Öffnungen) 50 Prozent der Fassadenflächen nicht überschreiten darf. Hinsichtlich Farbe und Material sollen sich alle Neubauten am Brandenburger Tor orientieren. Das bedeutet, das Brandenburger Tor wird erneut zum die Architektur dominierenden Element des Platzes.

Die Straße Unter den Linden führt von Osten her direkt auf den Platz zu, während die neuen U- und S-Bahnzugänge außerhalb liegen.

Pariser Platz in Richtung Unter den Linden, rechts das Hotel Adlon
© Marlen Wagner

Bürgersteige und Straßenführung kommen in ihrer Gestaltung dem Stand zur Jahrhundertwende nahe: Seitenräume und Nebenfahrbahnen nehmen die ursprüngliche Gestaltung auf, Bürgersteige gliedern sich in eine mittlere Gehbahn (Platten) und einen seitlichen Streifen (Mosaikpflaster).

Auch die Beleuchtung des Platzes nähert sich dem historischen Vorbild an: Vier hohe Schuppmannkandelaber sorgen für die Grundausleuchtung und werden durch niedrige Schinkelleuchten ergänzt.

Pariser Platz, rechts die Botschaft der USA, links das Gebäude der DZ Bank
© Marlen Wagner

Liebermann Haus, Pariser Platz
Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7
© stiftungbrandenburgertor.de

Quellen und weiterführende Literatur

    • Brichetti, Katharina (2009): Die Paradoxie des postmodernen Historismus: Stadtumbau und städtebauliche Denkmalpflege vom 19. bis zum 21. Jahrhundert am Beispiel von Berlin und Beirut, DNB
    • Brichetti, Katharina (2010): Gebautes Berlin: Zwanzig Jahre nach Maueröffnung, PDF
    • Demps, Laurenz (1995): Der Pariser Platz, Berlin DNB
    • Landesdenkmalamt Berlin: Gartendenkmale. Pariser Platz, Website
    • Schulz, M. (Hrsg.) (2004): Pariser Platz, in: Geographische Exkursionen in Berlin, Teil 1. Arbeitsberichte. Geographisches Institut, Humbold-Universität zu Berlin, Heft 93
      PDF
    • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Bebauungsplan Pariser Platz, Website
    • Bernhard Winking (1999): Das Palais am Pariser Platz, hrsg. von Jürgen Tietz, DNB