Palais Voß

C. H. Horst, Der Wilhelmplatz, Federzeichnung, etwa 1733
Wilhelmplatz in Berlin, Federzeichnung der geplanten Bebauung mit Blickrichtung Norden; davon verwirklicht wurden ab 1735 (von links) a) die Gold- und Silbermanufaktur, b) das den Platz dominierende Palais Marschall, c) das Palais Schulenburg, später als Reichskanzlei Sitz der deutschen Reichskanzler, d) das Palais Waldburg bzw. Ordenspalais an der Nordseite des Platzes. Nicht gebaut wurde das hier vorgesehene Palais an der Nordostseite des Wilhelmplatzes.
C.H. Horst 1733, [Public domain], via Wikimedia Commons, gemeinfrei

Palais Voß oder Vossisches Palais, früher Palais Marschall

Bei der Erweiterung der Friedrichstadt durch Friedrich Wilhelm I. (1688–1740, auch „Soldatenkönig“ genannt) und der Anlage der Husarenstraße, die nach seinem Tod in „Wilhelmstraße“ umbenannt wird, entsteht um 1735 ein Grundstück von mehr als 400 Metern Tiefe. Es reicht von der Husarenstraße bis zur Akzisemauer. (Die Berliner Stadtmauer vom 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts hat keine nennenswerte militärische Bedeutung mehr, sie soll den Handel überwachen; sie lag entlang der heutigen Ebertstraße.)

Minister Samuel von Marschall (1683–1749) beauftragt den Baumeister Philipp Gerlach (1679–1748) mit der Planung des Palais.

Von 1735 bis 1737 wird das Palais gebaut, es trägt die Hausnummer 8. Nach dem Tod Marschalls hat es wechselnde Besitzer, bis es 1800 an den Minister Otto von Voß (1755–1823) fällt und zum „Vossisches Palais“ wird. Die Bebauung an der Wilhelmstraße ist inzwischen gewachsen und das Palais trägt nun die Hausnummer 78.

Vossisches Palais: Ansicht Türvorbau
Ansicht des Türvorbaus, Ansichten Kandelaber; Skizze: Karl Friedrich Schinkel, aus: Architektonisches Skizzenbuch, H. 9, 1853
Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. B 2848

1871 will die zerstrittene Erbengemeinschaft der Familien Voß und Finck von Finckenstein das Anwesen verkaufen. Bismarck, direkter Nachbar in der Wilhelmstraße 77, zeigt großes Interesse daran, Palais und Grundstück als Sitz für Behörden der Preußischen Regierung zu erwerben – und damit gleichzeitig ein Objekt vom Markt zu nehmen, das entgegen seiner Vorstellung von der Wilhelmstraße auch zur privaten Nutzung als Mietwohnungen dienen könnte. Doch er muss vor dem Kaufpreis kapitulieren.

Verkauf und Abriss

Palais und Grundstück werden an den Berliner Bankenverein verkauft. Das Palais wird abgerissen, das große Grundstück aufgeteilt. Eine private Straße wird durch das gesamte Grundstück gelegt, die 1874 den Namen „Voßstraße“ erhält. Sie verbindet die Wilhelmstraße mit der Königgrätzer Straße. Alle Gebäude, die an der Voßstraße errichtet werden, liegen demnach auf dem Gelände des ehemaligen Vossischen Palais.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Demps, Laurenz (2010): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht, 4. Auflage, Berlin, CH.Links

Standort
  • Wilhelmstraße 8
  • ab 1800: Wilhelmstraße 78
Architekt(en)
  • Philipp Gerlach
  • Karl Friedrich Schinkel
Erbaut1735-1737
Zustandabgerissen um 1871
NutzerBerliner Bankverein
Ensemble
NachfolgerAlle Gebäude an der Voßstraße
AuftraggeberSamuel von Marschall