Palais Strousberg

Palais Strousberg, Wilhelmstr. 70, 1867/1868
© Bildarchiv Foto Marburg / Fotograf: August Friedrich Wilhelm Orth

Nach der Teilung des Grundstücks 1866 in No. 70 und 70a erwerben die Bankiers Abel und Gut das Teilgrundstück Wilhelmstraße 70. 1867 1867/68 lässt sich der Industrielle Bethel Henry Strousberg (1823–1884), auch der „Eisenbahnkönig“ genannt, in der Wilhelmstraße 70 ein prächtiges Palais bauen. Der Architekt August Orth schafft ein prunkvolles Gebäude, das, ausgestattet mit seinen für die Zeit bemerkenswerten technischen Einrichtungen und seiner prunkvollen Innenausstattung, die gesellschaftliche Stellung seines Besitzers eindrucksvoll belegt.

Palais Strousberg, Skizze von August Orth
Palais Strousberg: Straßen- und Gartenansicht. Tusche, Bleistift auf Karton, August Orth
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 14419

1875 muss Strousberg Konkurs anmelden und Fürst Hugo zu Hohenlohe-Öhringen erwirbt das Palais. Mit dem Fürsten zieht jedoch nicht nur ein weiterer Vertreter des deutschen Adels in die Wilhelmstraße. Hugo zu Hohenlohe-Öhringen (1816–1897) ist wie Strousberg Industrieller; um 1895 ist er der größte Zinkproduzent weltweit.

Botschaftsgebäude für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland

Ab 1884 residiert in diesem Gebäude die Botschaft des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland. Doch das Gebäude genügt in den 1930iger Jahren nicht mehr den Ansprüchen der Britischen Botschaft. Es ist zu klein und durch den vom Hotel Adlon zugebauten Garten dazu noch sehr dunkel. Der letzte Vorkriegsbotschafter sucht daher verzweifelt nach einem neuen Grundstück. Da mit der Kriegserklärung im September 1939 jedoch die diplomatischen Beziehungen mit Deutschland abgebrochen werden, kommt es nicht mehr zu der Verlegung der Botschaft.

Im Zweiten Weltkrieg verwüstet und nach dem Krieg enttrümmert verschläft das Grundstück die DDR-Zeit, bleibt aber weiterhin im Besitz der Britischen Regierung. 1950 wird die Ruine des Bauwerks abgerissen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Demps, Laurenz (1994): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht DNB
  • Henderson, Nevile (1940): Fehlschlag einer Mission : Berlin 1937 bis 1939, Zürich, DNB
  • Nickel, Angela (1996): Ein Architekt im Übergang. August Orth (1828-1901), in: Edition Luisenstadt, Berlinische Monatsschrift Heft 3/1996 , Luise
  • Roth, Ralf (2001): Bethel Henry Strousberg, Aufstieg und Fall eines Eisenbahnkönigs, in: Damals. Das Magazin für Geschichte, Nr. 7, 2001, Damals

StandortWilhelmstraße 70–71
Architekt(en)August Orth
Erbaut1867/68
Zustandabgerissen 1950
Nutzer
  • Bethel Henry Strousberg
  • Fürst Hugo zu Hohenlohe-Öhringen
  • Botschaft des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland
Vorgängerein Teil des Palais Kamecke
NachfolgerBotschaft des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland
AuftraggeberBethel Henry Strousberg