Palais Redern

Palais Redern um 1900
Palais Redern um 1900, Blick vom Pariser Platz
aus: Fritz Stahl: Karl Friedrich Schinkel. Ernst Wasmuth, Berlin 1911, public domain

Für 35 850 Taler wird das Palais auf den Grafen Redern im Januar 1799 bei der Feuersozietät eingetragen, im Mai 1831 an Friedrich Wilhelm und Alexander, Grafen Redern, verkauft.
Friedrich Wilhelm, ab 1828 Generalintendantur der Königlichen Schauspiele, beauftragt Karl Friedrich Schinkel, dem alten Palais durch Neugestaltung und Umbau neuen Glanz zu verleihen. Schinkels Entwurf, inspiriert durch italienische Palastbauten wie den Palazzo Pitti in Florenz, wird von seinem Schüler Carl Friedrich August von Scheppig ausgeführt.

Schinkels Umgestaltung

Der Entwurf des alten Palais im neuen Gewand fällt auf in der bisherigen barocken Randbebauung des Platzes, allerdings nicht nur positiv. Doch ein von Schinkel selbst erstelltes Gutachten überzeugt König Friedrich Wilhelm III. Er genehmigt den Bau und scheint einverstanden mit Schinkels Überzeugung, irgendwo müsse schließlich ein Anfang gesetzt werden, den Platz baulich zu verändern. So hält Schinkel zum Beispiel nichts von den Mansardendächern, die sich auf allen Häusern des Platzes befinden und entwirft stattdessen ein Gebäude, das sein Dach nicht zeigt.

Das Palais Redern wird sich nicht einreihen in die Einförmigkeit der Häuser. Es wird der Individualität seines Besitzers Rechnung tragen, auch um den Preis, die Regelmäßigkeit der Platzbebauung zu stören.

„In dem vorliegenden Falle aber ist auch nicht einmal [der] Vorteil vollkommener Regelmäßigkeit und guter Architektur in Rechnung zu bringen, weil sämtliche Häuser am Pariser Platz von schlechter und untereinander sehr abweichender Architektur sind.“ (Schinkel 1866)

Repräsentation und Wehrhaftigkeit

Schinkel stockt das Palais um ein Stockwerk auf und entfernt die Rampe zugunsten einer Freitreppe. Das Palais Redern wird nun beherrscht von seiner Rustikaquaderung, seinen riesigen, kirchenfensterähnlichen Durchbrüchen und einer Beletage. Deren mittlere Fenster werden optisch durch sich anschließende Halbfester mit rosettenartigen, über ihnen thronenden mächtigen Steinen in der zweiten Etage weitergeführt. Die Beletage erstreckt sich so über zwei Stockwerke. Das Kraggesims des Palais trägt an den Ecken des Daches Schmuckaufsätze.

Das Palais wird zur Festung. Es erscheint als „Rückfall in die Wehrarchitektur: Das Kraggesims suggeriert, dass wir es mit Pechnasen zu tun hätten, wo man Pech und Schwefel durchgießen kann.“ (Heinrich, 99) Eine kriegerische Repräsentationsbegeisterung (Heinrich, 99) findet Ausdruck in der Architektur.

Im Inneren des Palais gestaltet Schinkel einige sehr hohe Repräsentationsräume wie z. B. den Tanzsaal und einen Salon über dem Erdgeschoss. Diese Räume erhalten riesige Tonnengewölbe und reichen über zwei Stockwerke. Hier trifft sich die Kunst- und Kulturwelt der Stadt, das Haus wird zum gesellschaftlichen Mittelpunkt.

Garten

Der General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten Peter Joseph Lenné (17891866) gestaltet den rechteckigen Garten, der sich an die Hoffläche anschließt.

Galerie Eduard Schulte

1891 wird das Palais an die Kunsthandlung Eduard Schulte vermietet. Sie ist mit ihrem Oberlichtsaal und einem Raum, der verdunkelt und elektrisch beleuchtet werden kann, technisch besser ausgestattet als die Galerien der Konkurrenz. Hier finden nun Ausstellungen der progressiven Künstlergruppe Vereinigung der XI statt, was dem Galeristen nicht nur Lob einbringt. Der Kunsthistoriker und Kunstkritiker Hans Rosenhagen etwa kritisiert, in der Galerie Schulte finde sich „Handelsware mit anerkannter Marke und jene Kunst, die nichts ist, als maskirter [sic] Dilettantismus. (…) minderwerthige Kunst in den besten Ausstellungsräumen Berlins“ (Meister, S. 103). 1906 findet die Abschiedsausstellung im inzwischen heruntergekommenen Haus statt. Die Galerie zieht in das gegenüber gelegene Gräflich Schwerinische Palais, Unter den Linden 75.

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR

  • ACADEMIC: Website
  • archINFORM: Johann Friedrich Grael, Website
  • Berckenhagen, Ekhart (1964): Grael, Johann Friedrich Jacob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin, S. 714, Digitalisat , Digitalsat
  • Cosmopolis: Hotel Adlon, Website
  • Demps, Laurenz (1995), Der Pariser Platz; DNB
  • Hegemann, Werner (1963): 1930 – Geschichte der größten Mietskasernenstadt der Welt. Stadtbaugeschichte, Baupolitik. Vorw. v. Walter Benjamin, Birkhäuser, Verlag
  • Heinrich, Klaus (2015): Karl Friedrich Schinkel & Albert Speer – Eine architektonische Auseinandersetzung mit dem NS, ARCH+ Verlag, Aachen, Verlag
  • Meister, Sabine: Die Vereinigung der XI. Die Künstlergruppe als Keimzelle der organisierten Moderne in Berlin, Freiburg 2005, Dissertation, DNB
  • Innendekoration, reich illustrierte kunstgewerbliche Zeitschrift für den gesamten inneren Aufbau: Das Hotel Adlon in Berlin, Darmstadt 1908, Heft 1, Uni Heidelberg
  • Schinkel, Karl Friedrich (1981): Sammlung Architektonischer Entwürfe. Leipzig, Zentralantiquariat der DDR, DNB

StandortUnter den Linden 1 (heute 77)
Architekt(en)Karl Friedrich Schinkel
ErbautUmbau 1831
Zustandabgerissen 1906
Nutzer
  • Graf Wilhelm Jacob Moritz von Redern und Erben
  • Galerie Eduard Schulte
Ensemble
Vorgänger
Nachfolger
AuftraggeberGraf Wilhelm Jacob Moritz von Redern (Umbau des Palais Kamecke)