Palais Meyer-Rieß

Palais Meyer-Rieß am Quarré (heute Pariser Platz)
Ausschnitt aus der Lindenrolle, 1820

1737 lässt sich der „Schutzjude“* Meyer-Rieß am Quarré Nr. 4 ein neues Palais bauen. (*„Schutzjude“ ist ein Jude, „welcher unter dem Schutze der höchsten Obrigkeit an einem Orte lebt, und vermöge dieses Schutzes gewisse Freyheiten genießet.“ Deutsches Rechtswörterbuch/DRW, d. h. Juden wird gegen Leistung einer Abgabe durch die Obrigkeit Aufenthalts-, Wohn- und Gewerberecht gewährt.)

Als Jude ist es ihm verboten, Grundbesitz in der Stadt Berlin zu erwerben, doch da er sein Palais auf eigene Kosten erbauen lassen will, um am Bauvorhaben König Friedrich Wilhelm I. teilzunehmen, erhält er für sein Vorhaben die Erlaubnis – und acht „Judenprivilegien“, mit denen er für acht Juden Aufenthaltsgenehmigungen in Berlin herbeiführen kann.

Das Palais Meyer-Rieß, errichtet auf einem kleinen Grundstück von 38 × 100 Metern, hat wie alle Palais am Pariser Platz zu dieser Zeit ein Mansardendach und zwei Geschosse. Vertikal gegliedert wird das Palais durch seine Fensterfront, deren mittlere drei Fenster durch Säulen betont werden. Diese tragen einen Balkon mit bekrönter Balustrade, der deutlich aus dem Dach herausragt. Statt eines letzten Fensters ist im Erdgeschoss rechts der Eingang in Form eines Torbogens gestaltet.

Hof und Garten grenzen das Grundstück nach hinten gegen das Palais des Staatsministers Friedrich von Görne (später Palais der Prinzen Alexander und Georg, Wilhelmstraße 72) ab.

In diesem Palais hat ab 1742 bis zu seinem Tod 1758 der Geheime Kämmerer Michael Gabriel Fredersdorf, ein besonderer Vertrauter des Königs, eine Wohnung. (Demps, Pariser Platz, S. 20)

1760 erwirbt Caroline Maria Elisabeth von Labes (1730–1810) das Palais von Meyer-Rieß Witwe. Sie verkauft es ihrerseits 1819 an Prinz August von Preußen, der es seiner Lebensgefährtin Karoline Friederike von Waldenburg und den gemeinsamen Kindern als Wohnhaus zur Verfügung stellt.

1857 wird das Palais, nun in Besitz des preußischen Politikers Graf Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg, grundsätzlich von Eduard Knoblauch umgestaltet.

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR

  • Demps, Laurenz (1995), Der Pariser Platz; DNB
  • Deutsches Rechtswörterbuch (DRW):Schutzjude Website

StandortAm Quarré Nr. 4 (heute Pariser Platz 4)
Architekt(en)unbekannt
Erbaut1737
Zustand
  • umgebaut zum Palais Arnim-Boitzenburg 1905
  • teilzerstört 1945
  • Grundstück enttrümmert 1961
Nutzer
  • Meyer-Rieß
  • Caroline Maria Elisabeth von Labes
  • Prinz August von Preußen
  • Karoline Friederike von Waldenburg
Ensemble
Nachfolger
AuftraggeberMeyer-Rieß