Palais Kamecke

Detail der Fassade des Palais Kamecke
Detail der Fassade des Palais Kamecke, architektonischer Entwurf für Palais Redern, Berlin
Sammlung Architektonischer Entwürfe, Carl Friedrich Schinkel, Verlag Ernst & Korn, Berlin 1866

Auf Geheiß Friedrich Wilhelm I. wird im Zuge der Stadterweiterung der Quarree-Markt angelegt (heute Pariser Platz). Ihn sollen vornehme Stadthäuser als Randbebauung säumen.

An der Ecke Pariser Platz/Unter den Linden lässt sich Friedrich Paul Graf und Herr von Kamecke (der Name des Adelsgeschlechts hat verschiedene Schreibweisen: Kamcke, Kamke, Kamike oder Kamnick) zwischen 1729 und 1736 von dem preußischen Hofbaumeister Johann Friedrich Grael (17071740), ein Palais bauen. Von den Bauten Graels, ein bedeutender schöpferischer Baumeister der Berliner Barockbaukunst, existiert nur noch der elegante Turm der Sophienkirche (erbaut 17291735), der einzige Barockturm Berlins.
Der Graf überlässt es seiner Frau, den Bau zu leiten und zu beaufsichtigen. Frau Hoffmeister von Kamecke reicht beim König ein Ersuchen ein, das Haus des Kammerherrn von Wilchpitz, abreißen zu lassen und am selben Ort zu bauen. Erfolgreich. Das alte Wohnhaus des Kammerherrn muss dem Neubau weichen.

7. Juli 1734
„Zu folge Ew. Königl. Maj. allergnädigsten Befehl werde ich das Haus nach des Cammerherrn von Wilchpitz abriß bauen laßen. Ich bitte Ew. Königl. Maj. allerdemüthigst um allergnädigste ordre, daß mir die Materialien, so viel Ew. Königl. Maj. mir derzu allergnädigst zu accoedieren geruhen, verabfolget werden.“ (Demps 2010, S. 13f.)

Perspektivische Lageplanzeichnung des Palais Kameke

Perspektivische Lageplanzeichnung des Palais Kamecke an der Ecke Pariser Platz/Unter den Linden in Berlin im Jahr 1773; im Garten bezeichnet: Kamkis H.(aus)., vergrößerter Ausschnitt aus dem Kupferstich-Stadtplan: Die Königl. Residenz Berlin…
By J. D. Schleuen [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Palais besteht aus einem Haupthaus, zwei schmalen Seitenflügeln und einem die beiden Seitenflügel verbindenden Hinterhaus. Ein zentraler Hof und ein sich an ihn anschließender Garten nehmen das Grundstück bis zur heutigen Behrenstraße ein. Das Haupthaus mit hohem Mansardendach wendet sich der Straße Unter den Linden zu. Der Seitenflügel mit niedrigem Dach blickt auf den Pariser Platz. Auf seine Lage als Eckbebauung reagiert der Bau nicht.

Deshalb gehört das Gebäude im Grunde nicht wirklich zur Randbebauung des Quarrées. Die Ausrichtung des Palais auf die Straße Unter den Linden bedingt ein repräsentatives Bauen: das hohe Dach, die Ecklisenen, die die Gebäudekanten betonen, die Lisenen, die die Fassade gliedern und einfassen, das überdachte Hauptportal mit dem über ihm platzierten Balkon sowie die vorgelagerte Freitreppe (1796 zur Rampe umgebaut). Derartiges findet sich in den Seitenflügeln nicht wieder.

1769 stirbt Friedrich Paul Graf und Herr von Kamecke, ohne ein Testament zu hinterlassen, in der englischen Stadt Bath. Als das Palais im Besitz des Finanzrats Graf Alexander von Kamecke ist, vermietet dieser ein Stockwerk an die englische Gesandtschaft.
1799 verkaufen die Nachfahren Kameckes das Palais an den Königlichen Kammerherrn des Prinzen Heinrich von Preußen, Graf Wilhelm Jacob Moritz von Redern.

Quellen und weiterführende Literatur

  • archINFORM: Johann Friedrich Grael, Website
  • Berckenhagen, Ekhart: Grael, Johann Friedrich Jacob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, Digitalsat
  • Demps, Laurenz (1995): Der Pariser Platz, Berlin DNB

StandortUnter den Linden 1 (heute 77)
Architekt(en)Johann Friedrich Grael
Erbaut1729–1736
Zustand
  • Neubau, verkauft 1899
  • Umbau zum Palais Redern
Nutzer
  • Friedrich Paul Graf und Herr von Kamecke und Erben
  • Graf Wilhelm Jacob Moritz von Redern und Erben
  • Englische Gesandtschaft
Ensemble
VorgängerWohnhaus des Kammerherrn von Wilchpitz
Nachfolger
AuftraggeberFriedrich Paul Graf und Herr von Kamecke