Palais Arnim-Boitzenburg

Palais Arnim nach dem Umbau durch Knoblauch
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Inv. Nr. F 8177.

1857/58 lässt der neue Besitzer des ehemaligen Palais Meyer-Rieß, Adolf Heinrich, Graf von Arnim-Boitzenburg, dieses vollständig umgestalten. Nach dem erfolgten Umbau erhält es seinen neuen Namen: Palais Arnim-Boitzenburg. Der Bauherr beauftragt den privaten Architekten Carl Heinrich Eduard Knoblauch (1801–1865) mit dem Umbau. Knoblauch, einer der ersten Architekten, die selbstständig arbeiten und nicht als Beamte vom Staat angestellt sind, profitiert vom Umbruch in der Gesellschaft: Seit den 1848er Jahren vollzieht sich ein vorläufiger öffentlicher Rückzug des liberalen Bürgertums, der Aufstieg des Geldadels beginnt – für Privatarchitekten erschließen sich neue Bauherrenschaften.

Um-/Neubau durch Carl Heinrich Eduard Knoblauch

Entwurf der Vorderansicht
Handzeichnung: Carl Heinrich Eduard Knoblauch
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Inv. Nr. EK 217,001.

Der Umbau des ehemaligen Palais Meyer-Rieß durch Knoblauch kommt einem Neubau gleich (Sarrazin/Schultze 1907). Knoblauch stockt das Palais um ein Stockwerk auf und stimmt Fassade und Proportionen des Palais auf das benachbarte, von Schinkel umgestaltete Palais Redern ab.

Fenster, Ansicht, Schnitt
Handzeichnung: Carl Heinrich Eduard Knoblauch
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Inv. Nr. EK 217,004.

Auch Knoblauch greift als Gestaltungselement die Rustizierung der Fassade auf – die Putzfassade des Palais wird im Erdgeschoss stark, auf Höhe der Obergeschosse schwächer rustiziert. Auf der das Dach umgebenden Balustrade thronen sechs Kratervasen: je eine als Betonung der Gebäudeecken und vier nebeneinander in der Gebäudemitte, in einer Linie mit dem Balkon in der ersten Etage. Den Balkon des alten Palais Meyer-Rieß erhält Knoblauch, die Säulen, die im Erdgeschoss eine offene Halle bildeten, werden entfernt. Nun betonen zurückhaltende Schmuckelemente unterhalb der Fenster im Erdgeschoss und der ersten Etage die Horizontalen und werden in einem Schmuckfries aufgenommen, der die Rustizierung der Fassade von der Balustrade des Daches absetzt. Flache Dreiecksgiebel als Verdachung der Fenster betonen die vertikalen Linien des Palais.

Grundriss des Erdgeschosses
Grundriss des Erdgeschosses, Palais Arnim
Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr. 71, 31. August 1907
Digitalisierung: ZLB

Um Platz für eine großzügige Treppenanlage zu gewinnen, verlängerte Knoblauch den Seitenflügel. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein neuer, repräsentativer Standort für die Akademie der Künste gesucht wird, verhandelt der preußische Staat mit der Familie Arnim über den Ankauf des Palais Arnim-Boitzenburg.

Sitz der Akademie der Künste

Akademie der Künste am Pariser Platz (1933)
Akademie der Künste am Pariser Platz 4, 1933
Bundesarchiv, B 145 Bild-P049294 / Fotograf: Weinrother; Carl, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

1905 beauftragt die Akademie der Künste den Geheimen Oberhofbaurat Ernst Eberhard von Ihne (1848–1917) mit dem Umbau des Palais.

Ihne lässt die Fassade zum Pariser Platz instand setzen und verändert sie lediglich in zwei Details: Er vergrößert die schon vorhandene Einfahrt an der rechten Gebäudeseite und verwandelt das linke Erdgeschossfenster in eine zweite, schmalere Einfahrt.

Ihne nutzt die Knoblauch’sche Durchfahrt für eine Säulenhalle, die mittels eines Lichtschachts mit Oberlicht beleuchtet ist. Der breite Eingang öffnet das Palais nun auf diese Eingangshalle, die Geschäftsgebäude und Ausstellungsräume verbindet. Von hier aus kann der Vorsaal betreten werden, der durch die neue Verbindungshalle zum Neubau führt. Die Verbindungshalle mit ihrer korbbogigen, unechten Gewölbedecke und den Doppelsäulen aus graubraunem Stuckmarmor ist in einem hellen Sandsteinton gehalten und dient zum Beispiel bei der Eröffnung als Festraum.

Der Neubau mit seinen Ausstellungssälen nimmt auf dem Grundstück den Platz ein, den einst Garten und Hof gehabt haben. Das gläserne Walmdach des Neubaus wird getragen von einer 60 Meter langen, bis 30 Meter breiten und sieben Meter langen Stahlkonstruktion.

Der sogenannte Ihne-Turm ist Schnittstelle von Alt- und Neubau südlich der Verbindungshalle, seine Wendeltreppe verbindet alle Stockwerke des Gebäudes.

Grundriss Erdgeschoss 1:100.
Akademie der Künste, Berlin. Umbau und Neubau: Grundriss Erdgeschoss 1:100.
Lithographie: Ernst von Ihne
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Inv. Nr. 29049.

Neue Treppen werden eingebaut, neue Verbindungen zwischen den Räumen geschaffen und alte geschlossen, einige alte Kachelöfen bleiben als Erinnerungsstücke nach dem Einbau einer modernen Sammelheizung erhalten, doch letztendlich lässt Ihne den bürgerlichen Charakter des Hauses bestehen.

Umbau und Neubau durch Ernst von Ihne: Schnitt 1:100
Akademie der Künste, Berlin. Umbau und Neubau durch Ernst von Ihne: Schnitt 1:100.                             Lithographie: Ernst von Ihne
Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Inv. Nr. 29055

Der Rohbau des Neu- und Umbaus ist Ende 1906 fertig. Wohnungen und Ausstellungsräume können bezogen werden. Die feierliche Eröffnung der Akademie der Künste am Pariser Platz und die erste Mitgliederausstellung finden am 24. Januar 1907 in Gegenwart des Kaisers statt.

Die Ausstellungen der Akademie der Künste im Palais Arnim werden zum Bestandteil des Berliner Kulturlebens. Der Akademiepräsident Max Liebermann (1920–1932) öffnet Akademie und Räume der Moderne.

Im Nationalsozialismus verliert die Akademie ihre Selbstständigkeit. Sie zeigt im September 1937 ihre letzte Ausstellung ausgerechnet anlässlich des Berlinbesuchs des italienischen Diktators Benito Mussolini. Diese Ausstellung hat die „Italienische Kunst von 1800 bis zur Gegenwart“ zum Thema.

Dienstsitz des Generalbauinspektors im NS

Ab Frühjahr 1938 ist das Palais Arnim mit seinem Neubau Sitz der Generalbauinspektion und wird innen entsprechend umgebaut. Die Räume werden unterteilt, Büros und Ateliers ziehen ein. Speer selbst hat sein Büro im großen Saal, der unverändert bleibt. Die übrigen acht Säle werden zu Werkstätten und Ateliers umgebaut, ihr Oberlicht durch Fenster ersetzt. In der mittleren Saalflucht platziert Speer ein großes Modell Berlins. Ihnes Ausstellungsbau wird mit zwei neuen Büroetagen überbaut.

1941/1942 und 1942–1944 erhält der Ihne-Bau weitere Anbauten und Aufstockungen. Speer zieht 1942, nach seiner Ernennung zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition, ins Palais Wrangel. Der Speer direkt unterstellte und von Rudolf Wolters geleitete Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte bezieht 1943 das Palais Arnim.

Kriegsschäden

Im März 1945 brennen die zum Pariser Platz gelegenen Räume des Palais Arnim aus. Außenmauern, Teile des Erdgeschosses und die Treppenanlagen des Knoblauch-Baus bleiben jedoch vom Bombenangriff unbeschädigt. Die Erweiterungsbauten Speers, der Thronsaal und Ihnes Ausstellungsgebäude tragen nur geringe Schäden davon.

Erneut die Akademie der Künste

Nach 1945 entstehen im Restgebäude Ateliers, Werkstätten und Räumlichkeiten für das Archiv – so hat zum Beispiel Fritz Cremer hier seine Werkstatt im großen Quersaal und arbeitet dort an seinem Buchenwald-Mahnmal.

Thronsaal als Verhörraum der DDR-Grenzpolizei

Ab 1961 werden alle im Krieg beschädigten Gebäude rund um den Pariser Platz abgetragen und die Grundstücke von Trümmern geräumt. So auch die Reste des Palais Arnims – lediglich die Ihne-Säle bleiben erhalten. Die DDR-Grenzpolizei nutzt das Restgebäude auf ihre Weise: Ein Teil der historischen Ausstellungsräume – der Thronsaal – wird für Mitarbeiter der Akademie gesperrt. Hier wird ein sogenannter „Führungspunkt“ eingerichtet nebst Zellen für „Grenzverletzer“.

Mauerbau am Brandenburger Tor: links die verbliebenen Reste des Aus- und Umbaus
Berlin, Herbst 1961: Am Brandenburger Tor wurde die Mauer errichtet. Links das von Speers Bürotrakten umgebene Ausstellungsgebäude mit dem Ihne-Turm, dahinter das Hotel Adlon. Wenig später umschloss das Akademiegebäude eine weiß getünchte Mauer.
Bundesarchiv, Bild 145-P061246 / Fotograf: Unbekannt; Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Die Akademie der Künste bleibt bis zum Zusammenschluss der Ost- und Westberliner Kunstakademien 1993 geteilt.

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR

  • Charbonnier, Azra (2007): Carl Heinrich Eduard. Knoblauch. 1801–1865. Architekt des Bürgertums. Deutscher Kunstverlag München, DNB
  • Froschauer, Eva Maria (2008): Carl Heinrich Eduard Knoblauch (1801–1865). Architekt des Bürgertums, in: Bauwelt 16/2008, PDF
  • Hannesen, Hans Gerhard (2005): Die Akademie der Künste in Berlin. Facetten einer 300jährigen Geschichte. Akademie der Künste, Berlin, DNB
  • Luisenstädtischer Bildungsverein e.V.: Palais Arnim-Boitzenburg, Website
  • Sarrazin, Otto/Schultze, Friedrich: Der Ausbau des Palais Arnim zum Dienstgebäude für die Königliche Akademie der Künste, in: Zentralblatt der Bauverwaltung XXVII. Jg., 1907, Nr. 71, S. 466–468, ZLB
  • Woltmann, Alfred (1872 ): Die Baugeschichte Berlins bis auf die Gegenwart, Berlin,  Bayrische Staatsbibliothek

StandortPariser Platz 4
Architekt(en)
  • Carl Heinrich Eduard Knoblauch (1857/58)
  • Umbau durch Ernst Eberhard von Ihne (1905)
  • Umbau durch Albert Speer (1938)
  • Erweiterungsbauten durch Speer (1941/42 und 1942–1944)
Erbaut1857/58
Zustand
  • zerstört 1945
  • abgetragen 1961
Nutzer
  • Familie Arnim
  • Akademie der Künste
  • Generalbauinspektion (1938–1942)
  • Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte (1943–1945)
  • Führungspunkt der DDR-Grenzpolizei (1961–1992)
Ensemble
VorgängerPalais Meyer-Rieß
NachfolgerAkademie der Künste
AuftraggeberAdolf Heinrich, Graf von Arnim-Boitzenburg