Mosse-Palais

Mosse-Palais um 1895/1920
© Bildarchiv Foto Marburg

Stadtresidenz eines Verlegers

Der Verleger Rudolf Mosse (1843–1920) gibt ab 1871 das Berliner Tageblatt heraus und gilt um 1900 neben Ullstein und Schärl als einer der drei großen Berliner Verleger. 1881 bis 1885 lässt er am östlichen Ende des Leipziger Platzes, an der Einmündung der Leipziger Straße, seine Stadtresidenz erbauen.

Das Grundstück des Palais erstreckt sich von der Voßstraße 22 bis zum Leipziger Platz 15. Die besondere Lage lässt das Gebäude von der Voßstraße und dem Leipziger Platz aus betrachtet gleichermaßen attraktiv wirken. Ein Relief von Max Klein mit der Inschrift „Die Erhebung des deutschen Genius“ schmückt die Vorderfront.

Der Voßstraße präsentiert sich das Palais mit großem Ehrenhof und prunkvoller Toreinfahrt, die mit den Initialen des Hausherren geschmückt ist. Der Schlosscharakter des Baus wird durch die langen, bis an die Straße reichenden Seitenflügel verstärkt.

Mosse Palais, Ausschnitt aus dem Film „Die Voßstraße“
© Christoph Neubauer

Ab 1924 wohnt niemand mehr in dem imposanten Gebäude, nur ab und an kommen Kunstliebhaber vorbei, um die Schätze zu bewundern. 1930 findet hier die Weltenergiekonferenz statt und das Gebäude zieht für kurze Zeit Fachleute aus der gesamten Welt an. Im Anschluss an die Konferenz planen die Vereinigten Staaten, das Palais zu kaufen, um hier ihre Botschaft einzurichten.

Bankrott und Arisierung

1932 muss der Verlag Mosses Bankrott anmelden. Das Palais gehört zur Konkursmasse. Bedroht wird die Familie Mosse jedoch nicht nur von wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Als Deutsche jüdischer Abstammung leben sie in unmittelbarer Nachbarschaft zur NSDAP, die die Lage unmittelbar am Regierungsviertel für ihre Zwecke nutzt. Die Gauleitung der NSDAP Berlin-Brandenburg mietet sich in einem der alten Wohnhäuser der Voßstraße ein, Adolf Hitler wohnt im Hotel Kaiserhof.

Unter dem Druck dieser Verhältnisse muss die Familie Mosse ihren Besitz aufgeben. Sie flüchtet 1933 aus Deutschland. Von 1936 bis 1945 wird das Palais Sitz der Akademie für Deutsches Recht. Die wertvolle Skulptur des Ehrenhofes wird durch die Skulptur eines Löwen des Bildhauers August Gaul ersetzt.
Während eines der letzten großen Bombenangriffe wird das Palais 1945 völlig zerstört und von 1947 bis 1948 vollständig abgerissen.

Neubau mit altem Namen

Das 1998 fertiggestellte Mosse-Palais von der Voßstraße aus gesehen
© Marlen Wagner

Der Bostoner Architekt und Mosse-Urenkel Hans D. Strauch entwirft das heutige Bürohaus gleichen Namens, dessen Grundstein am 6. 7. 1995 auf dem seit Ende des Zweiten Weltkrieges brachliegenden Leipziger Platz gelegt wird.

Standortseit 1998 Leipziger Platz Nr. 15
Erbaut1881-1885
Zustandzerstört 1945, abgerissen 1947/48
Nutzer
  • Rudolf Mosse (1885–1924)
  • Akademie für Deutsches Recht (1936–1945)
Ensemble
  • Leipziger Platz
NachfolgerMosse-Palais (1998)
AuftraggeberRudolf Mosse
Quellen und weiterführende Literatur

  • Demps, Laurenz (2010): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht, 4. Auflage, Berlin, CH.Links
  • Koberstein, Thea (1999): Das Mosse-Palais: eine feine Adresse, in: Berlinische Monatsschrift, Heft Nr. 6/1999, Edition Luisenstadt, luise-berlin
  • Luisenstädtischen Bildungsverein, Stichwort „Mosse“, luise-berlin
  • Mosse-Lectures. Lectures an der Humbold-Universität zu Berlin: Das Erbe der Familie Mosse in Berlin, Website
  • Neubauer, Christoph (2008): Die Reichskanzlei, Atelier Neubauer, Website
  • Neubauer, Christoph (2008): Die Voßstraße, Atelier Neubauer, Website
  • Neubauer, Christoph (2010): Stadtführer durch Hitlers Berlin. Gestern & Heute. Frankfurt (Oder), Atelier Neubauer
  • Neubauer, Christoph (2011): Der Wilhelmplatz. Atelier Neubauer, Website
  • Neubauer, Christoph (2014): Die Reichskanzlei-Architektur der Macht / Band 1 (1733-1875, Großschönau, Verlag
  • Schönberger, Angela (1978): Die neue Reichskanzlei von Albert Speer. Zum Zusammenhang von nationalsozialistischer Ideologie und Architektur, Berlin (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 1978), DNB
  • Wilderotter, Hans (1998): Alltag der Macht, Berlin, DNB