Max Liebermann Haus (1998)

Liebermann Haus, Pariser Platz
Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7
© Marlen Wagner

Ende eines Architekturstreits

Zwischen 1995 und 1999 werden zwei weitere Lücken am Pariser Platz – rechts und links des Brandenburger Tores – geschlossen: Haus Sommer und Haus Liebermann werden von dem Architekten Josef Paul KIeihues im Sinne einer „kritischen Rekonstruktion“ als Zwillingshäuser entworfen und umgesetzt. Damit endet ein langer Architekturstreit darum, ob das Brandenburger Tor – wie schon zu Zeiten Kaiser Wilhelms und Hitlers geplant aber nie umgesetzt – freigestellt werden soll oder nicht.

Kritische Rekonstruktion

„Es ist kein Nachbauen“, äußert sich Kleihues in einem Interview mit der BZ im März 2000. „Als ich den Auftrag erhielt, dachte ich zuerst an einen Entwurf aus Glas und Stahl. Dann bin ich in mich gegangen und erkannte, dass das nicht geht. Ich wollte dem Andenken an Liebermann gerecht werden. Doch das Haus ist alles andere als Nostalgie. Für mich war es ein großes Experiment. Es hat auch mit dem Ort zu tun.“

Liebermann Haus, Pariser PlatzMax Liebermann Haus, Pariser Platz 7
© stiftungbrandenburgertor.de

Auseinandersetzung mit dem Klassizismus

Das neue Max Liebermann Haus ist dem alten Palais in Form, Größe und Volumen nahezu gleich. Drei Geschosse und ein dem alten Drempelgeschoss ähnelndes Dachgeschoss ist das neue Gebäude hoch. Seine Traufkante befindet sich auf Höhe der unteren Gesimse des Brandenburger Tores. Ein flaches Walmdach, von unten nicht zu sehen, zitiert das flache Zinkdach des alten Palais. Die neue Elbsandsteinfassade ist schmucklos und in strengem Regelmaß gegliedert. Über dem mittigen Eingang ragt auch hier in der siebten Vertikalen ein kleiner Balkon nach außen. Dieses gliedernde Element wird auf der dem Tiergarten zugewandten Seite des Hauses durch einen stehenden kantigen Erker aufgenommen, der bis an den dritten Stock heranreicht.

Die im Klassizismus um die Ecke geführten Fenstergesimse schneidet Kleinhues auf Fensterbreite ab. Die Kannelur – klassizistisch senkrecht geführte konkave Rillen in den Säulenschäften – verarbeitet er horizontal statt vertikal. Die Gesimsbänder folgen nicht mehr dem Risalit, sondern laufen gerade durch. Sprang am alten Palais ein Gebäudeteil in ganzer Höhe gleichmäßig hervor, so ergibt sich durch die Kleinhues’sche Auseinandersetzung mit der klassizistischen Formensprache ein Gesims, das im Dachbereich mal tiefer, mal weniger tief ist.

Die Innenräume sind in der Farbe der Sandsteinfassade gehalten, ergänzt durch hellen Marmor, Ahorn und klassische Kassettendecken.

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Stiftung Brandenburger Tor

Die Stiftung Brandenburger Tor, Kulturstiftung der Berliner Sparkasse, veranstaltet hier Ausstellungen, Kulturdebatten, Konferenzen und initiiert Projekte mit dem Schwerpunkt Ästhetische Bildung. Ihrem Anspruch gemäß möchte sie mit Kultur die Entwicklung unserer Gesellschaft zu prägen.

Stolperstein

Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein Gunter Demnigs an die Ehefrau Max Liebermanns, Martha Liebermann, die sich der drohenden Deportation ins KZ Theresienstadt durch Selbstmord entzog.
Liebermann Haus, Pariser Platz Liebermann Haus, Pariser Platz 7
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QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE LITERATUR

  • archInForm: Josef Paul Kleinhues, Website
  • Burchard, Amory: Hommage an Max Liebermann, in: Der Tagesspiegel, 29.03.2000, Website
  • Nach historischem Vorbild. Eröffnung des „Max Liebermann Haus“ in Berlin, in: BauNetz, 29.03.2000, Website
  • Rumpf, Peter (2014): Josef Paul Kleinhues, Werke 1981-1995, in Bauwelt, 01.02.2014, PDF
  • Sack, Manfred (1992): Der Pariser Platz am Ende der Linden nimmt wieder Gestalt an: alte Form, neue Architektur: Liebermanns Haus, in: Zeit online, 13. November 1992, Website
  • Scheer, Thorsten/Mesecke, Andrea (Hrsg.) (1996): Josef Paul Kleihues : themes and projects. DNB
  • Siegert, Hubertus (1999): Interview mit Josef Paul Kleinhues, in: Berlin Babylon, Gespräche ohne Kamera, Website
  • Stiftung Brandenburger Tor: Max Liebermann Haus, Website
  • Wie würde sich Liebermann in seinem neuen Haus in Berlin fühlen? Professor Josef Paul KIeihues im Interview mit der BZ, in: BZ, 30. März 2000, Website

StandortPariser Platz 7
Architekt(en)Josef Paul Kleihues
Erbaut1998
ZustandNeubau
NutzerStiftung Brandenburger Tor
Ensemble
VorgängerPalais Liebermann/Palais Sommer
Auftraggeber
  • Rheinische Hypothekenbank
  • Harald Quandt Grundbesitz KG