Landesvertretung Thüringen

Landesvertretung Thüringen, Mohrenstraße 64
Landesvertretung Thüringen, Mohrenstraße 64
© Marlen Wagner

Ecke Mohrenstraße/Mauerstraße: altes Grundstück

Das „Thüringenhaus“ an der Ecke Mauer- und Mohrenstraße, Berlin 1933
Bundesarchiv, Bild 183-1992-0602-513 / Fotograf: unbekannt; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Als die Länder nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten ihre Vertretungen nach Berlin verlegen, kann das Land Thüringen auf ein eigenes Grundstück zurückgreifen: das Grundstück des ehemaligen „Thüringer-Hauses“ Ecke Mohrenstraße/Mauerstraße, am Zietenplatz. Hier stand ab 1933 ein Thüringer-Haus als Vertretung des Staates Thüringen in der Reichshauptstadt, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Das unbebaute Grundstück geht nach der Wiedervereinigung in den Besitz des neu gegründeten Bundesstaates Thüringen über.

Neue Bebauung

Das Erfurter Architekturbüro Dr. Worschech und Partner gewinnt den europaweiten, offenen Realisierungswettbewerb. Baubeginn ist 1997, fertiggestellt ist der neue Bau 1999 – der Freistaat Thüringen ist das erste neue Bundesland mit einer Vertretung in Berlin.

Ein Gebäude – zwei Bauteile

Das neue Gebäude soll zweifach genutzt werden: als Arbeitsort für die Mitarbeiter der Landesvertretung Thüringen und als Raum für kulturelle Aktivitäten, Ausstellungen, Konferenzen. Die Architekten tragen diesem Wunsch Rechnung: Das sechsstöckige Gebäude setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Der steinerne Kubus mit Kolonnade und Lochfassade beherbergt im ersten Obergeschoss Ausstellungs- und Veranstaltungsbereiche und auf den folgenden drei Etagen die Arbeitsbereiche der Mitarbeiter der Landesvertretung sowie zwei Appartements in der fünften Etage. Im abschließenden zurückgesetzten Staffelgeschoss liegt auf 21 Metern Höhe der Konferenzbereich mit Blick über die Friedrichstadt, der von einer umlaufenden Terrasse umgeben ist.

Umlaufende Dachterrasse mit Konferenzraum
Umlaufende Dachterrasse mit Konferenzraum
© Marlen Wagner

Der Haupteingang befindet sich im transparenten Baukörper, der sich zu einer zweigeschossigen Wandelhalle hin öffnet. Hier sind die Bibliothek, Ausstellungs- und Konferenzräume untergebracht. Durchblicke zum begrünten Hof mögen die Benennung dieses Bauteils als „Schaufenster zum Grünhof“ inspiriert haben.

Durchblick zum Grünhof der Thüringer Landesvertretung
Durchblick zum Grünhof der Thüringer Landesvertretung
© Marlen Wagner

Struktur durch Material

Fassadendetail
Fassadendetail
© Marlen Wagner

Verkleidet ist das steinerne Stadthaus mit einer Fassade aus dem Thüringer Baustoff Travertin, einem hellen Süßwasserkalkstein. Die unterschiedliche Höhe der jeweiligen Steinbänder sowie ihre versetzte Verfugung lockern die Strenge der Fassade auf. Die klaren Linien des Gebäudes unterstreichen noch den Kontrast der beiden Bauteile aus Stein und Glas. Voneinander abgesetzt werden die Etagen durch horizontal verlaufende Bänder aus grauem Stein. Die horizontale Gliederung ergibt sich durch die geschosshohen Fenster, die auf der Innenseite einen interessanten Aspekt aufweisen. Hier sind die Fensterprofile aus Brettschichtholz und mit Hilfe einer Schattenfuge montiert. Durch diese zwei versetzt montierten Rahmenbauteile entsteht der Eindruck einer optischen Ablösung der Bauteile voneinander.

Bauhaus Weimar

Eingangsportal im Glasbau, Mohrenstraße 64
© Marlen Wagner

Als Ministerpräsident Vogel bei der Eröffnung 1999 auf die „offensichtlichen Gestaltungszusammenhänge“ zwischen dem neuen Gebäude seiner Landesvertretung und dem Bauhaus Weimar hinweist, vergisst er jedoch zu erwähnen, dass dessen berühmtesten Gebäude eben nicht in Thüringen, sondern im benachbarten Bundesland Sachsen-Anhalt stehen. In Dessau.

Im Erdgeschoss liegt das Restaurant „Der Thüringer“.

Quellen und weiterführende Literatur

  • BauNetz (1999): Bauhaus und Bratwurst. Landesvertretung Thüringens in Berlin eröffnet, 18.06.1999, Website
  • BauNetz: Freistaat Thüringen, Website
  • Fröhlich, Christian (2010): Die Thüringer Landesvertretung feiert sich und den Freistaat beim jährlichen Sommerfest, in: Thüringer Allgemeine, 15.06.2010, Website
  • Vertretung des Freistaats Thüringen beim Bund: Das Haus, Website
  • worschech architects: Thüringer Landesvertretung in Berlin, DNB

StandortMohrenstraße 64, 10117 Berlin
Architekt(en)Architekturbüro Dr. Worschech und Partner
Erbaut1997–1999
ZustandNeubau
NutzerLandesvertretung des Freistaates Thüringen
Ensemble
Vorgänger"Thüringer-Haus"
AuftraggeberFreistaat Thüringen