Kunstbeirat des Deutschen Bundestages

Kunst an und in den Bundestagsgebäuden

„Kunst gehört dorthin, wo Menschen sind.“*

Am 25. Januar 1950 beschließt der Deutsche Bundestag, einen Teil der Bausumme öffentlicher Bauten für Kunst aufzuwenden. Fortan soll ein Betrag von mindestens einem Prozent (später auf zwei Prozent erhöht) der Bausumme für Werke bildender Künstler vorgesehen werden. Diese neue gesetzliche Regelung gründet auf zwei Überlegungen: Nach der Zeit des Nationalsozialismus sind neue Impulse notwendig, um Kunst in Deutschlands wiederzubeleben. In Deutschland gibt es in der Nachkriegszeit noch keinen funktionierenden Kunstmarkt, diese Maßnahme könnte dazu beitragen, in Not geratenen Künstlern Hilfe zu bieten.

Probleme bei der Umsetzung der neuen Regelung

Anspruch von „Kunst am Bau“ war und ist der Bezug des Kunstwerks zum Gebäude sowie zum weiteren architektonischen und stadträumlichen Umfeld.
Diesem Anspruch wurde und wird nicht immer gerecht. Ob der Künstler zu spät in die Planung einbezogen wird, sein Werk dekorative „Rüsche am Kleid“ bleibt, seine Arbeit von Architekten als unerwünschte Verwässerung ihrer Idee von Architektur begriffen wird – die Probleme der Umsetzung der Idee „Kunst am Bau“ können mannigfaltig sein.

1994 fällt die Zwei-Prozent-Grenze, die Richtlinie jedoch bleibt erhalten.

Kunstwerke sind wichtig für die Gemeinschaft

Als nach dem Fall der Mauer, der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten und dem Hauptstadtbeschluss Neubauten für das Regierungsviertel in Berlin geplant werden, setzt der Bundestag die Summe der für Kunst zur Verfügung gestellten Mittel auf zwei bis drei Prozent der anrechenbaren Bausummen fest. Für die Parlamentsbauten im Spreebogen wird schon während der Planungsphase ein Kunst-am-Bau-Konzept einbezogen.

Zusätzlich zur Kunst am Bau verfügt der Deutsche Bundestag über eine stetig wachsende Kunstsammlung. Abgeordnete können sich aus dem Bestand für ihre Büros diejenigen Werke aussuchen, in deren Gegenwart sie für eine begrenzte Zeit tagtäglich arbeiten möchten.
Über Auswahl und Ankauf entscheidet 1995 aus der Fusion zweier Gremien entstandene Kunstbeirat unter Vorsitz des jeweiligen Bundestagspräsidenten. Da der Kunstbeirat dem Plenum nicht Vorschläge unterbreitet, sondern eigenständig entscheiden kann, führt dies häufig zu engagiert geführten Diskussionen. Seit 1989 ist ein beratender Kunsthistoriker für das neu gegründete Referat für alle Belange der Kunst tätig. Er betreut als Kurator die wachsende Sammlung.

Öffentlich zugänglich

Teile der Sammlung sind für die Öffentlichkeit zugänglich: Wechselnde Ausstellungen finden im Kunst-Raum und im Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus statt.

Installationen und Kunstwerke aus dem „Kunst-am-Bau“-Programm des Bundestages sind in den Parlamentsgebäuden an Wochenenden im Rahmen von Führungen zugänglich. Kunst- und Architekturführungen finden samstags und sonntags um 11.30 im Reichstagsgebäude statt, im Paul-Löbe-Haus um 14.00 und im Jakob-Kaiser-Haus um 16.00. Für diese Führungen sind vorherige Online-Anmeldungen erforderlich.

* zitiert nach Mayntz, Gregor (2007): Kunst beim deutschen Bundestag. Kultur und Politik im Dialog. Hrsg. Deutscher Bundestag, S. 3.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Deutscher Bundestag: Ausstellungsräume des Deutschen Bundestages, Website
  • Gerlof, Kathrin u. a. (2017): Ein Rundgang durch das Parlament und seine Häuser. Einblicke in Architektur, Kunst und Funktion der Bundestagsbauten. Herausgeber: Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Berlin, PDF
  • Kaernbach, Andreas (2016): Kultur und Politik im Dialog. Kunst im Reichstagsgebäude, in: Der deutsche Bundestag im Reichstagsgebäude, S. 273–336. Herausgeber: Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Berlin, PDF
  • Kaernbach, Andreas: Kunst am Bau – Geschichte und Zielsetzung, Website
  • Kunst- und Architekturführungen im Deutschen Bundestag, PDF
  • Mayntz, Gregor (2007): Kunst beim deutschen Bundestag. Kultur und Politik im Dialog. Hrsg. Deutscher Bundestag, PDF

KURATOR DER KUNSTSAMMLUNG
Dr. Andreas Kaernbach
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel: 030 22733888

KUNST RAUM
Schadow-Haus (Seitenflügel)
Schadowstr. 12–13, 10117 Berlin
Tel.: 030 22732027

Paul-Löbe-Haus
Konrad-Adenauer-Straße 1, 10557 Berlin

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Dorotheenstraße 100/101, 11017 Berlin

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
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