Hotel Kaiserhof

Hotel Kaiserhof am Wilhelmplatz
Hotel Kaiserhof am Wilhelmplatz, Berlin 1928
© Bundesarchiv, Bild 146-059-07 / Fotograf: Herbert Hoffmann; Lizenz CC-BY-SA 3.0

1873–1875 errichten die Berliner Architekten Hermann von der Hude und Julius Hennicke das Hotel Kaiserhof als erstes Grandhotel Berlins an der östlichen Seite des Wilhelmplatzes, Wilhelmplatz 3–5 (gegenüber der Reichsbahndirektion).

Auftraggeber ist die 1872 gegründete Berliner Hotel AG. Zwischen dem Wilhelmplatz und dem Zietenplatz werden für die neuen Bautätigkeiten zehn Häuser abgerissen.

Das Grandhotel Kaiserhof zählt zu den modernsten Hotels in Berlin: 260 Zimmer mit moderner luxuriöser Ausstattung und eigenem Café. Die angeschlossene Stadtküche liefert Speisen außer Haus. Zur Eröffnungsfeier am 01.10.1875 kommt selbst Kaiser Wilhelm I.

Der Kaiserhof: Hotel des Regierungsbezirks

Neun Tage nach der Eröffnung werden große Teile des Hotels durch einen Brand vernichtet. Die Wiedereröffnung findet 1878 statt. Im selben Jahr tagt hier der von Bismarck initiierte Berliner Kongress im Reichskanzlerpalais. In unmittelbarer Nähe des Reichskanzlerpalais gelegen, beherbergt das Hotel häufig Gäste der Reichsregierung.

1924 erwirbt die Aschinger AG die Mehrheitsbeteiligung am Hotel.

Im August 1927 beschließen die monarchistisch rechtsnational orientierten Besitzer des Grandhotels, die schwarz-rot-goldene Flagge der Republik nicht zu hissen, sondern die schwarz-weiß-rote Handelsflagge zu zeigen. Dies veranlasst den damaligen Oberbürgermeister von Berlin, Dr. Gustav Böß (Amtszeit 1925–1929) dazu, nicht zum dort stattfindenden Empfang des amerikanischen Präsidenten Calvin Coolidge (Amtszeit 1923–1929) zu erscheinen.

Hotel Kaiserhof, Ausschnitt aus dem Film „Der Wilhelmplatz“
© Christoph Neubauer

1931 findet im Hotel Kaiserhof ein erstes Treffen zwischen deutschen Großindustriellen und Adolf Hitler statt. Der staatenlose Hitler wird am 25. Februar hier zum Regierungsrat des Freistaates Braunschweig ernannt und erhält damit die deutsche Staatsbürgerschaft – gerade noch rechtzeitig, um bei den Reichstagswahlen 1932 kandidieren zu können.

1932 mietet sich Hitler im Hotel Kaiserhof mit seinem Wahlkampfbüro ein – nicht nur um im Zentrum des Wahlgeschehens zu stehen, sondern auch um seinen Machtanspruch zu signalisieren. Die horrenden Hotelrechnungen werden von Hitlers Kontrahenten im Wahlkampf gegen ihn verwendet. Hitlers Verbündete erwarten im Hotel Kaiserhof das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl, denn von hier aus können sie den Ausgang der Reichskanzlei beobachten.

Auch als Adolf Hitler schon längst in der Reichskanzlei wohnt, besucht er bis zum Kriegsbeginn öfter Abendveranstaltungen – und noch später wird der Koch des Hotels während Adolf Hitlers Berlin-Besuchen verpflichtet, direkt in der Küche der Alten Reichskanzlei in der Führerwohnung für ihn Speisen zuzubereiten.

Vom Bunker des Hotels aus leitet Goebbels die Aufräumarbeiten nach der so genannten „Luftschlacht um Berlin“ im November 1943.

Hotel Kaiserhof, Ausschnitt aus dem Film „Der Wilhelmplatz“
© Christoph Neubauer

Das Gelände des ehemaligen Hotels Kaiserhof wird Ende der 1940er Jahre von Trümmern geräumt und seine Fläche eingeebnet. Erst Ende der 1960er Jahre gibt es auf dem Gelände und seinem erweiterten Areal erneute Bautätigkeiten: Ab 1969 entsteht hier die Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Koreas, ab 1974 die Botschaft der Tschechoslowakei, in der seit 1992 die Botschaft der Tschechischen Republik residiert.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Demps, Laurenz (2010): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht, 4. Auflage, Berlin, CH.Links
  • Neubauer, Christoph (2010): Stadtführer durch Hitlers Berlin. Gestern & Heute. Frankfurt (Oder), Atelier Neubauer
  • Neubauer, Christoph (2011): Der Wilhelmplatz. Atelier Neubauer, Atelier Neubauer

StandortMohrenstraße 1-2
Architekt(en)
  • Hermann von der Hude
  • Julius Hennicke
Erbaut1873–1875
ZustandVon Bomben zerstört 1943
Ensemble
Nachfolger
AuftraggeberBerliner Hotel AG