Haus Schadow

Das Schadowhaus um 1900
Das Schadowhaus um 1900
von Königlich Preußische Messbildanstalt [Public domain], via Wikimedia Commons, PD-old
1802 erwirbt der Hofbildhauer Gottfried Schadow (1764–1850) das Grundstück Kleine Wallstraße 10–11 (heute Schadowstraße 12–13), um dort – in räumlicher Nähe zu allen wichtigen Institutionen – ein Wohn- und Atelierhaus für sich und seine Familie errichten zu lassen. Die Grundsteinlegung ist 1803, die Einweihung des Bildhauerateliers 1804 und die Familie bezieht das Wohnhaus 1805.

Bilder der klassizistischen Fassadengestaltung sind nicht überliefert, allgemein wird jedoch von einem zweigeschossigen, zur Straßenfront hin siebenachsig ausgeführten Bau mit einem Satteldach in Ziegeleindeckung ausgegangen.

Ein breiter Ornamentfries der Bildhauer Johann Christian Unger und Heinrich Wichmann zwischen beiden Geschossen ist überliefert. Zwei Reliefs zieren das Gebäude: Der Fries über dem Sturz der Tür, die sich am Ende des Gebäudes befindet, wird von dem oberhalb seiner vorspringenden Kranzgesims vor Wetterunbillen geschützt. Das zweite befindet sich im steinernen Blindrahmens der „Quasitür“, die aus Gründen der Symmetrie ans andere Ende gesetzt wird.

Die Büste des Künstlers – von einem seiner Schüler modelliert – schaut von oben aus einen Rundrelief auf die Straße herab.
Die Büste Schadows – von einem seiner Schüler modelliert – schaut aus einen Rundrelief auf die Straße herab.
Bundesarchiv, Bild 183-1986-0203-027 / Fotograf: Bernd Settnik; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Beide Supraporten bestehen aus vier Teilen; das Stuckrelief auf der linken Seite zeigt „Die Kunst des Altertums in ihren Hauptepochen“ und das auf der rechten Seite „Die Beschützer der Kunst“. Beide Reliefs entwirft Schadow und fertigt in Zusammenarbeit mit Christian Daniel Rauch auch die Tonmodelle. Ausgearbeitet werden sie mit der Hilfe von Schadows Sohn Ridolfo sowie der seiner Ateliermitarbeiter Bussler und Carl Friedrich Hagemann.

Fachreliefs mit Atelierszenen und figürlichen Darstellungen aus der Werkstatt des Meisters
Haus Schadow, Fachreliefs mit Atelierszenen und figürlichen Darstellungen aus der Werkstatt des Meisters
Bundesarchiv, Bild 183-1986-0203-028 / Fotograf: Bernd Settnik; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Im Hausinneren gibt es eines der ersten sogenannten „Berliner Zimmer“, ein Durchgangszimmer zwischen Vorderhaus und Seitenflügel, dessen einziges Fenster sich an einer der Ecken des Raumes befindet.

Neuer Fresken-Schmuck

1831 zieht die mit Schadow befreundete Familie des Bankiers Anton Bendemann in die obere Etage ein. 1837 ergänzt Bendemanns Sohn Eduard das Gebäude um ein weiteres Kunstwerk: das großformatige Fresko „Die Künste am Brunnen der Poesie“.

Teilabriss und Umbau

Nach dem Tod des Vaters lässt der Sohn Felix Schadow das Gebäude umbauen. Das ist das Ende der einstigen Gesamterscheinung von Haus und Garten Das Vorderhaus und der rechte Seitenflügel werden je um eine Etage aufgestockt, die übrigen Hofgebäude – auch das Atelier des Vaters – abgerissen. Felix Schadow lässt sich dort ein eigenes Atelier errichten. Auch die Fassade erfährt eine Umgestaltung: Nun ist sie gequadert und mit durchlaufenden Gesimsbändern und Rankenreliefs unter dem Traufgesims verziert. Weitere Schmuckelemente kommen hinzu. Hermann Schievelbein entwirft für das erste Obergeschoss Reliefs: In der Mitte begleiten Genien Schadows Bildnis, zu beiden Seiten flankiert von Medaillons mit Maler- und Bildhauerwerkzeugen.

Preußisches Innenministerium

1898 übernimmt der Königliche Fiskus das Gebäude, integriert es in den Komplex des Preußischen Innenministeriums zwischen der Straße Unter den Linden und der Dorotheenstraße und erweitert die Gebäude im Hof. 1900–1902 lässt Bauinspektor Kern an der Stelle des ehemaligen Atelierhauses einen Bibliotheksbau errichten, der mit den 1933–1937 errichteten Ministeriumsanbauten verbunden wird.

Kriegsschäden

Im Krieg wird das Schadowhaus stark beschädigt und nach Ende des Krieges von Künstlern – zum Beispiel dem Bildhauer Bernhard Heiliger – und Gewerbetreibenden als temporäre Unterkunft genutzt.

Erste Restaurierung während der DDR-Zeit

In der DDR steht das Gebäude auf der Denkmalliste. Eine erste Restaurierung des Schadowhauses erfolgt 1960 als Rekonstruktion seines Zustandes von 1851. Von 1981– 1983 wird ein Teil der 1850er Dekoration in der Durchfahrt wiederhergestellt.

Zweite Restaurierung: Zurück zum 1805er Zustand

Die zweite Restaurierung versucht, den Zustand von 1805 wiederherzustellen – und 2013 ist das letzte erhaltenen klassizistische Gebäude in Berlin fertig restauriert.

Die oberste Prämisse bei dieser zweiten Restaurierung ist es, die originale Bausubstanz so gut wie möglich zu erhalten und für das, was erneuert werden muss, historische Baustoffe zu verwenden. Neue Ziegel werden nach alten Angaben gebrannt, Farben für die Innenräume nach alten Rezepten gemischt. Historische Details, die entfernt oder zerstört worden waren, werden ergänzt.

40 Restauratoren arbeiten am und im Gebäude. Die ursprünglich farbigen Wand-und Deckenbemalungen werden freigelegt und rekonstruiert, die Balken des Dachstuhls aus dem Jahre 1804 versiegelt und mit Stahl verstärkt. In das Fundament wird an vielen Stellen Zement zur statischen Ertüchtigung injiziert.

Die erhaltenen Teile des Gebäudes, das Vorderhaus und der rechte Seitenflügel werden nun als Büro und Depot für den Kunstbeirat und die Kunstsammlung des Deutschen Bundestage genutzt, zusammen mit einem links angrenzenden Neubau. Für ehemalige Präsidenten des Deutschen Bundestages sind hier Ruhestandsbüros eingerichtet.

Das Haus beherbergt seitdem das Kunstreferat der Bundestagsverwaltung.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Deutscher Bundestag (2013): Renoviertes Schadowhaus an den Bundestag übergeben, Website
  • Hahn, Matthias (2006): Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften, In: Virtuelles Berlin um 1800, „Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800“, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften 2006, PDF
  • Howahl-Restaurierung: DIE KÜNSTE AM BRUNNEN DER POESIE, Website
  • Koch, Elfi: Sanierung Schadowhaus in Berlin. Baukonstruktive Herausforderung, in: beratende ingenieure 3/4 2014, PDF
  • Morgenblatt für gebildete leser (1844): Nachrichten vom März. Akademie und Vereine, in: Band 38, Ausgabe 2, 1. Januar 1844, J. G. Cotta’sche buchhandlung, S. 147 Scan
  • Peschken-Eilsberger, Monika (1994): „Sein eigener Hang zum Splendiden…“ Das Schadow-Haus in Berlin, in: Johann Gottfried Schadow und die Kunst seiner Zeit, Hrsg. Bernhard Maaz, Köln DNB
  • Rütt & Schulz Restaurierung GbR: Herrichtung des Schadowhauses für den Deutschen Bundestag, Website
  • Schadow-Gesellschaft e.V.: Schadowhaus, Website
  • Schadow-Gesellschaft Berlin e.V.: Das Schadow Haus heute, Website

StandortKleine Wallstraße 10–11 (heute Schadowstraße 12–13)
Architekt(en)unbekannt
Erbaut1802–1805
ZustandNach der Restaurierung von 2013 ist der Zustand von 1805 so weit wie möglich wiederhergestellt.
Nutzer
AuftraggeberGottfried Schadow