Der Führerbunker

Der gesprengte „Führerbunker“ im Garten der im II. Weltkrieg zerstörten Reichskanzlei, Berlin 1947
Bundesarchiv, Bild 183-M1204-319 / Fotograf: Otto Donath; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Führerbunker im Garten der alten Reichskanzlei

Der Führerbunker, 1936 als Luftschutzbunker unter dem Großen Speisesaal der Alten Reichskanzlei gebaut, soll von allen, die in der Alten Reichskanzlei arbeiten, benutzt werden. Der erste Führerbunker hat zwei Hauptzugänge. Den nördlichen Eingang nutzen die Bewohner der Reichskanzlei, die im Wohnflügel des Großen Speisesaales und im Park des Auswärtigen Amtes wohnen. Der nördliche Zugang ist für die Bewohner der Alten Reichskanzlei vorgesehen, die im Palais wohnen. Hitler hat von seiner Wohnung im Obergeschoss einen direkten Zugang über die Dachterrasse auf dem Speisesaal und das dort vorgebaute Treppenhaus, das bis in den Keller des Großen Speisesaales führt.

Mit dem Bau des Bunkers beauftragt wird das Atelier Trost, auch wenn der Architekt selbst inzwischen verstorben ist. Sein ehemaliger Partner Leonardt Gall übernimmt die Planung und Ausführung.

Aufsicht Führerbunkeranlage
Führerbunker-Aufsicht, Still aus dem Film „Die Reichskanzlei“
© Christoph Neubauer, Die Bunkeranlagen der Neuen Reichskanzlei

Turmausgang des Führerbunker
Der Turmausgang aus dem Führerbunker der Neuen Reichskanzlei, Still aus dem Film „Die Reichskanzlei“
© Christoph Neubauer, Die Bunkeranlagen der Neuen Reichskanzlei

Im Zentrum des Festsaalkellers liegt der Bunker einen Meter tiefer als die Keller, die ihn umgeben. Dicke Fundamente schützen ihn vor seitlichen Treffern, eine 1,60 Meter dicke Stahlbetondecke schützt vor direkten Treffern von oben. Diese Deckenstärke, seine eigene Energieversorgung und das integrierte Gasschutzsystem (Schleusen an den Zugängen) machen ihn zur Zeit seiner Errichtung zu dem sichersten Luftschutzraum des Deutschen Reiches.

Ausschnitt aus dem Film „Der Führerbunker“
© Christoph Neubauer

Haltbar ist dieser Bunker – und leistet auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges Widerstand: Die Umfassungsmauer des 1943 errichteten Tiefbunkers widerstehen den 1947 vorgenommenen Sprengversuchen der Roten Armee. Die oberirdischen Aufbauten (Lüftungstürme und Gartenausgang) und die Innenwände des Bunkers werden bei diesem Versuch zerstört. Der Bunker übersteht im Juni 1959 auch den Versuch der DDR, ihn zu sprengen.

Der Vorbunker bleibt von den Sprengversuchen verschont. Aber – was man nicht vernichten kann, das kann man verbergen: Ein Erdhügel soll die oberirdische Ruine des Gartenzugangs verdecken. Als 1988/89 Großplattenwohnblocks an der Otto-Grotewohl-Straße (wie die Wilhelmstraße von 1964 bis 1993 heißt) errichtet werden, wird der Vorbunker vollständig beseitigt.

Der Tiefbunker des Führerbunkers

Im Januar 1943, mit dem sich abzeichnenden Verlust der Lufthoheit, gibt Hitler einen neuen stärkeren Bunker bei Albert Speer in Auftrag. Er bestimmt auch den Architekten Carl Piepenburg als Bauleiter. Die ARGE Hochtief A.G. sowie die Philipp Holzmann AG werden mit den Bauarbeiten beauftragt.

Skizze der Bunkeranlage der Neuen Reichskanzlei, Still aus dem Film „Die Reichskanzlei“
© Christoph Neubauer

Ende Oktober 1944 wird die Fertigstellung des Bauvorhabens B 207, wie der Bunkerbau offiziell heißt, der Reichshauptkasse gemeldet. 1944/45 wird die Abschlussdecke nachträglich um eine sogenannte Zerschellschicht von einem zusätzlichen Meter verstärkt. Vollständig fertiggestellt wird der Bunker bis Kriegsende jedoch nicht mehr.

Am 30. April 1945 begehen hier Hitler und seine Frau Eva Braun Selbstmord, die sechs Goebbels-Kinder werden im Vorbunker von ihrer Mutter vergiftet, die sich kurz danach zusammen mit ihrem Mann ebenfalls tötet.

Marmorblöcke aus der zerstörten Reichskanzlei
Steinblöcke aus der zerstörten Reichskanzlei lagern zum Bau des Sowjetischen Ehrenmales im Treptower Park, 1949
Bundesarchiv, Bild 183-N1114-319 / Fotograf: Otto Donath; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Heute findet sich an der Stelle des Führerbunkers ein Parkplatz, auf den häufig Touristen geführt werden, um den ehemaligen Führerbunker und seine Überreste zu ihren Füßen zu wissen.

Parkplatz am Ort des ehemaligen Führerbunkers
Parkplatz am Ort des ehemaligen Führerbunkers, An der Kolonnade
© Marlen Wagner

Touristengruppe auf dem Parkplatz über dem ehemaligen Führerbunker, Berlin
Touristengruppe auf dem Parkplatz über dem ehemaligen Führerbunker, Blick in Richtung Mall of Berlin
© Marlen Wagner

Quellen und weiterführende Literatur

  • Arnold, Dietmar (2005): Reichskanzlei und „Führerbunker“. Legenden und Wirklichkeit, Berlin, Ch.Links
  • Heinke, Lothar (2006): Hitlers letzter Unterschlupf: Der Mythos ist entzaubert, in: der Tagesspiegel, 09.06.2006, Tagesspiegel
  • Nachama, Andreas (Hrsg.) (2012): Die Wilhelmstraße 1933–1945 – Aufstieg und Untergang des NS-Regierungsviertels, Stiftung Topographie des Terrors, 2012, Stiftung
  • Neubauer, Christoph (2010): Stadtführer durch Hitlers Berlin. Gestern & Heute. Frankfurt (Oder), Atelier Neubauer
  • Neubauer, Christoph (2010): Die Reichskanzlei, Atelier Neubauer, Website
  • Neubauer, Christoph (2011): Der Wilhelmplatz, Atelier Neubauer, Website
  • Reichhardt, Hans J./Schäche, Wolfgang (1998): Von Berlin nach Germania. Über die Zerstörungen der Reichshauptstadt durch Albert Speers Neugestaltungsplanungen, 6. völlig überarbeitete und erweiterte Neuauflage, Berlin, Transit
  • Schönberger, Angela (1978): Die neue Reichskanzlei von Albert Speer. Zum Zusammenhang von nationalsozialistischer Ideologie und Architektur, Berlin (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 1978), DNB
  • Wilderotter, Hans (1998): Alltag der Macht, Berlin DNB

StandortGarten der Reichskanzlei
Architekt(en)
  • Leonardt Gall (1936)
  • Carl Piepenburg (1943-1945)
Erbaut1936, 1943–1945
Zustand1947 (Sprengung Gartenzugang und Tiefbunker) und 1987-1988 (Abriss des Vorbunkers von 1936 und Abtragung der Bunkerdecke des Tiefbunkers von 1943), Umfassungsmauern und Bodenplatte des Tiefbunkers sind nach wie vor vorhanden
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