Französische Botschaft

Französische Botschaft am Pariser Platz
Französische Botschaft am Pariser Platz
© Marlen Wagner

Als die DDR 1960 das Grundstück der alten Französischen Botschaft mit Sitz im Palais Beauvryé am Pariser Platz 5 enttrümmern lässt bleibt das Grundstück leer: Mit dem Bau der Grenzanlagen 1961 wird es so zu dem freien Schussfeld, das im Todesstreifen immer Vorrang vor jeder Bebauung hat.

Nach Ende des Krieges ist Frankreich Mitglied in der Alliierten Hohen Kommission. Im Zuge der Wiederherstellung der deutschen Souveränität etabliert Frankreich 1955 seine Botschaft in Bonn.

Dienstgebäude der Botschaft der Französischen Republik und der Italienischen Republik
Unter den Linden 40: Dienstgebäude der Botschaft der Französischen Republik und der Italienischen Republik, Januar 1987
Bundesarchiv, Bild 183-1987-0130-308 / Fotograf: Erwin Schneider; Lizenz CC-BY-SA 3.0

1973 erkennt Frankreich die DDR offiziell an und entsendet Botschafter nach Berlin. Sitz dieser Botschaft ist ein Haus in der Hauptstadt der DDR Berlin, in der Straße Unter den Linden, zwischen Friedrichstraße und Neustädtischer Kirchstraße, das auch nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten weiter genutzt wird.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erhält Frankreich jedoch das Grundstück Pariser Platz 5 zurück und beginnt 1999 mit dem Bau eines neuen Botschaftsgebäudes auf dem L-förmig geschnittenen Gelände. Auch die Architekten dieses Gebäudes, Christian de Portzamparc (Paris) und Steffen Lehmann (Berlin), müssen die seit 1994 für den Pariser Platz in Kraft getretene Gestaltungssatzung umsetzen. Die auf Josef Paul Kleinhues zurückgehende Gestaltungssatzung ist beispielhaft bei dessen Gebäuden Haus Sommer, Pariser Platz 1, und Haus Liebermann, Pariser Platz 7, verwirklicht.

Französische Botschaft am Pariser Platz 5
Französische Botschaft am Pariser Platz 5
© Marlen Wagner

Portzamparc und Lehmann verwenden für die neue Französische Botschaft explizit „einfache“ Materialien. Der überall verarbeitete Sichtbeton, Teil der Ansichtsfläche der architektonischen Gestaltung, wird jedoch nach dem Willen der Architekten veredelt, indem er als „béton éclaté“ mechanisch bearbeitet wird. Die frische Betonoberfläche wird bei diesem Veredelungsverfahren im Nachhinein durch Kratzen, Schleifen und Brechen so angegriffen, dass die Körnung des Betons in verschiedenen Größen freigelegt wird und die Spuren der Werkzeuge deutlich erkennbar sind. Ziel ist es, den Eindruck von Rustizierung zu erwecken, also von durch starke Fugen deutlich voneinander abgesetzten Steinlagen.

Springbrunnen der Französischen Botschaft am Pariser Platz
Springbrunnen vor der Französische Botschaft am Pariser Platz, Sockeldetail
© Marlen Wagner

Der von der Gestaltungssatzung geforderte Sockel der Französischen Botschaft präsentiert sich zum Pariser Platz hin. Jedoch sind in ihn seltsam schießschartenartige horizontale Fensterschlitze eingelassen, die die Vorgaben für die Fassade torpedieren und in ihrer Anordnung – wohlwollend betrachtet – auflockernd, sonst jedoch rein (un)dekorativ wirken. Sie werden als Oberlichter in ihrer Form aufgenommen oberhalb der Fensterreihe der Beletage mit ihren hochformatigen über zwei Etagen reichenden Fensteröffnungen.

In der Etage liegen die Repräsentationssäle der Botschaft. Mit der ausgeprägten Dreiteilung des Gebäudes – kräftiger Sockel, hohe Beletage und dunkles Dach – zitiert das Architektenteam die Architektur des alten Palais de France aus dem 18. Jahrhundert.

Hinter der massiven Front: ein Quartier

Das Gesamtgebäude besteht aus sieben miteinander verbundenen, sehr unterschiedlich gestalteten Baukörpern mit mehreren Innenhöfen. Die 140 Meter lange und 28 Meter hohe Brandmauer der Dorotheenblöcke lassen die Architekten zum großen Teil unverbaut bestehen und beranken sie stattdessen mit Hopfen. Die Botschaft verfügt über zwei Eingänge: den repräsentativen Haupteingang am Pariser Platz und den Arbeitseingang an der Wilhelmstraße, den eine überdachte, nicht öffentliche Straße, die „Rue de France“, mit dem Pariser Platz verbindet.

Ursprünglich als Grand Galerie, als öffentliche Fußgängerpassage quer durch das Gebäude geplant, wird der Verbindungsweg am 11. September 2001 geschlossen. Statt dessen gibt nun eine helle Halle den Blick frei auf die Höfe, das Kulturbüro, die Caféteria und den Kino- und Theatersaal: Hinter der massiven Front öffnet sich ein Quartier.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Französische Botschaft, berlin.de
  • Französische Botschaft: Das Gebäude, Website
  • Petit Quartier. Französische Botschaft in Berlin vorgestellt, 29.01.2003, baunetz
  • Bernau, Nikolaus (2003): Französische Botschaft – Die neue Residenz am Pariser Platz präsentiert sich mit sieben Gebäuden und zwei Höfen wie ein kleines Stadtviertel. Die Tradition der Macht, in: Berliner Zeitung, 23.01.03, Berliner Zeitung
  • Paul, Ulrich (2002): Der Neubau der französischen Vertretung am Pariser Platz ist fast fertig / Die eigenwillige Architektur löst Kritik aus Eine Botschaft wie eine Barrikade, in: Berliner Zeitung, 26.08.2002, Berliner Zeitung
  • Schneider, Leonie C. (2002): Die französische Botschaft. Eine kritische Rekonstruktion, in: dieselbe: Architektur als Botschaft. Die Inszenierung von Corporate Identity am Beispiel der neuen Botschaften in der Bundeshauptstadt Berlin, Ibidem
  • Westphal, Dirk (2008): Die gute Stube Berlins ist wieder komplett, in: Welt, 12.01.2008, Welt

StandortPariser Platz 5
Architekt(en)
  • Christian de Portzamparc
  • Steffen Lehmann
Erbaut2001–2002
ZustandNeubau
NutzerFranzösische Botschaft
Ensemble
Vorgänger
AuftraggeberFrankreich