DZ Bank am Pariser Platz 3

Die DZ Bank am Pariser Platz 3
Die DZ Bank am Pariser Platz 3
Fotograf: Jean-Pierre Dalbéra, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia

DZ Bank am Pariser Platz 3

Den 1995 ausgeschriebenen Wettbewerb  für den Neubau der Deutschen Genossenschaftsbank am Pariser Platz gewinnt der in Kanada geborene amerikanische Architekt und Designer Frank Owen Gehry, der für Berlin auch den Pierre Boulez Saal in der Barenboim-Said Akademie (2014–17) entwirft und am Museumsinselwettbewerb (1994–97) teilnimmt.

Das Gebäude auf dem Grundstück Pariser Platz 3 grenzt mit seiner Ostfassade an die Akademie der Künste, mit seiner Westfassade an die US-Botschaft. Auf 102 x 42 Metern errichtet Frank Gehry einen Bau mit zwei Gebäudeteilen. Das Bürogebäude der DZ Bank (früher DG Bank) ist auf den Pariser Platz ausgerichtet, ein Wohngebäude mit 40 Wohneinheiten nach Süden zur Behrenstraße.

Ein Innenhof verbindet, belichtet und belüftet die beiden Gebäudeteile. In dieser Housing Skyline liegt im EG auch die Eingangshalle des Wohngebäudes. Hier verwendet Gehry Glas als Baustoff für das Dach, das den Hof überspannt.

Gebunden an die Bauvorgaben des Senats schafft Gehry ein fünfgeschossiges Gebäude mit betont nüchterner Kalksteinfassade. Den strikten Bauvorgaben seitens der Stadt begegnet Gehry mit feiner Ironie. So erfüllt er die Fassadenauflage, Wand und Fenster in einem Verhältnis von 50:50 zu gestalten dadurch, dass er eine streng symmetrische Lochfassade entwirft: eine Wandkonstruktion mit Fensteröffnungen, welche die massive Wand öffnenGehry zieht die Wandflächen zu Pfeilern zusammen und zitiert so indirekt die historischen Fassadenkonstruktionen. Zwischen den Pfeilern befinden sich zurückgesetzte rahmenlose Fensterscheiben, die im Erdgeschoss nach innen und im vierten Geschoss nach außen schräg gekippt sind. Das fünfte Geschoss ist nach hinten versetzt.

In diesen Fenstern spiegeln sich bei Tage andere Gebäude des Pariser Platzes wider. Gehry begegnet damit einer anderen Bauvorgabe: Kein Gebäude am Pariser Platz darf das Brandenburger Tor überstrahlen. Bei Nacht indes leuchtet das Gehry-Haus heller.

Die DZ Bank strahlend hell bei Nacht
© Bildarchiv Foto Marburg / Waltraud Krase

Dach

Das Atrium-Skylight mit einer Gesamtfläche von 1856 Quadratmetern überspannt den gesamten Hof. Das gewölbte Dach ähnelt einem Wal. 1500 unterschiedliche Dreiecke aus weißem Zweischeiben-Wärmeschutzglas, befestigt an außen liegenden Knotenpunkten aus Edelstahl, bilden die Dachkonstruktion. Das Tragwerk (Aussteifung) besteht aus Stahlscheiben und Edelstahlseilen.

Das geschwungene Dach der DZ Bank schimmert über dem Gebäude
© Bildarchiv Foto Marburg / Waltraud Krase

Die DZ Bank hat’s in sich

So streng sich Gehry bei der Gestaltung der Fassade zum Pariser Platz an die Auflagen gehalten hat: Innen bietet das Gebäude Erstaunliches. Die Empfangshalle gibt den Blick frei auf eine riesige Skulptur, die als „Pferdekopf“ in die Geschichte des Designs eingeht. Laut Gehry die beste Form, die er in seinem ganzen bisherigen Leben entworfen habe. In ihr liegt ein großer, 100 Personen fassender Konferenzsaal. Von hier aus kann man einen Blick auf den mit leuchtend rotem Teppich ausgelegten Bereich erhaschen, einen Versammlungsraum mit Platz für bis zu 500 Personen, der am Boden des Lichthofes liegt. Bedauerlicher Weise ist es privaten Besuchern nicht gestattet, weiter als zur Absperrung im Eingangsbereich vorzudringen. Jedoch bietet die Website der DZ Bank einen sehenswerten virtuellen Rundgang, der dafür durchaus entschädigt.

Gehry verwendet auch für das Bankgebäude Glas als Bauelement. Auf der nördlichen EG-Ebene wölbt sich ein weiteres Glasdach (North Shell). Glass Floors trennen Rampen und Treppen, über die der Konferenzsaal im südlichen Teil des Hofes erreicht werden kann. Über den Konferenzsaal wölbt sich als Dach eine mit Edelstahl verkleidete Muschelskulptur mit eingebautem „Glasauge“.

Das Wohngebäude an der Behrenstraße 73

Die aus meh­re­ren, nach oben zu­rück­sprin­gen­den Stu­fen aufgebaute Fassade des Zehngeschossers schwingt sich wie Wellen entlang der Behrenstraße und nimmt die Bewegung des gegenüberliegenden Stelenfeldes auf.

Die vorgesetzten Fensterelemente ragen aus der Fassade heraus, bieten den Bewohnern Lärmschutz und Wintergärten. Sie weisen über das Mahnmal hinaus zum Potsdamer Platz – Bewältigung der Vergangenheit und der Gegenwart, vielleicht der Zukunft im Blick.

Das Wohngebäude in der Behrenstraße
Das Wohngebäude in der Behrenstraße
© Marlen Wagner
StandortPariser Platz 3
Architekt(en)Frank Gehry
Erbaut1994–98
ZustandNeubau
NutzerDZ Bank
Ensemble
Vorgänger
Auftraggeber
  • DG Immobilien Management GmbH (Bauherr)
  • Hines Grundstücksentwicklung GmbH (Bauherr)
Quellen und weiterführende Literatur

  • Anders, Florentine (2005): Kurvenstar: Frank Gehrys Haus an der Behrenstraße, in: Welt am Sonntag vom 27.11.2005, Website
  • archInForum: DZ-Bank-Gebäude am Pariser Platz, Website
  • BauNetz: DG Bank in Berlin, Dynamische Dachformen aus Dreieckfelder, Website
  • Baunetz Wissen: Loch- und Bandfassaden, Website
  • Berlin.de – Das offizielle Hauptstadtportal: DZ Bank (ehemals DG-Bank) am Pariser Platz, Website
  • DZ Bank, Die Initiativbank, Website