Die Ministergärten

Das Ensemble der neuen Ministergärten: links das Stelenfeld des Denkmals, in der Mitte „In den Ministergärten“ mit den Niederlassungen der Landesvertretungen, im Hintergrund die DDR-Plattenbauten
© Industrie-Luftbild

Die Ministergärten – von der Apanage für Adlige zum Ensemble der Landesvertretungen in der Hauptstadt

Das Gelände der Ministergärten wird ursprünglich durch die Wilhelmstraße, die Voßstraße, die ehemalige Königgrätzer Straße (heute Ebertstraße) und den Pariser Platz begrenzt. Es liegt im Westareal der heutigen Wilhelmstraße, zwischen Hannah-Arendt-Straße im Norden, Ebertstraße im Westen und Gertrud-Kolmar-Straße im Osten. Hier vertreten heute die Niederlassungen von Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen ihres Landes.

Apanagen für den Bau repräsentativer Palais

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verschenkt Friedrich Wilhelm I., Kurfürst von Brandenburg und König von Preußen, Grundstücke dieses Geländes entlang der Wilhelmstraße zwischen Voßstraße, Königgrätzer Straße und Pariser Platz. Sich um Staat und Hof verdient gemacht habende Adlige und Militärs sollen hier repräsentative Palais errichten.

Mit dieser Aktion sichert sich Friedrich Wilhelm I. den von ihm gewünschten Ausbau der Friedrich- und Dorotheenstadt Richtung Süden, ohne die Staatskasse belasten zu müssen. Acht repräsentative Palais (inklusive Gold- und Silbermanufaktur) mit Gärten und Parks hinter den Gebäuden entstehen.

Das „adlige Erbe“ des Bürgertums

Friedrich II. setzt ab 1740 die Bebauungspläne seines Vaters fort. Auch nichtadlige Beamte und Politiker siedeln sich in der näheren Umgebung an.

„Die Königlich Preußische Residenz Berlin 1740 nach ihrem accuraten Grundriss und zweien Prospecten, auch Abbildung der sämtlichen Kirchen und vornehmsten Königlichen Gebäuden derselben.“ Berlin: Schleuen, ca. 1740
Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2003

Mit Ende des 18. Jahrhunderts gewinnen die bürgerlichen Schichten immer mehr finanziellen und sozialen Einfluss – sie verfügen über mehr Kapital als die Adligen und beginnen, systematisch Grundstücke in diesem Gebiet aufzukaufen.

Berlin Ministergaerten 1748 (Ausschnitt), Nachstich Schmettau 1748: Ausschnitt aus Plan de la Ville et des Fauxbourg de Berlin;
Autor unbekannt
Quelle: Google Image

Der Charakter des Ensembles ändert sich: Es entstehen Manufakturen, Verlage lassen sich dort nieder und Bürgerhäuser werden gebaut.

Grundriss von Berlin, 1846. Dieser Plan von Selter wurde sehr häufig, fast im Jahresabstand, aktualisiert, sodass über die Zeit hinweg jedes neu gebaute Haus verfolgt werden kann. Die farbliche Gestaltung zeigt die Zuständigkeitsbereiche der 29 Polizeireviere.
Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2003

Staatliche Maßnahmen gegen überwiegend wirtschaftliche Nutzung: Verwaltungen und Botschaften

Um dem entgegenzuwirken kauft der Staat nun seinerseits Grundstücke und Palais primär an der Wilhelmstraße auf und siedelt hier Ämter, Ministerien und Verwaltung an. Ab 1850 gehören alle Grundstücke, bis auf das mit der Hausnummer 72, dem Staat. Das Ensemble wird zum politischen Zentrum Preußens, die Parks und Gärten bleiben der Bevölkerung weiterhin verschlossen.

Die Ministergärten 1904, Griebens Reiseführer Berlin und Umgebung 1904
Quelle: Google Image

Als 1871 das Deutsche Reich gegründet wird siedeln sich hier auch die Botschaften auswärtiger Staaten an. Bis zum Ende der Weimarer Republik ändert sich nichts an der Bausubstanz und Struktur.

Radikale Verwandlung im Interesse Hitlers

In der NS-Zeit finden grundlegende Eingriffe in den Baubestand statt. Für den Bau der Neuen Reichskanzlei werden in der Voßstraße viele Gebäude abgerissen. Die vormals kleinteilige Bebauung weicht dem neuen Monumentalbau, das gesamte Gelände wird untertunnelt und mit Bunkern versehen, Teile der Gärten dem Garten der Neuen Reichskanzlei zugeschlagen. Die Ministergärten werden zur „Heimstadt“ Hitlers – und schließlich zu seinem „Mausoleum“.

Trümmerlandschaft, Gemüsegarten und Todesstreifen

Bepflanzung der ehemaligen „Ministergärten“ 1946. Vor dem Gelände der ehemaligen „Ministergärten“ zwischen Voßstraße und Brandenburger Tor hat eine Gärtnerinnenschule einen Teil zur Bepflanzung erhalten. 
Bundesarchiv, Bild 183-M1203-315/ Fotograf: Otto Donath; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Nach den Luftangriffen der Alliierten bleiben am Ende des Krieges von der Bebauung nur noch Trümmer übrig. Die Teile der Parks und Gärten, die Feuerstürme der Bomben überlebt haben, werden in den Nachkriegsjahren von hungrigen Berlinern als Feuerholz gerodet und zu Feldern für den Anbau für Gemüse umfunktioniert. Das Gelände der ehemaligen Ministergärten bleibt bis zum Bau der Mauer frei von neuer Bebauung, nur die Ruinen werden nach und nach abgetragen. Mit dem Bau der Mauer 1961 wird das gesamte Gebiet zwischen der Ebertstraße und den nun nicht mehr existierenden Ministergärten zum Sperrgebiet erklärt und mit einer zweiten Mauer abgegrenzt. Es liegt nun direkt im Todesstreifen.

Teil des Ensembles der DDR-Plattenbauten

Nach der Wiedervereinigung werden die Mauer- und Grenzanlagen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik innerhalb eines halben Jahres entsorgt, aber es dauert noch bis zum Jahr 1998, bis der ehemalige Todestreifen neu bebaut wird.

Das Ensemble der DDR-Plattenbauten überlappt sich mit dem der ehemaligen und heutigen Ministergärten. Der Bebauungsplan aus dem Jahr 1986, bis zur Wiedervereinigung teilweise realisiert, sieht öffentliche und private Freiflächen und eine Parkanlage am Ort der ehemaligen Ministergärten vor.

Die realisierte Bebauung enthält jedoch, unter anderem durch den Bau neuer Straßen in diesem Gebiet nach 1990, nur noch einige wenige private Freiflächen, die geplante öffentliche Parkanlage auf dem Gelände der ehemaligen Ministergärten entfällt ganz.

Landesvertretungen als zeitgemäßes Ensemble der Ministergärten

Um die Jahrtausendwende entstehen in den „Ministergärten“ sieben Landesvertretungen auf dem Gebiet, das früher von sieben Palais mit ihren Gärten eingenommen wurde: die Niederlassungen der Vertretungen der Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Politik ist zurückgekehrt – an die Parks und Gärten jedoch erinnert lediglich der Straßenname „In den Ministergärten“.

Radikale Verwandlung im Interesse Hitlers

In der NS-Zeit finden grundlegende Eingriffe in den Baubestand statt. Für den Bau der Neuen Reichskanzlei werden in der Voßstraße viele Gebäude abgerissen. Die vormals kleinteilige Bebauung weicht dem neuen Monumentalbau, das gesamte Gelände wird untertunnelt und mit Bunkern versehen, Teile der Gärten dem Garten der Neuen Reichskanzlei zugeschlagen. Die Ministergärten werden zur „Heimstadt“ Hitlers – und schließlich zu seinem „Mausoleum“.

Trümmerlandschaft, Gemüsegarten und Todesstreifen

Bepflanzung der ehemaligen „Ministergärten“ 1946. Vor dem Gelände der ehemaligen „Ministergärten“ zwischen Voßstraße und Brandenburger Tor hat eine Gärtnerinnenschule einen Teil zur Bepflanzung erhalten. 
Bundesarchiv, Bild 183-M1203-315/ Fotograf: Otto Donath; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Nach den Luftangriffen der Alliierten bleiben am Ende des Krieges von der Bebauung nur noch Trümmer übrig. Die Teile der Parks und Gärten, die Feuerstürme der Bomben überlebt haben, werden in den Nachkriegsjahren von hungrigen Berlinern als Feuerholz gerodet und zu Feldern für den Anbau für Gemüse umfunktioniert. Das Gelände der ehemaligen Ministergärten bleibt bis zum Bau der Mauer frei von neuer Bebauung, nur die Ruinen werden nach und nach abgetragen. Mit dem Bau der Mauer 1961 wird das gesamte Gebiet zwischen der Ebertstraße und den nun nicht mehr existierenden Ministergärten zum Sperrgebiet erklärt und mit einer zweiten Mauer abgegrenzt. Es liegt nun direkt im Todesstreifen.

Teil des Ensembles der DDR-Plattenbauten

Nach der Wiedervereinigung werden die Mauer- und Grenzanlagen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik innerhalb eines halben Jahres entsorgt, aber es dauert noch bis zum Jahr 1998, bis der ehemalige Todestreifen neu bebaut wird.

Das Ensemble der DDR-Plattenbauten überlappt sich mit dem der ehemaligen und heutigen Ministergärten. Der Bebauungsplan aus dem Jahr 1986, bis zur Wiedervereinigung teilweise realisiert, sieht öffentliche und private Freiflächen und eine Parkanlage am Ort der ehemaligen Ministergärten vor.

Die realisierte Bebauung enthält jedoch, unter anderem durch den Bau neuer Straßen in diesem Gebiet nach 1990, nur noch einige wenige private Freiflächen, die geplante öffentliche Parkanlage auf dem Gelände der ehemaligen Ministergärten entfällt ganz.

Landesvertretungen als zeitgemäßes Ensemble der Ministergärten

Um die Jahrtausendwende entstehen in den „Ministergärten“ sieben Landesvertretungen auf dem Gebiet, das früher von sieben Palais mit ihren Gärten eingenommen wurde: die Niederlassungen der Vertretungen der Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Politik ist zurückgekehrt – an die Parks und Gärten jedoch erinnert lediglich der Straßenname „In den Ministergärten“.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Spaziergänge. Botschaften in Berlin, Stadtspaziergänge, Baunetz baunetz
  • Demps, Laurenz (2010): Berlin-Wilhelmstraße. Eine Topographie preußisch-deutscher Macht, 4. Auflage, Berlin, CH.Links
  • Neubauer, Christoph (2008): Die Reichskanzlei, Atelier Neubauer, Website
  • Neubauer, Christoph (2008): Die Voßstraße, Atelier Neubauer, Website
  • Martin Geßner (2008): Leistungsfähigkeit des städtebaulichen Instruments. Milieuschutz für die Stadtentwicklung in Berlin. von der Fakultät VI – Planen Bauen Umwelt der Technischen Universität Berlin zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Ingenieurwissenschaften – Dr. Ing. – genehmigte Dissertation, Berlin, PDF
  • Städtebauliche Expertise über die Erhaltung der städtebaulichen Eigenart für das Gebiet WILHELMSTRASSE im Bezirk Mitte, OT Mitte, PDF
  • Wittmann-Englert, Kerstin/Hartmann, René (Hrsg.) (2013): Bauten der Länder. Die Landesvertretungen in Bonn, Berlin und Brüssel, Fink