Deutsche Reichsbahngesellschaft (Erweiterungsbau)

Deutsche Reichsbahngesellschaft Voßstraße 33
Das Gebäude der alten Reichsbahngesellschaft in der Voßstraße 33
© Marlen Wagner

Das Gebäude Voßstraße 33 wird 1884–86 von den Architekten Ende & Böckmann als Wohnhaus errichtet. Es ist eine von zwei der alten Stadtvillen, die nicht für den Bau des Kaufhauses Wertheim abgerissen werden. Anfang des 20. Jahrhunderts wird es vom Reichsverkehrsministerium als Erweiterungsbau angekauft. Das Hauptgebäude der Reichsbahngesellschaft entspricht in seiner Grundform noch dem Vorgängerbau, einer 1735–1737 errichteten Gold- und Silbermanufaktur.

Das benachbarte Gebäude Voßstraße 34 wird 1905 für den stetig wachsenden Bedarf der Reichsbahngesellschaft angekauft. Innen werden beide Gebäude miteinander verbunden. Das Gebäude der Voßstrasse 35 wird 1876–1878 durch den geheimen Oberbaurat Herrman nach Ideen und Skizzen von Richard Lucae (1829–1877) als Erweiterung der Reichsbahngesellschaft neu gebaut.

Voßstraße 33
Voßstraße 33, Kranzgesims des Neubaus mit freistehenden Figuren
© Marlen Wagner

Damit diese drei Gebäude auch von außen einen klaren Bezug aufeinander haben, wird bei den Umbaumaßnahmen im Jahr 1923 eine einheitliche Traufhöhe angestrebt. Dafür werden die Gebäude Voßstraße 34 und 35 um je zwei Etagen erweitert. Auf dem Kranzgesims des Neubaus werden vier freistehende Figuren platziert, die mit denen des Haupthauses korrespondieren, um die Dächer als Einheit erscheinen zu lassen.

StandortVoßstraße 33
Architekt(en)Ende und Böckmann
Erbaut1884–1886
Zustand
  • Vorderhäuser Voßstraße 34, 35
  • 1956 Abriss der bis dahin verbliebenen rückwärtigen Gebäudeteile
Nutzer
  • Wohnhaus
  • Deutsche Reichsbahngesellschaft
  • COPRO Gruppe
Ensemble

Im Juni 1919 wird das Reichsverkehrsministerium mit Sitz in der Voßstraße 34–35 gegründet, dem nun Eisenbahnen und Wasserstraßen unterstehen. Die Gebäude werden durch Reichsbahn und Reichsverkehrsministerium zusammen mit den angrenzenden Gebäuden des Handelsministeriums Wilhelmstraße 79–80 genutzt.

Kriegsvorbereitungen: Dem Verkehrsministerium unterstellt

Von 1924 bis 1937 ist die Reichsbahn in Besitz eines privaten Unternehmens, der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft. Das für Hitlers Kriegsvorbereitungen wichtige Schienenverkehrsnetz kann nicht in Hand eines privaten Unternehmens bleiben, deshalb wird die Reichsbahn im Februar 1937 erneut dem Verkehrsministerium unterstellt. Als am 21. August 1939 die Mobilmachung beginnt, müssen zusätzlich zum bestehenden Heer drei Millionen Soldaten, hunderttausend Pferde und Fahrzeuge quer durch Europa geleitet werden, Nachschubwege gesichert, Transporte gewährleistet werden.

Während des Zweiten Weltkrieges wird die Voßstraße nahezu vollständig zerstört. Einziges intaktes Gebäude ist die Voßstraße 33 und rückwärtige Gebäudeteile der Nummern 34 und 35. Sie werden noch bis zur Wiedervereinigung Deutschlands von der Deutschen Reichsbahn als Verwaltungsgebäude genutzt, hier firmiert der Hauptsitz der Mitropa. 1956 wird das Hintergebäude der Voßstraße 34 abgerissen. Das Gelände liegt im Sicherheitsbereich der Mauer und wird der besseren Kontrollmöglichkeiten wegen eingeebnet.

Leerstand und Zwischennutzung

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Übergabe in Bundesvermögen stehen alle Gebäude leer, die zum Gelände des ehemaligen Reichsverkehrsministeriums zwischen Leipziger Straße, Wilhelmstraße und Voßstraße gehörten – und verfallen. Das „Kunst- und Kulturhaus Voßstraße e.V.“ nutzt ab 2004 das Gebäude als Galerie und Veranstaltungsort. Währenddessen findet ein Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bahn und dem Bund statt, der 2012 durch den Verkauf des gesamten Geländes an Harald Huth sein Ende findet. Ende September beginnen die Abbrucharbeiten auf dem Gelände, Gebäude, Keller- und Bunkeranlagen verschwinden.

Unter Denkmalschutz

Die heutige Voßstraße
Die heutige Voßstraße mit dem erhaltenen Gebäude der alten Reichsbahngesellschaft
©
Marlen Wagner

Nach Ende der Abbrucharbeiten ist das Gebäude Voßstraße 33 das einzige Haus der alten Bebauung, das noch existiert; es steht heute unter Denkmalschutz. Seit 2014 ist es in den Neubau der Mall of Berlin eingegliedert. Es wird heute für Veranstaltungen genutzt, z. B. auch für solche, die sich mit der Geschichte der Straße beschäftigen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Neubauer, Christoph (2010): Stadtführer durch Hitlers Berlin. Gestern & Heute. Frankfurt (Oder), Atelier Neubauer