Britische Botschaft

Britische Botschaft Berlin von Michael Wilford
Die Britische Botschaft an der Wilhelmstraße
© Marlen Wagner

Schon im Vorgängerbauwerk, dem Palais Strousberg (Wilhelmstraße 70), residiert ab 1884 die Botschaft des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland – bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland im September 1939.

Englische Botschaft Berlin, Wilhelmstraße 70, Vorderansicht des vollendeten Baus, 1867/68
August Orth/Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. F 5547

Englische Botschaft Berlin, Wilhelmstraße 70, Hinteransicht, 1867/68
August Orth/Architekturmuseum TU-Berlin, Inventarnr. F5548

Im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Krieg bei Räumarbeiten auf dem Areal des Pariser Platzes enttrümmert, bleibt das Gelände während der DDR-Zeit eine Brache; das Grundstück bleibt weiterhin im Besitz der Britischen Regierung.

Architektur der Postmoderne an historischem Ort

1989, nach dem Fall der Mauer, knüpft Großbritannien an seine Berliner Präsenz an und beschließt, an historischer Stelle erneut seine Botschaft zu errichten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Königreiches eröffnet ein(e) Monarch(in) höchstpersönlich eine Auslandsvertretung: Am 18. Juli 2000 weiht Queen Elisabeth II. das von dem Architekten Michael Wilford (*1938) & Partnern entworfene Gebäude ein.

„Germany outside, Britain inside“, bringt der Architekt sein Konzept auf den Punkt. Entgegen der häufig geäußerten Meinung, rund um den Pariser Platz könne auf Grund der für diesen Bereich geltenden strengen Richtlinien nur historisierend gebaut werden, schafft er ein modernes Gebäude, beispielhaft für die Architektur der Postmoderne.

Ironisch nimmt Wilford historische Traditionen auf, nur um sie zu brechen: Dort, wo sich in den klassischen Palais die Beletage befindet, in der Mitte der Straßenfront, gähnt hier ein Loch über zwei Stockwerke und nahezu die gesamte Breite. Aus ihm heraus strecken sich zwei Bauelemente der Straße und den Passanten entgegen: poppig bunt in lila ein runder Tagungsraum und in hellblau das trapezförmige Informationszentrum. Der schmucklose Haupteingang hebt diese beiden Elemente noch hervor. Nichts an diesem Bau ist ornamental, alles erfüllt einen architektonischen Zweck, selbst der stilisierte stählerne Baum im Wintergarten nimmt die Last des Glasdaches auf. Zudem korrespondiert er mit dem echten Baum im Eingangshof und spielt so erneut mit den Bauvorgaben.

An das alte Botschaftsgebäude erinnert noch ein mit dem britischen Wappen versehenes schmiedeeisernes Tor. Es findet seinen Platz im Treppenhaus der Botschaft.

Hotel Adlon in Berlin
Das Hotel Adlon in Berlin, Eingang an der Wilhelmstraße
© Marlen Wagner

Die Formensprache der Britischen Botschaft steht in starkem Kontrast zur historisierenden Fassade des 1997 neu errichteten Hotels Adlon.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Beyer, Susanne (2000): ARCHITEKTUR. Hort der Widersprüche, in: Spiegel online, 17.07.2000, Spiegel
  • Britische Botschaft, Berlin.de
  • Britische Botschaft in Berlin, archInForm
  • Dankbar, Christine (2000): BRITISCHE BOTSCHAFT Am Mittwoch wird der Neubau in der Wilhelmstraße eröffnet – und den Berlinern offen stehen.: Der Botschafter muss sein Büro mieten, in: Berliner Zeitung, 13.07.2000, Berliner Zeitung
  • „Germany outside, Britain inside“. Michael Wilford stellte britische Botschaft in Berlin vor, 13.07.2000, baunetz
  • „House Warming“. Queen Elizabeth eröffnet britische Botschaft in Berlin, 18.07.2000, baunetz
  • Neue Britische Botschaft in Berlin. Variationen von Transparenz, 1. Mai 2001, bba 05|2001, bba
  • Schneider, Leonie C. (2002): Die Britische Botschaft. Das bunte Haus, in: dieselbe: Architektur als Botschaft. Die Inszenierung von Corporate Identity am Beispiel der neuen Botschaften in der Bundeshauptstadt Berlin, Ibidem
  • Wilford and Partners, British Embassy Berlin, Germany, Website

StandortWilhelmstraße 70–71
Architekt(en)Michael Wilford und Partner
Erbaut1998
ZustandNeubau
NutzerBotschaft des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland
VorgängerPalais Strousberg
AuftraggeberVereinigtes Königreich GB