Brandenburger Tor

Ein erstes „Tor“ für die Dorotheenstadt

Nach der Hochzeit mit Dorothea Sophie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg schenkt Kurfürst Friedrich Wilhelm um 1668 seiner neuen Gemahlin das Gelände vor dem Neustädtischen Tor. Zwischen Spree und Linden gelegen gehört es zum bisher unbebauten Tiergartenvorwerk.

Die Churfürstliche Residenzstadt Berlin beim Tode Friedrich Wilhelms des Großen im Jahr 1688.
Die Churfürstliche Residenzstadt Berlin beim Tode Friedrich Wilhelms des Großen im Jahr 1688.
Aus: „Historischer Atlas von Berlin in VI Grundrissen nach gleichem Maßstabe von 1415 bis 1800“. Gezeichnet von J.M.F. Schmidt. Berlin: Simon Schropp und Kamp 1835.
Digitalisierung: ZLB

Ab 1674 werden hier über 170 Häuser und eine Kirche erbaut. Die außerhalb der Festungsanlage „Dorotheenstadt“ genannte Vorstadt erhält Stadtrechte. Der Plan, die Dorotheenstadt zu befestigen und die Befestigungsanlage auszudehnen, wird nicht verwirklicht. Jedoch gibt es ein erstes „Tor“ – der Befestigungswall wird dafür an dieser Stelle durchbrochen und der Graben mit einer Zugbrücke versehen – an der Stelle, an der bald danach das Tiergarten Tor entstehen wird.

Das „Tiergarten Tor“

1732 wird die Dorotheenstadt unter König Friedrich Wilhelm I. nach Westen hin von der Schadowstraße bis zum „Quarree“ (heute Pariser Platz) erweitert. Rund um Berlin und seine Vorstädte wird die Akzisemauer geführt. Das 1734 von Philipp Gerlach entworfene und geplante Quarree wird umbaut. 1735 entwirft Gerlach Palais für das Quarree: die Gold- und Silbermanufaktur und das Palais Marschall/Voss’sche Palais (auch das Palais Kamecke und das Palais Neuendorf/Sommer werden ihm in manchen Publikationen zugeschrieben). In diesem Jahr entwirft Gerlach auch das erste Brandenburger Tor, das „Tiergarten Tor“. Es dient als Stadttor in der Zollmauer an der „Ausfallstraße“ von Berlin nach Brandenburg/an der Havel.

Das 1. Brandenburger Tor
Das 1. Brandenburger Tor, 1735–1788, Zeichnung von Daniel Chodowiecki
Quelle: Siefart, Emil von (1912): Aus der Geschichte des Brandenburger Tores und der Quadriga, Digitalisierung ZLB 2012
gemeinfrei

Dieses Tor existiert von 1735–1788 und besteht aus zwei mit barocken Pylonen geschmückten Pilastern, an denen wahrscheinlich Torflügel befestigt waren (vgl. Demps, Das Brandenburger Tor 1991, S. 20). Rechts und links des Tores sind in die Akzisemauer Durchgänge gebrochen, die Fußgängern Durchlass gewähren. Der Mauer und dem Tor zur Stadt hin vorgelagert stehen zwei einstöckige Gebäude, eines für die Wache, das andere für die Steuerbehörde. Westwärts durch das Tor gelangt man über den Tiergarten zum Charlottenburger Schloss. Zu Zeiten des Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm, 1620–1688) ist der Tiergarten Jagdgebiet des Hofes. Er schrumpft fortschreitend: 1675 reicht er noch bis zum Gendarmenmarkt und zur Schlossbrücke, 1695 noch bis zur Mauerstraße und 1733 nur noch bis zur heutigen Ebertstraße. Aus dem Jagdgebiet wird zu Zeiten König Friedrich I. und II. ein Lustgarten und schlussendlich ab 1833 ein von Peter Joseph Lenné gestalteter öffentlicher Erholungspark.

Im Hintergrund von Chodowieckis Radierung markiert eine Baumreihe den Beginn des angrenzenden Tiergartens. Deutlich zu erkennen sind die mit Königskronen geschmückten Pilaster und die beiden Schmuckvasen rechts und links des Mauerdurchbruchs. Der Schlagbaum jedoch ist nur zu erahnen. Das einstöckige Gebäude auf der linken Bildseite ist das Wachhaus, zu erkennen an dem bewaffneten Wachsoldaten an seiner Schmalseite, der die Straße und die sich nähernde Kutsche beobachtet. Das Haus der Steuerbehörde, das „Einnehmerhaus“ liegt dem Wachhaus gegenüber und ist um drei Achsen kleiner als dieses. Jedoch gehört das fensterlose Haus rechts daneben ebenfalls der Steuer. Auf einer Bank vor dem Haus lümmelt ein waffenloser Mann – die Kutsche hat beim Verlassen der Stadt wohl nichts zu verzollen.

Unter den Linden, mit Blick auf den Pariser Platz und das Brandenburger Tor, Berlin, um 1740
Unter den Linden, mit Blick auf den Pariser Platz und das Brandenburger Tor, Berlin, um 1740
Federzeichnung: Christian Heinrich Horst
© Stiftung Stadtmuseum Berlin; Inv.Nr.: GHZ 80/16
Reproduktion: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Das Brandenburger Tor

Als die Politik in die Wilhelmstraße einzieht und am Pariser Platz ab 1736 eine repräsentative Bebauung mit Palais meist nach französischem Vorbild entsteht, ist  endlich auch das schlichte Tiergarten Tor Friedrich Wilhelm II. nicht mehr repräsentativ genug. 1788 beginnt sein Abriss. Am Ende der Prachtstraße „Unter den Linden“ lässt der König ab 1789 ein neues „Brandenburger Tor“ errichten. Sein Bau dauert vier Jahre.

Grundriss zum Entwurf, Entwurf und Zeichnung: Blankenstein
Grundriss zum Entwurf, Entwurf und Zeichnung: Blankenstein
Quelle: Emil von Siefart, Aus der Geschichte des Brandenburger Tores und der Quadriga. Digitalisierung ZLB 2012

Carl Gotthard Langhans entwirft das neue Tor im frühklassizistischen Stil; die zwei Torhäuschen, die das Tor flankieren, sind in Form antiker Tempel gestaltet. Dem Befehl des Königs folgend, orientiert Langhans seinen Entwurf am Eingangstor zur Akropolis. Damit bricht Langhans mit der Tradition, Stadttore nach dem Vorbild römischer Triumphtore zu gestalten.

"Die Propyleen des Perikles in Athen" und "Das Brandenburger Thor in Berlin
„Die Propyleen des Perikles in Athen“ und „Das Brandenburger Thor in Berlin“ , nach 1805
Radierung: Johann Carl August Richter
© Stiftung Stadtmuseum Berlin; Inv.Nr.: GDR 65/105

„Die Lage des Brandenburger-Thores ist in ihrer Art ohnstreitig die schönste von der ganzen Welt (…) um hiervon gehörig Vortheile zu ziehen, und den Thore so viel Oeffnung zu geben, als möglich ist, habe ich bey dem Bau des Neuen Thores das Stadt-Thor von Athen zum Modell genommen (…).“ Langhans, zitiert nach Glatzer (1956, S. 297f.)

Prospect des neuen Brandenburger Tores
Prospect des neuen Brandenburger Tores
Quelle: Siefart, Emil von (1912): Aus der Geschichte des Brandenburger Tores und der Quadriga, Digitalisierung ZLB 2012, gemeinfrei

Da Friedrich Wilhelm II. jedoch ebenfalls forderte, das Tor nicht einzuzwängen und eine Blickachse durch es hindurch zu gewährleisten – so sollen Stadt und Tiergarten miteinander verbunden werden – muss Langhans etliche Neuinterpretationen an den Propyläen vornehmem.

Die breite Freitreppe des griechischen Vorbildes verschwindet zu Gunsten der Ebenerdigkeit des neuen Tores, die eine Straßenführung vom Platz aus der Stadt heraus ermöglicht. Die Verbindung von Innen und Außen, Stadt und Park ist hergestellt.

Langhans verringert den Durchmesser der tragenden Säulen erheblich – und führt sie als dorische höher hinauf. So rahmt das Tor quasi die hinter ihm liegende Landschaft und der Architrav, mit seinem den Oberbau tragenden waagerecht gemauerte Gebälk, wirkt leichter als der des Originals. Das Gebälk unterhalb des weit vorragende Kranzgesims ist mit einem umlaufenden Fries verziert. Oberhalb des Kranzgesims, der Corona, folgt nicht wie in Athen ein flacher Dreiecksgiebel, sondern eine das Dach verdeckende Attika – und dort steht, über der mittleren Tordurchfahrt, die Quadriga als krönender Abschluss.

Das Tor selbst besteht aus zwei Säulenreihen mit einer gemauerte und verputzten Wand zwischen den Säulenpaaren. Denn trotz des Anscheins von Leichtigkeit hätten die Säulen allein Architrav und Oberbau mit der Quadriga nicht tragen können.

Zwei nach innen vorspringende Torhäuser, dorischen Tempeln nachempfunden, schließen rechts und links an das Hauptgebäude an.

Die fünf Durchgänge des Tores sind verschiedenen Benutzergruppen zugeordnet: Der große Durchgang in der Mitte ist dem König und seinem Gefolge vorbehalten. Links und rechts davon können Fuhrwerke durch schmalere Durchgänge passieren. Fußgängern bleiben die beiden äußeren, ebenfalls schmaleren Durchgänge als Passage.

Baumaterial Sandstein

Langhans verwendet Elbsandstein als Baumaterial. Friedrich der Große hatte den Import von Elbsandstein nach Preußen verboten, da er den Import von Naturstein aus den eroberten schlesischen Provinzen befördern wollte. Nun ist der Weg frei, das Baumaterial erneut zu verwenden. Dieser Stein ist nicht nur beliebt auf Grund seines Aussehens, sondern lässt sich auch gut über die Flüsse nach Berlin und dort an viele Stellen der Stadt verschiffen. Für die Säulen des Tores wird eine besonders feste Sorte, der „Postelitzer“ verbaut. Sandstein hat eine poröse Oberfläche – um diese witterungsbeständig zu machen, werden die Steine mit Käsekitt abgedichtet. (Käsekitt ist eine Verbindung aus reinem pulvrigen Kalk und abgetropftem, frischen ungesalzenem Käse oder Quark. Die so gewonnene zähe Masse, der Kitt, muss zeitnah verarbeitet werden, da er schnell erhärtet.) Ein Anstrich aus Laugekalk lässt das Tor zusätzlich weiß erstrahlen. Der weiße Farbton wird bei Restaurierungen nicht beibehalten, das Tor erscheint in hellbraun (1811), hellgrau (1817), dunkelgrau (1868). Bei den bisher letzten Restaurierungen von 1957 und 2002 wird auf einen Farbauftrag verzichtet.

Die Quadriga

„Die auf der Attika stehende Quadriga stellt den Triumph des Friedens vor, das darunter angebrachte Relief bedeutet den Schutz der gerechten Waffen, welche sie der Unschuld leisten.“ (Langhans, zitiert nach Siefert 1912, S. 2)

1793 wird die von Johann Gottfried Schadow gefertigte Quadriga auf das Brandenburger Tor gesetzt. Dort verbleibt sie bis zum Jahr 1806. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt demontieren die siegreichen Franzosen die Quadriga und nehmen sie als Beute mit nach Frankreich.

Einzug der Franzosen nach Berlin, 27. Oktober 1806
Einzug der Franzosen nach Berlin, 27. Oktober 1806
Radierung: Swebach
© Stiftung Stadtmuseum Berlin, Inv.Nr.: GDR 64/11,217
Reproduktion: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Erst 1814 gelingt es Feldmarschall Blücher und der preußischen Armee, die Quadriga zurückzuerobern. Am 7. August 1814 wird die zurückgebrachte Quadriga feierlich enthüllt, der Platz vor dem Brandenburger Tor erhält den Namen „Pariser Platz“.

Die vier aus zwei Stücken Kupfer gefertigten Pferde, deren Fuge verdeckt wird durch einen römischen Gurt, werden nach lediglich zwei Modellen angefertigt – Sparsamkeit in der Kunst ist von jeher eine Tugend. Um den Schein vierer verschiedener Tiere zu wahren, werden die Wendungen der Köpfe in vier verschiedenen Varianten ausgeführt. Auch wird kaschiert, dass die Friedensgöttin Eirene im Vergleich zu ihrem Pferden ein wenig zu groß ausfällt: Sie wird nachträglich in ein wehendes Gewand gekleidet. Zudem ist der Wagen groß genug, das Größenmissverhältnis zu verdecken.

Nachdem die geraubte Göttin mit ihrem Wagen erneut in Berlin angekommen ist, wird aus der Friedensgöttin die Siegesgöttin Victoria. Sie reckt nun für fast 150 Jahre statt des Lorbeerkranzes mit römischem Adler eine Standarte in die Höhe: Auf dem Eisernen Kreuz umkränzt mit Eichenlaub thront der preußische Adler.

Quadriga im Marstall 10.8.1958
Quadriga im Marstall 10.8.1958
Fotograf: Rolf Goetze
© Stiftung Stadtmuseum Berlin – Archiv Rolf Goetze; Inv.-Nr.: SM 2014-2030,70

Im Zweiten Weltkrieg wird die Quadriga zerstört und das Brandenburger Tor wird beschädigt.

Brandenburger Tor am 17.06.1953
Brandenburger Tor am 17.06.1953, die Quadriga ist noch demontiert
Fotograf: Harry Croner (Originalabzug)
© Stiftung Stadtmuseum Berlin; Inv.-Nr.: SM 2013-2086

Doch Berlin West verfügt über einen Gipsabdruck des Schadowschen Originals und 1957/58 kann eine Kopie angefertigt werden. Bevor jedoch 1958 die Quadriga wieder ihren Platz auf dem restaurierten Brandenburger Tor einnehmen kann, lässt der Ostberliner Magistrat Adler und Eisernes Kreuz entfernen – den Symbolen des preußischen Militarismus sollte kein Ort eingeräumt werden im neuen deutschen Staat.

Brandenburger Tor mit Mauer (die lenkende Göttin wieder mit empor gerecktem Lorbeerkranz)
Brandenburger Tor mit Mauer (die lenkende Göttin wieder mit empor gerecktem Lorbeerkranz)
Fotograf: Harry Croner,
© Stiftung Stadtmuseum Berlin; Inv.-Nr.: SM 2013-1392

Übrigens: Der Mythos, die Quadriga sei gedreht worden, ist genau das – ein Mythos. Sie fuhr und fährt immer nach Osten.

Metopen-Triglyphen-Friese

Unterhalb der Quadriga der „Zug des Friedens“ und der Metopen-Triglyphen-Fries
Bild von Alexandra Simmroth auf Pixabay

Auf der Ost- als auch auf der Westseite läuft ein geschmückter Fries am Gebälk des Tores. Er besteht aus 16 jeweils etwa einen Quadratmeter großen quadratischen Reliefs.

„In denen Metopen des Frieses ist der Streit der Centauren mit den Lapithen abgebildet, welches aus dem griechischen Originale genommen ist.“(Langhans, zitiert nach Siefert 1912, S. 2)

Auch diese Reliefs mit seiner Darstellung des Streites zwischen Mischwesen und Riesengeschlecht vermitteln eine Botschaft: Der Angriff der Barbaren auf die Zivilisation wird erfolgreich niedergeschlagen.

Schadow, in seiner Funktion als »Director aller Sculpturen« trägt demzufolge seit 1788 auch für den Bildschmuck des neuen Tores die Verantwortung. Von ihm selbst stammen (zumindest) die Entwürfe für die 16 Metopen der Tiergartenseite. Auch Schadow greift – wie Langhans – auf die griechische Antike zurück und gestaltet den Berliner Metopen-Fries in Anlehnung an die Metopen des Pantheons.

Die Herstellung der Metopen nach den Modellen übernehmen der Potsdamer Johannes Eckstein mit seinen Gesellen sowie die Hofbildhauerwerkstatt.

1915 werden Kopien hergestellt, doch die Arbeiten werden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und erst 1926 fortgesetzt. Theodor Demmler, Direktor der Abteilung der Bildwerke der christlichen Epochen an den Staatlichen Museen schlägt in eben diesem Jahr vor, die Metopen zu demontieren und in geschlossene Räume zu verbringen, um sie vor weiteren Verwitterungsprozessen zu schützen. Sie sollen im Depot des Neubaus des Deutschen Museums eingelagert werden, bis sie konservatorisch behandelt werden können.

Die Geschichte des griechischen Helden Herkules

Auf den Reliefs der Durchgänge ist die Geschichte des griechischen Helden Herkules dargestellt
Auf den Reliefs der Durchgänge ist die Geschichte des griechischen Helden Herkules dargestellt
Bild von Sharon Ang auf Pixabay

Auf 20 Tafeln an den Durchgängen des Brandenburger Tores ist die Geschichte des griechischen Helden Herkules dargestellt. Dessen Geschichte über seine Tugenden, sein Heldentum und seine Kräfte ist auch als Allegorie auf die Taten Friedrich II. zu lesen.

Die Entwürfe zu den Reliefs stammen von Bernhard Rode. Die Bildhauer Emanuel Bardou, Heinrich Bettkober, Conrad Nicolaus Boy, Johann Eckstein, Johann Daniel Meltzer, Johann David Raentz, Johann Christoph Wohler, Michael Christoph Wohler, Christian Unger und den Sohn des Bildhauers Wilhelm Christian Meyer führen sie aus.

Mars und Minerva – Krieg und Weisheit

Mars (links) und Minerva (rechts) in den Nischen der Außenwände
Mars (links) und Minerva (rechts) in den Nischen der Außenwände
Fotograf: Norbert Nagel / Lizenz: CC BY-SA 3.0, via Wikimedia

In einem Brief vom 20. März 1792 beschreibt Schadow an Langhans, welche Statuen er sich für die beiden Nischen vorstellt: Fleiß (erkennbar an einem Vollspiegel in den Händen und einem Bienenkorb unter sich) oder Arbeitsamkeit (mit Lampe, Buch und Sporn) in der einen – Wachsamkeit (mit Kranich, einen Stein in der Klaue haltend, neben sich) in der anderen. Wenn dies nicht verwirklicht werden könne, schlage er die Stadt Berlin in der einen Nische und Preußen in der anderen vor.

Auf Anraten der Akademie der Künste fällt die Entscheidung jedoch zugunsten der Darstellungen von Mars und Minerva.

Die beiden Skulpturen in den Außenwänden des Tores passen ins Bildprogramm von Krieg, Sieg und Frieden: Dem Kriegsgott Mars steht Minerva, die Göttin der Weisheit und die Beschützerin der Stadttore, gegenüber.

Schadow fertigt die Entwürfe für beide Skulpturen an; der Auftrag zur Fertigung wird an die Bildhauer Johann David Meltzer (für die Minerva) und Conrad Nicolaus Boy (für den Mars) gegeben. Boy jedoch stirbt kurz nachdem er den Auftrag erhalten hat. Schadow selbst fertigt deshalb das Modell, welches der Bildhauer Karl Wichmann ausführt.

Die Skulptur der Minerva wird im 2. Weltkrieg zerstört. 1951/52 fertigt das Bildhauerkollektiv Kranolda eine Kopie an.

Deckengemälde

Grau in grau gemalte Trophäen zieren die Decke des Brandenburger Tores, entworfen und ausgeführt von dem Berliner Historienmaler und Direktor der Akademie Christian Bernhard Rode (1725–1797).

„Das erste stellt einen Adler in einem Ölkranze vor, den Frieden bezeichnend; das zweite 2 zusammengeschlungene Füllhörner mit einem Merkuriusstab, Einigkeit und Überfluß vorstellend; das dritte, das Schild der Minerva mit einem Medusenkopf, bezieht sich auf die Künste; das vierte, die Leier des Herkules nebst seiner Keule, mit Lorbeer umschlungen, bezeichnet Tapferkeit mit Tonkunst vereint; das fünfte, eine kriegerische Trophäe, deutet auf Heldenmut und Stärke.“ (zitiert nach S. 52)

Deckenmalerei in der mitteleren Durchfahrt des Brandenburger Tores
Deckenmalerei in der mitteleren Durchfahrt des Brandenburger Tores (Berlin) im Zustand kurz vor der Beseitigung 1926. Diese Deckenmalerei wurde dort 1841 angebracht, 1875 erneuert und 1926/27 entfernt.
Fotograf: unbekannt / Public domain, via Wikimedia

1841 werden diese Deckengemälde durch ornamentale Malerei ersetzt. 1875 durch Gustav Eilers erneuert, werden diese dann in späteren Jahren als zu klein empfunden und die Decke 1926/27 einheitlich hellgrau übermalt.

Passend zum neuen Tor: Die Neubebauung

Das  Quarreee ist bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts von zweigeschossigen barocken Palais mit Walmdächern umgeben. Diese Palais haben eine Traufhöhe von acht bis zehn Metern, die Firstlinie verläuft auf der Höhe von 14 bis 16 Metern. Langhans’ Tor passt nicht zu dieser Art der Platzbebauung. Mit seinen Ausmaßen von 62,5 Metern Breite, elf Metern Tiefe (Haupthaus) und einer Gesamthöhe von 26 Metern überragt es nicht nur alle Gebäude am Quarree, sondern lässt sie auf Grund der Disproportionalität noch niedriger, kleiner und damit unbedeutender erscheinen als sie sind.

Der Architekt Karl Friedrich Schinkel erkennt die Chance, die Bebauung des Platzes grundlegend zu verändern. Mit seinem Entwurf zur Umgestaltung des alten Palais Kamecke zum Palais Redern im Jahr 1799 überzeugt er Friedrich Wilhelm II. davon, dass man, so wird kolportiert, ja irgendwo mal anfangen müsse. Das Palais Redern ist das erste Gebäude, das aus der architektonischen Einförmigkeit der alten Bebauung heraus- und ins Auge springt. Mit Beginn des neuen Jahrhunderts werden viele der alten Palais entweder abgerissen oder der neuen Art der Platzbebauung angepasst. Drei oder vier Geschosse haben die neuen Palais, die Dächer krönen Attiken und sich emporreckende Schmuckelemente. Nun passt die Platzbebauung zum Brandenburger Tor.

Umbauten und Restaurierung

 1804: Die Torflügel werden ersetzt

Am Abend des 3. November 1804 passiert der Wagen der Prinzessin Ferdinand von Preußen just in dem Moment das Brandenburger Tor, als ein Sturm einen der Torflügel der Schildwache entreißt und gegen den Wagen schleudert, der teilweise zerschmettert wird. Da dies nicht zum ersten Mal passiert, muss ein Mittel gefunden werden, dies in Zukunft zu verhindern. Die großen und schweren Torflügel werden ersetzt durch solche, wie die, die sich am Bernauer Tor bewährt haben. Vorsichtshalber rät Langhans jedoch dazu, dass die königlichen Wagen erst dann das Tor passieren sollen, wenn es ganz geöffnet und befestigt worden ist.

 1865–68: Die offene Säulenhalle Johann Heinrich Stracks

Bis 1861 hat sich das Territorium der Stadt um 60 Prozent vergrößert und die Stadtgrenze am Tor wird aufgehoben. Das Tor steht nun nicht mehr länger als Ausfalltor am Rand der Stadt, sondern „mitten drin“. 1865 wird die durch den Bau der Eisenbahnlinien sehr löchrig gewordene Zollmauer endgültig abgerissen. Doch durch den Abriss wird deutlich, dass nicht alles am Brandenburger Tor vorzeigbar und repräsentativ ist. Nach dreijähriger Umbauzeit glänzt die Westseite des Tores mit einer offenen Halle aus sechzehn dorischen Säulen, die die Stelle der alten Seitenflügel und Quergebäudes einnimmt. Die neuen Säulen schließen an die schon bestehenden an, die das Torhaus umgeben.

1908: Die Quadriga wird restauriert

Wagen, Pferde und die Göttin selbst weisen starke Verfallserscheinungen auf. Die Nähte zwischen den Kupferplatten haben sich geöffnet, der Holzboden des Triumphwagens ist verrottet. Die Konstruktion, die die Gruppe auf dem Tor befestigt, ist verrostet. Die Flügel der Göttin drohen abzubrechen. Umfassende Restaurierungsmaßnahmen sind unabdingbar.

1956/57: Beseitigung der Kriegsschäden und neue Quadriga

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Enttrümmerung des Pariser Platzes stehen die Torhäuser beidseits des Brandenburger Toresvöllig frei. Trotz heftiger Auseinandersetzungen gelingt es Restauratoren aus Ost und West zusammenzuarbeiten. Dort, wo sich früher Nachbargebäude Wand an Wand mit den Torhäusern befanden, wird nun eine weitere Säulenreihe errichtet. Nun schließen zwölf Torhaussäulen (vorher acht) an die Säulenhalle an, die 1868 von Johann Heinrich Strack errichtet wurde. Zwölf Jahre nach Kriegsende ist die Restaurierung des Tores abgeschlossen– und eine Kopie der zerstörten Quadriga nimmt ihren Platz über der Stadt wieder ein.

Das Bauwerk steht, nach dem Bau der Berliner Mauer 1961, im Sperrgebiet der geteilten Stadt und kann weder von Westen aus, noch von Osten durchquert werden. Einzig Grenzer der DDR können ihm nahekommen.

2000–2002: Grundsanierung der Gebäudestatik und Beseitigung der Umweltschäden

Die private Stiftung Denkmalschutz investiert 4,3 Millionen Euro in die Sanierung des geschichtsträchtigen Gebäudes. Die Statik des Tores wird neu gesichert: Oberhalb der Durchgänge ist eine zusätzlich aussteifende Konstruktion eingezogen. D. h. es ist nunmehr sichergestellt, dass mittels dieser Tragkonstruktion alle Horizontallasten einwandfrei in den Baugrund abgeleitet werden können (vgl. Becker 1997). Auch das Fundament wird erneut kraftschlüssig hergestellt. (Eine kraftschlüssige Verbindung wird zusammengehalten durch die reine Haftkraft. Demnach wird eine Bewegung der verbundenen Elemente – der Bindungspartner – durch Haftreibung verhindert. Die senkrecht zu den zu verbindenden Flächen der Bauteile wirkenden Kräfte pressen beide Bauteile aufeinander, und wenn die durch Haftreibung entstehenden Kräfte nicht überschritten werden, können sich die Flächen nicht gegeneinander verschieben.) Der helle Sandstein, von seiner Steinschwärzung durch ein neuartiges Niederdruckstrahlgerät und mittels Lasereinsatz befreit, strahlt wieder weit über den Pariser Platz.

Am 3. Oktober 2002 wird das frisch restaurierte Brandenburger Tor mit einem Festakt zum Tag der deutschen Einheit feierlich enthüllt.

Umnutzung der Torhäuser

Die Torhäuser werden in der Folgezeit unterschiedlich genutzt. Das Haus der ehemalige Wache bleibt ab den 1930er Jahren lange ungenutzt. Das ehemalige „Einnehmerhaus“ der Steuerbehörde wird bis 1875 von einem Steuerinspektor genutzt. Danach von einer königlichen Telegrafenstation, dem kaiserlichen Telegrafenamt, dem Postamt W 6 der Weimarer Republik und einem Zollamt – und beherbergt bis zu seiner Zerstörung 1945 die Polizeiwache Brandenburger Tor.

Während der Anfangszeit der DDR befindet sich hier eine Kontrollstation. Zwischen 1961 und 1989 sind sie Dienstgebäude der DDR-Grenztruppen.

Nach der bisher letzten Restaurierung 2002 hat am quirligen Pariser Platz der „Raum der Stille“ seinen Ort im ehemaligen Steuerhaus gefunden. Die Touristeninformation ist ins ehemalige Wachhaus eingezogen.

Im Laufe der Geschichte Preußens und des Deutschen Reiches ist das Brandenburger Tor bevorzugte Kulisse politischer Machtdemonstrationen der jeweiligen Epoche.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Edition Luisenstadt : Festungsanlage, in: Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon, Friedrichshain-Kreuzberg. Luisenstädtischer Bildungsverein. Haude und Spener / Edition Luisenstadt, Berlin 2002, DNB
  • Becker, Gerd (1997): Tragkonstruktionen des Hochbaus, Teil 1 Konstruktionsgrundlagen DNB
  • Bleichrodt, Wilhelm Günther (1840): Architektonisches Lexikon oder allgemeine Real=Encyclopädie der gesammten architektonischen und dahin einschlagenden Hilfswissenschaften für Architekten und solche, die es werden wollen, für Bauwerken, Staats= und Communalbehörden, Staatsbeamte, Land= und Hauswirthe u. s. w. Bayrische Staatsbibliothek
  • Demps, Laurenz (1991): Das Brandenburger Tor: ein Symbol im Wandel DNB
  • Glatzer, Ruth (Hrsg.) (1959): Berliner Leben 1648–1806: Erinnerungen u. Berichte DNB
  • Kammel, Frank Matthias (1990): Vergessene Kentauren. Metopen vom Brandenburger Tor auf der Museumsinsel, in: Jahrbuch preußischer Kulturbesitz, 27. (1991), S. 296–281, docplayer
  • Rundfunk Berlin-Brandenburg: Preußen. Chronik eines Deutschen Staates Website
  • Siefart, Emil von (1912): Aus der Geschichte des Brandenburger Tores und der Quadriga, Digitalisierung ZLB 2012 ZLB
  • Nietzange-Test.de: Verbindungsarten erklären. Website
  • Zschocke, Helmut (2007): Die Berliner Akzisemauer. Die vorletzte Mauer der Stadt DNB 

StandortPariser Platz
Architekt(en)
  • Philipp Gerlach (Tiergarten Tor)
  • Carl Gotthard Langhans d. Ä (Brandenburger Tor)
Erbaut
  • 1674
  • 1735
  • 1788–91
Ensemble
Auftraggeber
  • erstes Tor (1674): Kurfürst Friedrich Wilhelm
  • Tiergarten Tor (1735) König Friedrich Wilhelm I.
  • Brandenburger Tor (1788–91) Friedrich Wilhelm II.