Botschaft der Tschechischen Republik

Botschaft der Tschechischen Republik, Berlin
© Marlen Wagner

Auf der oberflächlich leeren Fläche zwischen der ehemaligen Reichsbahndirektion und dem Teil des Hotels Kaiserhofs (1873 bis 1945), der am Wilhelmplatz liegt, entsteht in den Jahren 1974 bis 1978 die Botschaft der ČSSR, auf der Südhälfte des 1949 in Thälmannplatz umbenannten Wilhelmplatzes.

Während der Bauarbeiten wird der zweigeschossige Bunker des Hotels entdeckt. Von diesem Bunker aus leitete Goebbels die Aufräumarbeiten nach der so genannten „Luftschlacht um Berlin“ im November 1943. Wie später auch viele andere Bunker der umliegenden Ministerien wird auch dieser während der Neubauarbeiten abgerissen.

Die ČSSR, seit Oktober 1968 Föderation aus den zwei Teilrepubliken Tschechische Sozialistische Republik und Slowakische Sozialistische Republik, wird von der Lage des ihr zugewiesenen Grundstücks für ihren Botschaftsbau wenig begeistert gewesen sein, denn bis in die späten 1980er Jahre steht ihr Botschaftsgebäude nahezu allein inmitten einer städtischen Wüste. Nur die Botschaft Nordkoreas, ein Rest des Propagandaministeriums und einige wenige nicht im Krieg zerstörte Häuser sowie die Mauer bildeten die Nachbarschaft. Isoliert und gleichzeitig exponiert.

Das Botschaftsgebäude der ČSSR an der Otto-Grotewohl-Straße 21(wie die Wilhelmstraße von September 1964 bis 1993 heißt) wird von 1974 bis 1978 errichtet und im Februar 1979 eingeweiht. Es ist mit 48 mal 48 Meter ein massiger Bau im Stil des französischen Brutalismus. Er wird unter Leitung des Architektenehepaares Věra und Vladimír Machonin in Zusammenarbeit mit dem Architekten Klaus Plätzmann und seinem DDR-Kollektiv entworfen und gebaut, mit vorgehängten Fassaden und den in der DDR dominierenden Materialien Stahl, Beton und Glas.

Seit 1992 residiert in dem Gebäude der ehemaligen Botschaft der ČSSR, Wilhelmstraße 44 am Wilhelmplatz, die Botschaft der Tschechischen Republik. Im Unterschied zu anderen Berliner Bauten der DDR-Zeit ist das Gebäude seit seiner Einweihung im Februar 1979 kaum verändert worden. Seine Umgebung jedoch hat sich verändert. Am neugestalteten Wilhelm-/Zietenplatz gelegen ist es nun weder isoliert noch exponiert: Seit Ende der 1990er Jahre ist das Gebäude umgeben von DDR-Plattenbauten und Einkaufsmarkt einerseits und sich in Richtung Mohrenstraße anschließender alten Bebauung aus dem 19. Jahrhundert.

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands liegt die Botschaft in der Mitte Berlins. Vielleicht ist es ja gerade diese Lage, die seit einiger Zeit eine kontroverse Diskussion über dieses Gebäude ausgelöst hat: Abriss oder Denkmalschutz?

Quellen und weiterführende Literatur

  • Botschaften. Tschechische Republik, baunetz
  • Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin (2013): Geschichte der diplomatischen Vertretung. Ein historischer Überblick von der Diplomatischen Vertretung in Deutschland seit 1918 bis heute., Website
  • Burianova, Tereza (2013): Geschichten aus dem brutalistischen Ufo. Die tschechische Botschaft in Berlin, in: Deutschlandfunk Kultur, 25.06.2013, Deutschlandfunk
  • Botschafts-Architektur. Abschied vom „Brutalismus“, in: Der Tagesspiegel, 27.03.2009, Tagesspiegel
  • Englert, Kerstin/Tietz, Jürgen (Hrsg.) (2004): Botschaften in Berlin. Gebr. Mann Verlag, Berlin, Gebr. Mann

StandortWilhelmstraße 44
Architekt(en)
  • Věra und Vladimír Machonin
  • Klaus Plätzmann
Erbaut1974–1978
NutzerBotschaft der Tschechischen Republik
Ensemble
VorgängerHotel Kaiserhof
AuftraggeberČSSR