Akademie der Künste

Akademie der Künste am Pariser Platz
Akademie der Künste am Pariser Platz
© Marlen Wagner

Wiedervereinigung der Akademien der Künste

1993 werden die Akademien der Künste, die nach der Teilung Deutschlands im Osten (1950) und Westen (1954) gegründet wurden, wieder vereint. Die Mitglieder der Abteilung Baukunst leiten unter Beteiligung der Senatsverwaltung ein Gutachterverfahren zur Planung eines Neubaus am Pariser Platz ein. Die Jury entscheidet sich für den Entwurf von Günter Behnisch & Partner mit Werner Durth, die Mitglieder der Abteilung Baukunst und die im Plenum versammelten Mitglieder aller Akademie-Abteilungen schließen sich der Empfehlung an.

Glas statt Stein

Gegen alle Bauvorschriften für die neue Randbebauung des Pariser Platzes verwenden Behnisch und Partner nicht Stein als bestimmendes Element für die Fassade des neuen Akademiegebäudes sondern Glas und Stahl.

„Ich bin gar nicht erst auf den Gedanken gekommen, da eine Steinfassade zu machen. Man muss doch Material und Konstruktionsweise aus unserer Zeit nehmen und nicht die von der Barockzeit.“, so Behnisch in einem Interview mit dem Spiegel (Beyer/Knöfel 2005).

Glasfassade
© Marlen Wagner

Statt die von der Senatsverwaltung empfohlene „kritische Rekonstruktion“ Stein werden zu lassen, hängen die Architekten 40 Zentimeter vor die Fassade des gläsernen Kopfbaus ein Rohrgestänge, das die Fassadengliederung und die Proportionen des ehemaligen Palais Arnim aufnimmt und nachzeichnet. Der Archivbau schließt das Grundstück nach Süden zur Behrenstraße hin ab und ist mit einer Putzfassade mit mineralischem Anstrich und Lochfenstern ausgeführt. Dieser Teil des Gesamtbaus ist durch eine „Spange“, mit Räumen für die Abteilungsdirektoren und Referenten, mit dem Kopfbau verbunden.

Abriss und Neubau

Die ehemaligen, von Speer stark veränderten Ihne-Ausstellungssäle sollen erneut als solche genutzt werden. Sie werden restauriert und mit einer großen Halle umgeben. Speers Neubauten werden abgerissen.

„Wir hatten ja die Auflage, Gebäudereste der alten Akademie zu bewahren. Das hat mich sehr gestört. Denn wenn man etwas erhält, stellt man es auch auf einen Sockel. Und ich hatte nicht die Absicht, diesen Vorgänger Speer aufs Podest zu heben.“, äußert sich Behnisch im Interview (Beyer/Knöfel 2005).

Auch beim Dach haben sich die Architekten für die Verwendung von Glas entschieden: Über der Dachterrasse befindet sich ein mit Blattmotiven farbig bedrucktes Glasdach, das in seinen Farben Bezug nimmt auf die Fassaden der Nachbargebäude.

Glasdach
© Marlen Wagner

Durch die Hintertür …

Ironischerweise ist es gerade dieser moderne Baustoff, der die Bauvorschriften quasi durch die Hintertür doch noch erfüllt: In der gläsernen Fassade der Akademie der Künste spiegelt sich die historisierende des Hotel Adlons …

AdK Berlin, Pariser Platz
Spiegelungen
© Marlen Wagner
Quellen und weiterführende Literatur

  • Bernau, Nikolaus: (2005): Chronik eines Bauskandals. Werner Durth, Günter Behnisch: „Berlin Pariser Platz. Neubau der Akademie der Künste“, Deutschlandfunk Kultur, 05.04.2005, Website
  • Beyer, Susanne/Knöfel, Ulrike (2005): „Was uns auf der Seele brennt“. Interview mit Günter Behnisch, in: Spiegel online, 14.05.2005, Website
  • Durth, Werner/Behnisch, Günter (2005): Berlin Pariser Platz. Neubau der Akademie der Künste, Jovis-Verlag Berlin, Verlag
  • Güntner, Joachim (2003): Interview mit Adolf Muschg: Berlin als Frontstadt der Kultur, in: Neue Züricher Zeitung, 12.7.2003, Website
  • Hannesen, Hans Gerhard (2005): Die Akademie der Künste in Berlin. Facetten einer 300jährigen Geschichte. Akademie der Künste, Berlin, DNB
  • Muschg, Adolf (2003): Die Akademie dankt, in: Frankfurter Allgemeine, 09.09.2003, Website

StandortPariser Platz 4, 10502 Berlin
Architekt(en)Behnisch und Partner mit Werner Durth, Stuttgart
ErbautFertigstellung 2005
ZustandNeubau
NutzerAkademie der Künste
Ensemble
Vorgänger
AuftraggeberLand Berlin für die Akademie der Künste, vertreten durch: Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten und Senatsverwaltung für Stadtentwicklung