Abgeordnetenhaus Wilhelmstraße 65

Abgeordnetenhaus Wilhelmstraße 65
Abgeordnetenhaus Wilhelmstraße 65
© Marlen Wagner

Standardisierter Betonskelettbau

1974 bis 1976 wird das Bauwerk als standardisiertes Bürogebäude in der Otto-Grotewohl-Straße 5, jetzt Wilhelmstraße 65, errichtet. Es dient als Außenstelle des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR. Die Bauweise „SK-Berlin“ steht für Fertigteilstützen, -unterzüge und Deckenelemente und für eine Fassade aus „filigranen Betonelementen“. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wird das Gebäude als Teil des Blocks Unter den Linden–Wilhelmstraße–Dorotheenstraße unter Ensembleschutz gestellt.

In den 1970er Jahren, im Zuge der Anerkennung der Deutsche Demokratische Republik als Staat durch viele Staaten, ziehen hier die diplomatischen Vertretungen der Königreiche der Niederlande und Norwegens sowie der Republiken Österreich und Venezuela ein.

Grundsanierung und Neugestaltung

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wird das Gebäude in den 1990er Jahren von der Bundestagsverwaltung und von der Botschaft Afghanistans genutzt.
Im April 2008 beginnen umfassende Umbaumaßnahmen, um das Bauwerk als Abgeordnetenhaus nutzen zu können.

Das Gebäude liegt direkt an der Kreuzung Dorotheenstraße/Wilhelmstraße. Diese ist leicht asymmetrisch ausgerichtet. Die Asymmetrie nimmt das Gebäude in L-Form auf, sein kurzer Gebäudeflügel liegt an der Dorotheenstraße, sein langer an der Wilhelmstraße. Ein neuer Eingangsbereich ist direkt zur Straßenkreuzung ausgerichtet, liegt also nicht in der geometrischen, sondern in der optischen Mitte.

Vom alten DDR-Bau bleibt nach den umfangreichen Umbaumaßnahmen wenig erhalten. Er wird bis auf die Rohbausubstanz zurückgebaut, es werden Teile verstärkt oder ersetzt und er erhält neue Fassaden an Straßen- und Rückfronten. Zudem wird ein weiteres Geschoss eingezogen, das gegenüber dem darunterliegenden etwas zurückgesetzt ist. Das lichte Haus öffnet sich über einen zentralen Eingang Besuchern und Beschäftigten. Ein Innenhof spendet zusätzlich Tageslicht.

Abgeordnetenhaus Wilhelmstraße 65
Abgeordnetenhaus Wilhelmstraße 65
© Marlen Wagner

Sämtliche Fassaden des Gebäudes sind verglast. Die zur Hofseite blickenden Süd- und Ostfassaden sind mit glatt anliegenden Ganzglas-Fassadenelementen verkleidet. Die zur Kreuzung blickenden Fassaden haben leicht verschwenkte Glaselemente erhalten. Ihre in immer demselben kleinen Winkel zur Außenwand und parallel zueinander angebrachten Elemente bringen Bewegung in die Oberfläche. Sie ist der oft gegenläufigen Wellenbewegungen großer Gewässer vergleichbar.

Viele Regierungsgebäude sind unterirdisch miteinander verbunden. Das Gebäude in der Wilhelmstraße 65 erhält über einen neuen Fußgängertunnel zum Jakob-Kaiser-Haus nicht nur eine sichere Passage quer über die vielbefahrene Straße, sondern auch Anschluss an dieses Tunnelsystem. Es verbindet das Jakob-Kaiser-Haus, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und das Paul-Löbe-Haus miteinander.

Lichtinstallation von Gunda Förster

Gunda Förster, TUNNEL, LED
Gunda Förster, TUNNEL, LED, Deutscher Bundestag, Wilhelmstraße 65, Berlin, permanente Arbeit seit 2012
© Gunda Förster

Ab beiden Seiten des Fußgängertunnel, der das Abgeordnetenhaus in der Wilhelmstraße 65 mit dem Jakob-Kaiser-Haus, dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und dem Paul-Löbe-Haus miteinander verbindet, hat Gunda Förster eine Lichtinstallation entworfen und umgesetzt. An beiden Seiten des Tunnels sind vertikale und an der Decke horizontale Lichtlinien so angebracht, dass Bögen entstehen, die den Raum strukturieren.

Quellen und weiterführende Literatur

StandortWilhelmstraße 65 (vormals Otto-Grotewohl-Straße 5)
Architekt(en)unbekannt, 2008 Lieb + Lieb Architekten
Erbaut1974 erbaut, 2008 Grundsanierung und Neugestaltung
ZustandEntkernter grundsanierter Plattenbau mit neuer Fassade
Nutzer
  • Bürogebäude
  • Außenstelle des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR
  • Bundestagsverwaltung
  • Botschaft Afghanistans
  • Abgeordnetenhaus der Bundesregierung
VorgängerAußenstelle des DDR-Außenministeriums
Auftraggeber
  • unbekannt
  • 2008 Deutscher Bundestag